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Im Schatten fürs Licht!

28. Dezember 2016

Als „Assassin’s Creed“ 2007 rauskam, war ich Feuer und Flamme. Das Spiel sah umwerfend aus, die Geschichte klang durchaus interessant und Schleich-Spiele mag ich ja sowieso recht gerne. Doch der erste Teil hatte noch viele kleine Probleme, die dann zwei Jahre später mit Teil 2 so gut wie beseitigt wurden. Gott, was habe ich den zweiten Teil geliebt. Wie oft habe ich das Ding gezockt und mich kreuz und quer durch Italien gemeuchelt. Assassine sein war cool. Doch mit der Zeit übertrieb es Entwickler Ubisoft dann auch ein wenig. Jedes Jahr, so schien es, kam ein neuer Teil raus. Mit jedem Teil sank meine Motivation (nur „Black Flag“, wo man Pirat sein darf, konnte mich noch einmal so richtig begeistern). „Assassin’s Creed“ hat knapp neun Hauptspiele, zahlreiche Ableger und dürfte Ubisoft vermutlich schön viel Geld eingebracht haben. Warum also nicht mal einen Film ausprobieren? Warum eigentlich nicht? Und voíla, nach langer Wartezeit ist der Film nun endlich da – mit einer viel versprechenden Kombination: Justin Kurzel und Michael Fassbender.

In „Assassin’s Creed“ lernen wir den zum Tode verurteilten Cal (Fassbender) kennen. Und weil einer von Cals Vorfahren zur Zeit der spanischen Inquisition mal ein Assassine war, überlebt er sein Todesurteil und landet bei Abstergo. Hier hat die Wissenschaftlerin Sophia (Marion Cotillard) den Animus entwickelt: Mit dieser Apparatur können die Erinnerungen an Cals früheres Leben angezapft werden. Für Abstergo enorm wichtig, denn Cals Vorfahre hat den „Apfel aus Eden“ versteckt – und mit dem Apfel kann man den freien Willen unterdrücken. Woran die Templer, die Abstergo finanzieren, sehr interessiert sind.

Pole Dancing für Assassinen

Ich habe schon Schwierigkeiten, die Story vom Film so halbwegs sachlich niederzuschreiben. Es ist alles sehr wirr. Templer, Assassinen – darauf kommt es hauptsächlich an. Alles andere ist nur so Blabla, um den Krieg zwischen diesen Parteien halbwegs glaubwürdig zu erklären. Aber gut, die Story war schon in den Spielen irgendwie eher Nebensache (und ehrlich gesagt auch ziemlich abgehoben). Leider trifft das auch auf den Film zu. Wer sich nicht schon vorher ein bisschen mit der Geschichte der Spiele auskennt, muss sich hier auf ziemlich viel verwirrendes Zeug gefasst machen, das einem leider auch nie wirklich genauer erklärt wird. Das ganze Durcheinander mit den Templern und Assassinen muss man hier einfach mal so hinnehmen. Die ganze Geschichte mit dem Apfel und der Beherrschung des freien Willens auch. Man muss eigentlich, wenn man es genau nimmt, ziemlich viel hinnehmen. Und das bricht der ganzen Unterhaltung so ein bisschen das Genick.

Allerdings ist das gleichzeitig irgendwie auch sehr nah an den Spielen dran. Denn die Abstergo-Geschichten in den Spielen fand ich da schon extrem langweilig. Ich wollte Assassine sein, nicht das ganze Drumherum ertragen müssen, das eh nie besonders tiefgründig und spannend war. Viel spannender war immer der Animus und die Erinnerungen selbst. Und auch das trifft auf den Film zu: Die Sequenzen mit Fassbender als Assassine im mittelalterlichen Spanien sind wirklich gut geworden. Hier merkt man dann doch, dass Regisseur Justin Kurzel die Spiele ausgiebig studiert hat. Wenn Fassbender und seine Assassinen-Kollegen über Dächer laufen, von Haus zu Haus springen, Leute mit ihren versteckten Klingen töten, ist man (als Liebhaber der Spiele) voll in seinem Element. Da wurde offensichtlich auch an echten Sets gedreht, weswegen die Parkour-Einlagen ziemlich beeindruckend aussehen. Die Kampf-Choreographien orientieren sich an den Kill-Moves aus den Spielen und sehen ebenfalls ziemlich cool aus.

Doch auch zu diesen Szenen gibt es einen Wermutstropfen. Es gibt gerade einmal drei solcher Sequenzen, die ein bisschen was zum Staunen bieten. Und das war’s… was zur Hölle??? Da nimmt der Film das Langweiligste aus den Spielen, macht daraus seine Hauptstory und lässt das, was an den Spielen immer am Coolsten war, zu einer Nebenhandlung verkommen. „Assassin’s Creed“ ist ein bisschen wie ein großer, leckerer Cookie, bei dem dir der Verkäufer sagt, es gibt ganz viele Schoko-Stücke. Und dann kaufst du dir diesen Cookie, beißt rein und hast genau drei Schoko-Stücke in einem ansonsten recht trockenen Teig.

Von dem Team Kurzel-Fassbender, die ja beide zuletzt in „Macbeth“ gut zusammengearbeitet haben, hätte ich mir dann doch etwas mehr erwartet. Bzw. einfach mehr cooles Assassinen-Zeug im mittelalterlichen Spanien. All das fehlt und wurde ersetzt durch eine weitere, ziemlich öde Story über eine alte Gruppierung, die die Weltherrschaft an sich reißen möchte. Das hätte niemand gebraucht. Mehr Meucheln, Schleichen und Parkour wäre viel, viel besser gewesen.

Wertung: 4 von 10 Punkten (die Kapuze des Assassinen steht Fassbender, er hätte sie nur auch mal länger tragen müssen)

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6 Kommentare leave one →
  1. 28. Dezember 2016 20:24

    Überrascht mich nicht, die Trailer waren schon so schlecht und was die Story angeht…hört sich an wie die „Wanted“-Pleite: viel wirres abgehobenes Blabla, schöne Effekte und etwas fremdschämen :))

    • donpozuelo permalink*
      31. Dezember 2016 10:59

      So in etwa… tatsächlich ein ziemlich passender Vergleich. Stimmt schon. Und ja, bei den Trailern hat mich vor allem diese merkwürdige Musikauswahl gestört.

  2. 29. Dezember 2016 20:12

    Ging mir ganz ähnlich wie dir. Mich störte weniger die Abstergo-Storyline, denn wie du schon erkannt hast, ist das ja in den Spielen auch so. Ich nehme das mal als Einstieg hin. Mich störte vielmehr diese Kälte, die aus dem Film herauszukriechen schien. Wo war da die Leidenschaft? Ich hatte mir als Spieler der Reihe mehr erwartet. Nun ja, verspieltes Potential? Wer weiß. Vll. stehen Videospielverfilmungen weiterhin unter keinem besonders guten Stern. Ich hoffe einfach auf Teil 2, der alles wieder gut macht. Ganz im Sinne des aktuellen Ablegers „Syndicate“ – einfach auf die Gegenwart geschissen. 😉 Andererseits: Bei Ezios Geschichte klappte das ja auch mit Abstergo ganz gut.

    • donpozuelo permalink*
      31. Dezember 2016 10:58

      Ja. Das Problem ist halt immer, dass man beim Film nie so komplett rein gezogen wird wie beim Spiel. Das fehlt natürlich.

      Ein bisschen mehr Assassinen-Action wäre mir trotzdem ganz recht gewesen.

      Kannst du Syndicate empfehlen? Das letzte Spiel, das ich gespielt habe, war Black Flag. Mochte ich sehr… seit dem habe ich mich jedoch an nichts mehr getraut

      • 31. Dezember 2016 15:50

        Nun, im Augenblick spiele ich ja die Ezio Collection und Syndicate abwechselnd. Nein. Falsch. Ich spiele die Ezio Collection. Habe dummerweise beide gleichzeitig gekauft und irgendwo muss man ja dran arbeiten. 😉 ABER: Ich habe Syndicate mal so 3 Std. gezockt. Grafisch top, das muss man echt sagen. Die Charaktere – man spielt 2 – auch sehr interessant. Das alte England – tolle Location/Epoche. Die Story: Keine Ahnung, ergibt sich vll. noch. Aber immerhin war ich bis dato nur im Animus unterwegs. Scheint auch kaum bis gar keine Gegenwartsstory zu geben, was mir nur recht ist. Ich kann es im Augenblick schon empfehlen. Vll. hilft dir ja folgendes weiter:

        Teil 1: sehr gut
        Teil 2: TOP!
        Teil 3: naja
        Teil 4: sehr gut bis TOP!
        Teil 5: ausgelassen
        Teil 6: scheint sehr gut bis TOP! (6 ist Syndicate oder? 🙂 Unity hatte ich ausgelassen – zuviel negatives gelesen.)

        • donpozuelo permalink*
          31. Dezember 2016 16:48

          Danke, das hilft. Dann werde ich mir Syndicate vielleicht mal holen. Deine Liste kann ich so unterschreiben… bis zu denen, die ich gespielt habe.

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