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Das Herz von Tehiti

21. Dezember 2016

Es ist mittlerweile knapp drei Jahre her, dass Disney uns mit einer taffen Prinzessin beeindrucken wollte. Und wie ja jeder fleißige Leser hier weiß, ich konnte mit „Die Eiskönigin“ wirklich nichts anfangen. Ich mag den Film einfach nicht und irgendwie war da für mich auch der Punkt, dass ich den neuen Disney-Prinzessinnen etwas skeptisch gegenüber wurde. Zum Glück folgte den Schneespielen aber erst einmal Superhelden-Action mit dem knuffigsten Ballon-Roboter aller Zeiten in „Big Hero 6“ und dann der nicht weniger umwerfende „Zootopia“ („Zoomania“? „Zootropolis“? Ich hab’s schon wieder vergessen, welchen Namen ich benutzen darf / muss). Als ich dann das erste Mal von „Vaiana“ hörte, die ja eigentlich „Moana“ heißt, aber bei uns möglicherweise wegen einem Film über eine italienische Porno-Darstellerin namens Moana umbenannt werden musste, war ich skeptisch. Jetzt also doch wieder so etwas wie eine Disney-Prinzessin, die auf spaßige Abenteuer geht. Ich gebe zu, ich war skeptisch. Immerhin mochte ich bei „Die Eiskönigin“ weder die Songs, noch die Story, noch die Charaktere sonderlich gern. Aber wie heißt es so schön: „Man soll erst meckern, wenn man den Film gesehen hat!“ (oder so ähnlich…)

Es war einmal der Halbgott Maui, der stahl das Herz von Tehiti und beschwor so dunkle Mächte hervor. Auf der kleinen beschaulichen Insel Motunui hört die junge Vaiana diese Geschichte schon ihr ganzes, junges Leben lang. Wegen Maui ist das Meer voller Seemonster, wegen dieser Seemonster können die Bewohner von Motunui nicht weit raus aufs Meer. Doch gerade dieses Meer ruft nach Vaiana und fordert sie auf, es zu erforschen. Als eines Tages jedoch die Ernte verrottet und das Leben auf ihrer kleinen beschaulichen Insel bedroht ist, macht sich Vaiana mutig auf den Weg – um Maui zu finden und das Herz von Tehiti wieder an seinen Platz zu bringen.

Seefahrer unter sich

Ganz ehrlich, ich war von Minute Eins an wie verzaubert von diesem Film. Und je länger die Minuten wurden, desto mehr hatte mich „Vaiana“ in ihren Bann gezogen. Disney hat mal wieder einen Film gemacht, der tatsächlich an die gute alte Zeit erinnert. Ich weiß, der Opa schwelgt in Erinnerungen an die gute alte Zeit, aber es ist wirklich so. Mit „Vaiana“ haben wir endlich mal wieder einen Disney-Film, bei dem das Disney-Rezept bestens funktioniert und trotzdem erfrischende Neuerungen auftreten. Hier stimmen die Charaktere, hier stimmt der Witz, hier stimmt die Dramatik, hier stimmt die Musik.

Fangen wir vielleicht bei Vaiana selbst an. Alle Welt fordert immer starke Frauen, andere Disney-Prinzessinnen, die nicht einfach nur nen Typen suchen, damit sie in Ruhe zuhause die Kinder hüten können. Erstens: Vaiana ist keine Prinzessin (darauf besteht sie selbst immer wieder)! Zweitens: Sie sucht nicht nach der großen Liebe. Sie sucht nach sich selbst. „Vaiana“ ist eine charmante Coming-Of-Age-Geschichte, die gerade auf die Liebesschnulze verzichtet und sich wirklich um die Gefühle, die Ängste und Sorgen ihrer jungen Protagonistin kümmert. Dieser Maui, auf den sie irgendwann trifft, nimmt da mehr eine Mentoren-, Vater-, Bruderrolle ein. Und gleichzeitig ist auch dieser verrückte Halbgott auf der Suche nach sich selbst.

Die Dynamik zwischen den beiden Charakteren ist einfach nur super. Hier treffen zwei starke Gegensätze aufeinander, zwei Dickschädel, die irgendwie zusammenarbeiten müssen. Die zusammen wachsen müssen… ein starkes Duo, bei dem Maui mich immer wieder ein wenig an den Dschinni aus „Aladdin“ erinnert hat. Im Original wird der Gute von Dwayne Johnson gesprochen und auch gesungen.

Heimlicher Star ist aber der debile Gockel Heihei, der die Geschichte immer wieder gekonnt auflockert. Einfach nur, weil er komplett nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Es ist teilweise sehr dummer Humor, richtig alberne Slapstick, aber es funktioniert so gut. Und wird auch immer perfekt eingesetzt. Heihei sorgt dafür, dass wir auch in den dunkleren Passagen den Witz nicht vergessen. Neben den tollen Charakteren sieht „Vaiana“ einfach nur absolut umwerfend aus. Allein das Wasser ist der Wahnsinn. Man hat das Gefühl, als hätten die Animationskünstler wirklich jede Farbnuance, jede Welle, jede Schaumkrone, jeden Tropfen bis ins Kleinste studiert. Oder sie haben einfach echtes Wasser abgefilmt und es irgendwie so in den Film gepackt, dass man den Unterschied nicht bemerkt. Auf jeden Fall ist es ein Traum… und irgendwie sehr gemein von Disney, ausgerechnet im kalten Herbst einen Film abzuliefern, der mit schönen Sandstränden, Palmen und kristallklarem Wasser vollgepackt ist.

Urlaubsidylle a la Disney

Kommen wir abschließend zu dem, was einen guten Disney-Film noch ausmacht: Die Musik. Ich habe ja schon gesagt: „Die Eiskönigin“ gefällt mir nicht, was auch allein schon an der Musik liegt. Da hat mir wirklich kein einziger Song gefallen. „Vaiana“ macht da zum Glück vieles richtiger. Dwayne Johnsons Maui-Song ist der perfekte Feel-Good-Song, Vaianas eigene Hymne ist Gänsehaut pur, das Lied der Inselbewohner ist beschwingt und fröhlich. Die Musik passt endlich mal wieder – und auch wenn nicht jeder Song gleich gut ist, ist die Mischung sehr viel angenehmer und das ein oder andere Mal gibt’s echte Gänsehaut-Momente allein durch die Songs.

„Vaiana“ ist bei kalten Temperaturen Urlaub für die Kino-Seele! Es ist ein schöner Film, ein trauriger Film, ein lustiger Film, ein turbulenter Film, ein packender Film – kurzum: ein Disney-Film, wie er sein sollte.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ich weiß schon, wo der nächste Urlaub nach Möglichkeit hingeht)

P.S.: Disneys Kurzfilm „Inner Workings“ ist ebenfalls sehr zu empfehlen. Ein bisschen wie „Alles steht Kopf“ trifft auf diesen einen Otto-Sketch, in dem sich die Organe des Körpers mit einander unterhalten.

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  1. 2016 | Going To The Movies

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