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Jazz ist nicht tot!

16. Januar 2017

Als Junge habe ich meinen Namen gehasst. Alle meine Freunde hatten (für mich) coole, ein- bis zwei-silbige Namen wie Maik, Tom, Martin oder Felix. Mein „Sebastian“ klang in meinen Ohren furchtbar lang, alt und unpassend. Vielleicht lag es auch daran, dass meine Eltern mich nur „Sebastian“ nannten, wenn ich irgendwas ausgefressen hatte. So oder so war ich damals nie ein Freund meines Namen. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich „Arielle, die kleine Meerjungfrau“ sehen durfte. Sebastian, die Krabbe, war mein Held. Mein Namensvetter und ein cooler Typ. Ein neuer Respekt gegenüber meinem Namen war geboren. Als ich dann noch ein wenig später „Cruel Intentions“ sah, hatte dieser Name Sebastian auf einmal was richtig cooles. Ich verdanke es also einem Meeresbewohner und einem Macho-mäßigem Teenager, dass ich meinen Namen wieder cool fand. Und endlich kann ich noch einen dritten Film-Sebastian erwähnen, der mich stolz macht, diesen Namen zu tragen (auch wenn ich ihn mittlerweile ja schon mag): „La La Land“!

Ryan Gosling spielt nämlich den erfolglosen Jazz-Pianisten Sebastian, der in L.A. auf die erfolglose Schauspielerin Mia (Emma Stone) trifft. Im Zeitraum eines Jahres (gemessen in diesem Fall anhand der Jahreszeiten) lernen sich die Beiden näher kennen, durchleben gemeinsam die Höhen und Tiefen des Lebens – auf der Suche nach Erfolg und Glück.

Nur ein weiterer Kino-Liebhaber namens Sebastian

Mit einem Rekord brechenden Gewinn von sieben Golden Globes und einer Unmenge an Lob muss ich jetzt wohl ein bisschen vorsichtig agieren, denn zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich „La La Land“ mich nicht zu hundert Prozent abgeholt hat. Die Geschichte von Sebastian und Mia fand ich ein wenig langweilig. Gut, „langweilig“ ist vielleicht das falsche Wort und mir fehlen auch ein wenig die passenden Worte, um zu beschreiben, warum mich die Geschichte nicht so sehr überzeugt hat. Irgendwie war mir der ganze Aufbau ein bisschen flappsig. Auch ein blödes Wort. Regisseur Damien Chazelle hat mich nur emotional betrachtet mit seinem vorherigen Film „Whiplash“ wesentlich mehr umgehauen als mit „La La Land“. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass diese Liebesgeschichte eine von vielen ist, die nicht einmal (rein erzählerisch) etwas Neues oder Interessantes zu bieten hat. Lediglich zum Ende hin gelingt es Chazelle dann aber doch in einer sehr stark an das Finale von „Scrubs“ erinnernden Sequenz, auch diesen Sebastian im Kino und sein Roboterherz zu berühren.

Ich will damit jedoch nicht sagen, dass „La La Land“ kein wunderschöner Film ist. Denn allein von der Musik, von den Kostümen, vom Setting und all dem Drumherum ist er nämlich genau das: ein wunderschöner Film. Dass Damie Chazelle eine Leidenschaft für Musik hat, spürt man mit wirklich jedem Song. Das sind wunderbar schöne Ohrwürmer… und allein „City of Stars“ werde ich wahrscheinlich noch tagelang pfeifen. Auch verneigt sich „La La Land“ würdig vor dem Musical an sich und erinnerte mich besonders stark an „Singin in the Rain“. Nur leider vergisst der Film zwischendurch auch mal, dass er ein Musical ist und hat eine musikalisch gesehen längere Durststrecke. Aber das übersteht man dann auch.

Wie erwähnt ist auch das Setting, die Kostüme, die Szenerie echt schön. Chazelle findet immer wieder tolle Bilder, um sein Leinwand-Paar zu porträtieren. Anders als bei seinem sehr düsteren und schweren „Whiplash“, lebt Chazelle hier in den verschiedenen Farbtönen (ob nun in den Kostümen oder Settings) richtig auf. „La La Land“ ist ein Bilderbuch, an dem man sich nicht satt sehen kann.

Dazu kommen zwei Stars, die nicht nur wunderschön sind, sondern auch ein tolles Pärchen abgeben. Ich glaube, ich habe es ja zu Ryan Gosling irgendwann schon einmal gesagt, aber ich wiederhole mich gerne: Man ziehe dem Mann einen maßgeschneiderten Anzug an, lasse ihn süffisant in die Kamera lächeln und der Kerl strahlt sofort so eine unglaubliche Coolness und Charme aus, der man nur erliegen kann. Es sieht bei ihm immer aus, als würde er gar nicht spielen. Wesentlich stärker als Gosling fand ich aber Emma Stone, die hier für mich (nach „Easy A“) eine ihrer besten Performances abliefert. Stone wird auch allgemein mehr vom Drehbuch gefordert und ist dabei unheimlich stark.

„La La Land“ ist schon ein toller Film, ein schwelgerischer, nostalgischer Film, in dem irgendwie alles gute Laune verbreitet, selbst wenn es mal nicht so gut läuft. Dafür muss man ihn einfach lieben, bietet er doch einen schönen Moment der Ruhe, in dem man einfach der Realität entfliehen kann und mit Gosling und Stone auf diese romantisch-kitschige Reise geht, deren Ende unheimlich berührt….

Plus: Der Typ heißt Sebastian, was will ich eigentlich noch mehr? 😉

Wertung: 8 von 10 Punkten („city of stars/ are you shining just for me?“)

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18 Kommentare leave one →
  1. 16. Januar 2017 13:45

    Ich befürchte, er gefällt mir nicht so gut; ich werde aber mit Muddi rein, weil sie es sich wünscht :))

    • donpozuelo permalink*
      16. Januar 2017 13:57

      Wieso sagst du das? Kein Musical-Fan?

      • 16. Januar 2017 14:01

        Nein absolut nicht. Ich bin sowas von Anti-Musical…außer vielleicht die Rocky-Horror-Picture-Show :))

        • donpozuelo permalink*
          16. Januar 2017 14:03

          Hahaha… verstehe. Ja. Ich kann auch nicht so viel mit Musicals anfangen, aber der hier war tatsächlich ganz putzig. Bin mal gespannt, was du am Ende dazu sagst.

  2. 17. Januar 2017 00:35

    Ich hab die kleine Durststrecke an Lieder im Mittelteil als gewollt gesehen. Da kommt ein wenig die Realität durch und zeigt das eben nicht immer alles wie im Musical ist. Erst mit Emmas Audition Song steigt der Film wieder ins Positive. Aber vielleicht wollte ich es auch nur so interpretieren 😀

    • donpozuelo permalink*
      17. Januar 2017 11:14

      Ja. Das denke ich auch. Da wird es ja dann wirklich alles schwierig und kompliziert zwischen den Beiden. Trotzdem hätte man ja auch das mit einem Song noch untermalen können. Aber hey… tragisch ist das auch nicht. Und ihr Audition Song war großartig.

      • 17. Januar 2017 17:02

        Sebastian ist übrigens einer meiner Lieblingsnamen 🙂

        • donpozuelo permalink*
          17. Januar 2017 17:05

          Das geht runter wie Öl. Danke…

  3. 20. Januar 2017 16:01

    Was für eine schöne Geschichte mit dem Namen. 🙂 Und das was du über Herrn Gosling und Mrs Stone geschrieben hast, kann ich nur bestätigen. Ich fand den Film auch zauberhaft.

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2017 16:03

      Danke! Und ja, ein schöner Film.

  4. 3. Februar 2017 11:51

    Jetzt hast du dich noch beliebter gemacht. Mein Bruder trägt den gleichen Vornamen und ich finde diesen sehr, sehr schön!

    • donpozuelo permalink*
      3. Februar 2017 12:49

      Hahaha… sehr gut. Das freut mich 😉

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