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Zu zweit allein!

6. Januar 2017

Man kann einen Film mit Jennifer Lawrence ins Kino bringen – und greift damit mit Sicherheit alle „Tribute von Panem“-Fans ab, die aus der jungen Darstellerin den heißesten Scheiß der letzten Jahre gemacht haben. Man kann auch einen Film mit Chris Pratt drehen – und greift damit so ziemlich alle anderen Fans ab, die er sich durch „Guardians of the Galaxy“, „Jurassic World“ und Co. so angelacht hat. Denn auch ein Chris Pratt ist der heißeste Scheiß der vergangenen Jahre. Der Norweger Morten Tyldum hat nun das große Vergnügen, Lawrence und Pratt in einen Film zu packen – ein garantierter Hit. Die beiden könnten Toast machen und der Film würde sein Budget locker einspielen. Es spielen schließlich J-Law, Pratt und Toast mit. Zum Glück für uns geht’s in „Passengers“ aber nur bedingt um Brot.

Stattdessen finden sich Techniker Jim (Pratt) und Autorin Aurora (Lawrence) an Bord der Raumschiffs Avalon wieder – mit dem sie unterwegs sind, um einen neuen Planeten zu besiedeln. Allerdings wachen Jim und Aurora gute 90 Jahre vor Ankunft auf und sind die beiden einzigen wachen Menschen auf dem Schiff. Doch zum Glück verlieben sich die beiden in einander und haben dann nur noch das Problem herauszufinden, was mit dem Schiff nicht stimmt.

Katniss & Starlord on a date…

„Passengers“ ist leider mal wieder so ein klassischer Fall von „Wir legen euch mit dem Trailer komplett rein und schicken euch auf eine falsche Fährte“. Denn der Trailer verspricht sehr, sehr viel mehr Action als der fertige Film zu bieten hat. Deswegen schreibe ich das gleich zu Beginn: Wer Action erwartet oder den ultimativen großen Plottwist, der ist bei „Passengers“ ein wenig fehl am Platze.

Stattdessen erwartet euch ein etwas kitschiger, sehr stylischer Film, der zumindest am Anfang auch noch ein paar interessante Fragen über das Thema Allein-Sein aufwirft, diese jedoch am Ende dann wieder für seinen Kitsch aufgibt. Ich will jetzt nicht zu viel verraten über den Plot, deswegen muss das jetzt so schwammig bleiben.

Stellt euch „Passengers“ vor als eine Art Real-Verfilmung von „Wall-E“: kleiner, unscheinbarer Typ verliebt sich in eine Lady, die eigentlich weit über seinem Stand steht. Man werfe noch ein wenig „Titanic“ dazu – wegen dem Schiff (das auch hier in Klassen aufgeteilt ist) und würze das Ganze mit J-Law und Pratt. Während Pratt seinen natürlichen Charme einfach spielen lassen kann, wirkt eine Jennifer Lawrence irgendwie sehr angestrengt oder einfach zu Jennifer Lawrence, um für mich wirklich zu funktionieren. Die Chemie zwischen den Beiden stimmt, das steht außer Frage… und dennoch hat mich das sehr vorhersehbare Geplänkel der Zwei ziemlich schnell gelangweilt. Für so ein Kammerspiel im All (das nur noch durch den großartigen Michael Sheen als einen durch „The Shining“ inspirierten Barkeeper-Roboter aufgewertet wird) hätte es ruhig ein wenig mehr sein können. Es gibt im Film eine Entscheidung von Jim, die ich jetzt nicht verraten will, aber das Thema rund um diese Entscheidung hätte der Film einfach viel stärker ausbauen können, um neben der einfachen Liebesgeschichte auch ein wenig zum Nachdenken anzuregen – nach dem Motto: „Was hättest du getan?“

Aber gut, „Passengers“ ist halt so ein Film, der so oder so hätte ablaufen können. Der gleiche Film als Low-Budget-Indie-Produktion wäre mit Sicherheit mehr auf die existenziellen Fragen des Skripts eingegangen und hätte das Ganze durchaus düsterer und schwerer machen können.

Nur erstens soll „Passengers“ kein schwerer Film sein, sondern ein unterhaltender Film. Weswegen das Ganze dann halt mehr Liebesdrama mit allen Klischees, aber leider auch wirklich allen Klischees wird (da steckt dann leider auch sehr viel mehr Herz in „Wall-E“ als in „Passengers“). Aber immerhin weiß Molten Tyldum alle Knöpfe richtig zu drücken und mit der passenden Musik und ein wenig Ausweglosigkeit entsteht dann auch im Weltall die große Liebe.

Für Sci-Fi-Fans ist dann wenigstens noch die Optik eine kleine Entschädigung, denn alles rund um das Schiff Avalon sieht wirklich umwerfend aus. Alles hier sieht wirklich umwerfend aus (inklusive der Darsteller, das versteht sich von selbst) – von der Bar über den Infinity-Pool, der tatsächlich sehr unendliche Ausblicke gewährt bis hin zu den Suiten und Lagerräumen des Schiffes. Wenn ich jemals ins All reisen möchte, dann bitte in sowas wie der Avalon (aber bitte auch nur als Gold-Status-Reisender!).

„Passengers“ sieht in jeder Beziehung toll aus – nur leider verbirgt sich hinter der äußeren Schönheit nicht sonderlich viel… außer halt Michael Sheen, der wirklich gut war.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Beziehungen sind halt auch im All kompliziert)

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8 Kommentare leave one →
  1. 7. Januar 2017 14:06

    Mensch, Glück gehabt, das ausgerechnet zwei so attraktive Menschen zu früh aus dem Schlaf erwachen… 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. Januar 2017 12:50

      Nicht wahr? Was für ein Glück… aber attraktive Menschen wachen halt gerne auch früher auf.

  2. 7. Januar 2017 18:47

    Neulich im Kino habe ich mit einem Freund noch diskutiert, ob man den Film sehen muss oder nicht. Und ich gehörte zu der Fraktion, die sagt „Muss man nicht sehen“. Mir kam das einfach so aufgesetzt vor, dass man schon im Trailer einen Story-Twist versucht anzudeuten. Von wegen „Es gibt einen Grund, warum wir zu früh aufgewacht sind“. Mal abgesehen davon gibt es (außerde Hauptdarstellern) keinen Grund den Film zu gucken. Und da ich keinen von beiden so richtig fangirle, war mir von Anfang an klar, dass ich den nicht schauen werde … nicht mal um herauszukriegen, warum sie soviel früher aufgewacht sind. Und dabei bin ich sonst so neugierig. Und jetzt lese ich hier, dass es nicht mal einen echten Twist gibt … hach je. Nee. Den schaue ich nich …

    • donpozuelo permalink*
      8. Januar 2017 12:49

      Richtig so. Dieser Grund, warum sie früher aufwachen, ist so banal und am Ende so fragwürdig (gerade auch auf die Frage, warum nur diese Beiden aufwachen und nicht gleich alle anderen auch oder zumindest ein paar mehr). Es ist wirklich so ein Film, der gut zeigt, dass große Namen heutzutage wirklich keine Qualitätsgarantie mehr sind.

  3. 11. Januar 2017 08:07

    Ich fühlte mich trotzdem gut unterhalten – und wenn man die Kommentare hier liest, merkt man noch einmal, wie irreführend Trailer und Marketing-Kampagne waren 😀

    • donpozuelo permalink*
      11. Januar 2017 08:40

      Sag ich ja. Die Marketing-Kampagne schadet mehr als das sie hilft…

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