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Auf nach Hogwarts!

4. Januar 2017

Wie man an der Überschrift unmissverständlich erkennen kann: Ich habe endlich meinen ersten „Harry Potter“-Film gesehen. Und ja, ich weiß, ich bin ein bisschen sehr viel zu spät und ja, es wundert mich auch, warum ich auf diesen Zug vorher nie aufgestiegen bin. Es könnte tatsächlich damit zu tun haben, dass die Bücher zu einer Zeit erschienen sind, in der ich mich so ein wenig von der Kinder-Fantasy-Literatur gelöst hatte. Das war meine Stephen King und Dean Koontz-Phase. Mit Sicherheit hätten mir damals auch die Bücher um den kleinen Zauberer viel Spaß gemacht, aber ich wollte halt einfach nicht. Als dann noch der Riesen-Hype um die Bücher begann, war meine Ignoranz gegenüber „Harry Potter“ ein Zeichen meiner Rebellion gegen den Mainstream… vielleicht, wer weiß das schon. Es ist ein Erklärungsversuch, mehr auch nicht.

Aber die Zeit der Rebellion ist nun vorbei, denn immerhin haben mir die ungläubigen Kollegen vor einiger Zeit zu meinem Geburtstag die Komplettbox auf Blu-ray geschenkt, meine rebellische Phase ist auch vorbei, von daher war jetzt auch der richtige Moment für die Potter-Saga – und damit für den ersten Film „Harry Potter und der Stein der Weisen“.

Der junge Waise Harry Potter (Daniel Radcliffe) wächst bei seiner Tante auf und ihrer unmöglichen Familie, die den Jungen schlimmer behandeln als einen Hund. An seinem elften Geburtstag wird Harry jedoch nach Hogwarts eingeladen… denn Harry ist ein Zauberer und ein berühmter noch dazu. Immerhin waren es seine Eltern, die gegen den bösen Zauberer Voldemort gekämpft haben und dabei starben. Und schließlich ist auch Harrys Narbe im Gesicht ein letztes unheimliches Andenken an Voldemort. In Hogwarts lernt Harry dann Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) kennen, die bald seine besten Freunde werden. Mit den beiden beginnen dann die spannenden Abenteuer in Hogwarts – vom Zauberunterricht bis zum Quidditch-Spielen und der Jagd nach dem Stein der Weisen.

Sind sie nicht süß, die Kleinen???

Der erste Potter-Film also… ein Film, der – wenn ich ehrlich sein darf – mich ein wenig gelangweilt hat. Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich die Bücher nicht kenne und mich halt jetzt erst an diesen Hype wage (und nein, die Tatsache, dass „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ in die Kinos kam, hat damit nichts zu tun). „Harry Potter und der Stein der Weisen“ hatte für mich einfach viel zu viele Längen und erzählt dann letztendlich zu viel auf einmal, ohne etwas so richtig zu erzählen.

Der Film ist zweieinhalb Stunden lang und in den ersten anderthalb Stunden passiert nicht sonderlich viel, obwohl doch relativ viel gezeigt wird. Aber es ist so vieles, was die Story einfach nicht sonderlich voranbringt. Letztendlich ist es eine extrem lange Einleitung – erst sehen wir Harry bei seinen bösen Stiefeltern, danach geht’s mit dem sympathischen Hagrid (Robbie Coltrane) zum Shoppen, danach geht’s über Gleis 9 ¾ zum Zug, dann kommt man in Hogwarts an, wo man erst einmal durch einen magischen Hut seinem Haus hinzugefügt wird und schon mal den Schüler-Antagonisten einführt – und ganz ehrlich, Draco Malfoy (Tom Felton) erinnerte mich ein wenig an Johnny aus „Karate Kid“. Neben ein paar Unterrichtssequenzen, einer kurzen Einleitung ins Quidditch und einem winzigen Teaser auf Harrys Vergangenheit dauert es dann noch sehr lange, bis überhaupt einmal dieser „Stein der Weisen“ erwähnt wird. Und das letzte Drittel des Films, das Harry, Hermine und Ron dann an eine an „Der Letzte Kreuzzug“ erinnernde Schatzsuche schickt, ist tatsächlich auch sehr spannend. Wenn Regisseur Chris Columbus einfach seine Einleitung etwas gekürzt hätte, wäre „Der Stein der Weisen“ einfach etwas schneller in Fahrt gekommen.

So sehr die lange Einleitung dann erzählerisch anstrengt, kann man es dem Film auch nicht so schwer vorwerfen. Immerhin hat „Der Stein der Weisen“ die etwas undankbare Aufgabe, diese Welt filmische erst einmal aufzubauen – und sie vor allem Lesern und Nicht-Lesern schmackhaft zu machen. Da muss natürlich alles vorgestellt werden, was später noch wichtig sein könnte (und ich hoffe einfach mal, dass es ab Teil 2 ein bisschen besser wird und schneller zur Sache geht).

Nichtsdestotrotz ist diese Welt faszinierend. Chris Columbus erschafft tolle Schauwerte: die versteckte Magier-Verkaufsstraße, Hogwarts selbst mit seinen merkwürdigen Treppen, den lebenden Bildern. Mit einem guten Gespür fürs Faszinierende präsentiert uns Columbus viele, viele Dinge zum Staunen und führt uns in diese magische Welt ein. Großes Highlight des Films war für mich dann tatsächlich das Quidditch-Match, dessen Effekte sich doch erstaunlich gut gehalten haben.

Aber natürlich dürfen wir bei all dem, die Darsteller nicht vergessen. Nach Filmen wie „Swiss Army Man“ oder „Imperium“ sehe ich jetzt endlich zum allerersten Mal Daniel Radcliffe in der Rolle, die seine Karriere begann. Und Radcliffe ist gut. Er ist witzig und sympathisch, man leidet am Anfang mit ihm mit und man fiebert mit ihm mit. Zumal ihn ja auch für uns als Zuschauer eine gewisse mysteriöse Aura umgibt, kennen wir doch seine komplette Geschichte noch gar nicht. Emma Watson überzeugt als neunmalkluge Hermine und Rupert Grint ist ein willkommener Side-Kick. Besonders gefreut habe ich mich tatsächlich über Alan Rickman als Professor Snape, der auch in nur wenigen Szenen zeigt, warum er einfach nur ein großartiger Schauspieler war.

„Harry Potter und der Stein der Weisen“ ist ein etwas langatmiger Einstieg in die Welt von Harry Potter, der aber dank überzeugender Darsteller Lust auf mehr macht.

Wertung: 7 von 10 Punkten (besser zu spät als nie – die Bücher werde ich aber trotzdem nicht auch noch anfangen 😉 )

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25 Kommentare leave one →
  1. 4. Januar 2017 07:14

    Ich glaube, viele Leser der Romane hätten es dem Film nie verziehen, wenn in der Einleitung auf den Einkauf in der Winkelgasse o.ä. verzichtet worden wäre. Gerade durch die vermeintlichen Kleinigkeiten wird die Zaubererwelt so richtig lebendig. Insgesamt bieten die Filme die Story schon in ziemlich gekürzter Form an. In den späteren Filmen sind viele Sachen aus den Büchern komplett rausgeflogen…
    Wirst du auch noch die Bücher lesen oder belässt du es bei der Filmreihe? 🙂

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2017 09:51

      Das glaube ich auch. Ich kenne mich ja selbst. Gerade bei Buchverfilmungen wird man dann ja schnell penibel.

      Ich werde es vorerst bei den Filmen belassen. Aber vielleicht kommen dann auch irgendwann mal die Bücher dran.

      • 5. Januar 2017 19:37

        Falls du dich irgendwann nochmal für die Bücher entscheidest, wird sich da wahrscheinlich noch einmal eine andere Welt auftun. So viele liebevolle Details, die in den Filmen – verständlicherweise – nicht untergebracht werden konnten. Das klingt jetzt sehr negativ, aber ich finde die Filme tatsächlich nicht schlecht. Sie transportieren nur nicht immer den Charme des Buches. Hast du den zweiten Film schon gesehen? Den habe ich tatsächlich nur einmal geschaut, weil ich ihn so eklig fand… :-/

        • donpozuelo permalink*
          5. Januar 2017 20:17

          Eklig? Oha… da bin ich ja gespannt. Werde den jetzt am Wochenende gucken.

          Und ja, diese Diskrepanz zwischen Buch und Film ist ja immer da. Das wird wohl auch kein Film schaffen, ein geliebtes Buch perfekt umzusetzen.

        • 5. Januar 2017 21:47

          Ich fand den richtig eklig, aber das Buch ist auch eklig. Schau es dir einfach selbst an. Ich lese dann in der Review, ob du dich auch geekelt hast. 😉

        • donpozuelo permalink*
          5. Januar 2017 22:02

          Alles klar. Ich bin gespannt…

  2. 4. Januar 2017 19:04

    Ich hatte seinerzeit wenig vom Potter-Hype gehalten und dann zwischen Teil 3 und 4 eines Samstagabends mal diesen ersten Teil geschaut und mir wenig versprochen, war dann jedoch positiv überrascht und konsumierte im Anschluss direkt den (relativ dünnen) Roman, der mir sogar noch besser gefiel. Es folgten die übrigen Bücher und Filme und langer Rede, kurzer Sinn: Die Bücher sind sehr viel lesenswerter wie die Filme sehenswert, primär weil man einfach mehr Zeit mit den Figuren und in der Welt verbringt, sodass sich diese besser entfalten kann. Dann bin ich mal gespannt, ob es hier auch so krasse Differenzen zwischen den einzelnen Filmen gibt bei dir wie bei den X-Files-Staffeln 🙂

    • donpozuelo permalink*
      5. Januar 2017 20:18

      Tja… du und ich, wir beide 😀 Die Spannung steigt…

  3. 8. Januar 2017 21:26

    Oh eine Premiere 😀 Sehr spannend. Naja, ich kann schon verstehen, dass der Film etwas zäh ist. Manches CGi-Debakel kann auch nicht ganz überzeugen, denke ich. Der Troll war schön ziemlich schräg. So 10 Jahre später betrachtet. Aber die Geschichte wächst. 😉 Ich würde ja Geld drauf verwetten, dass dir der dritte Teil ganz gut gefällt.

    • donpozuelo permalink*
      8. Januar 2017 23:15

      Ich bin gespannt. Das mit dem dritten Teil höre sehr oft. Mal schauen, was das so wird…

  4. 9. Januar 2017 10:59

    Du Spätstarter, du! Ja, die Columbus-Filme sind gut, aber etwas zäh. Chris ist halt ein kompetenter Regisseur, aber kein Visionär, und einen so richtig magischen Eindruck schafft „Philosopher’s Stone“ nicht zu erwecken, was mein Hauptvorwurf wäre. Freu dich auf den dritten. Und, in der Tat: Lies die Bücher! 😉 (Ich hatte es damals auch nicht so mit Fantasy-Kinderliteratur, war zu der Zeit eher in meiner Karl-May-Phase, und bin erst viel später zu den HP-Büchern gekommen, hab es aber nicht bereut.)

    • donpozuelo permalink*
      9. Januar 2017 11:29

      Die Bücher kommen mit Sicherheit noch mal dran. Und ja, ich bin gespannt auf Teil 3. Der wird mir ja nun wirklich von jedem empfohlen.

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