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Royale with Cheese

19. Dezember 2016

Ich mochte Tarantino schon lange, bevor ich überhaupt wusste, dass es Tarantino gibt. Denn lange bevor ich auch nur einen Film von ihm gesehen hatte, war „True Romance“ einer meiner Lieblingsfilme (und ist es heute auch noch). Doch wie so oft ignorierte ich den Namen des Drehbuchautors, der diese herrlich absurde Hetzjagd nach einem Koffer voller Drogen geschrieben hatte. Das änderte sich, als ich einen anderen Film sah, in dem es auch um einen Koffer ging – einen wertvollen Koffer, dessen Inhalt wir nie zu Gesicht bekommen, aber für den mehrere Menschen draufgehen müssen. Und der Typ, der Regisseur, war dann auf einmal der gleiche, der auf „True Romance“ geschrieben hatte. Meine Neugier war geweckt und auf einmal kannte ich den Namen Quentin Tarantino.

Sein „Pulp Fiction“ macht ihn so richtig berühmt – ein grandios inszenierter Episoden-Film über einen Auftragskiller namens Vincent Vega (John Travolta), der die Frau seines Chefs, Mia (Uma Thurman) ausführen soll, was aber gründlich in die Hose geht. Dann ist da noch Butch (Bruce Willis), der Boxer, der Vincent Vegas Boss Marcellus Wallace (Ving Rhames) bescheißt, bei der Flucht aber in bester „Psycho“-Manier genau auf eben jenen selbst trifft, was dann wiederum ungeahnte Ausmaße annimmt. Und dann passieren da noch ein paar andere abgedrehte Sachen.

Nach dem Blutbad erstmal 'nen Kaffee...

Das alles ist „Pulp Fiction“, der vielleicht beste Film, den Tarantino je gemacht hat. In seinem zweiten Film überhaupt finden sich all die Sachen wieder, die Tarantino über die Jahre so großartig gemacht haben. Aber wenn ich so darüber nachdenke, bin ich der Meinung, dass er es nie wieder so gut gemacht hat wie in „Pulp Fiction“.

Denn hier kulminiert Tarantino all sein Wissen über Filmgeschichte und Filme, sein Können, interessante Charaktere zu schreiben, die uns faszinieren und seine Liebe mit den verschiedenen Motiven des Films an sich zu spielen.

Die Erzählstruktur ist schon mal eine Sache, die „Pulp Fiction“ interessant macht, denn statt brav chronologisch alle Episoden vor uns abzuspulen, würfelt Tarantino das Ganze fröhlich durch einander. Jetzt nicht in einer Form, die verwirrend ist, sondern einfach so, dass die grauen Zellen ein wenig beansprucht werden und trotzdem am Ende ihren Spaß haben, die Puzzle-Teile in die richtige Reihenfolge zu setzen. Sicher hätte man „Pulp Fiction“ auch chronologisch erzählen können und es wäre immer noch ein fast gleich guter Film geworden, aber warum es halt immer so machen wie alle anderen, nicht wahr, Mr. Tarantino?

Die Darsteller sind eine weitere Sache, die aus „Pulp Fiction“ einen großartigen Film machen. Mit John Travolta gräbt Tarantino einen damals schon fast Totgeglaubten wieder aus, aber gerade der leichte Bierbauch, die fettigen Haare und das runde Gesicht machen aus John Travolta den perfekten Vincent Vega – ein Typ, der irgendwo zwischen verdammt cool und Mittelmaß schwebt. Samuel L. Jackson als sein Partner macht sich mit diesem Film dann auch mal eben unsterblich und für einen Tarantino-Film der Zukunft schon nahezu unentbehrlich. Niemand außer Tarantino hatte Jackson je so cooles Zeug in den Mund gelegt… und das Lobpreisen könnte wahrscheinlich ewig so weiter gehen. Ein Christopher Walken redet über eine Uhr in seinem Arsch, Uma Thurman schießt sich fast in den Drogentod, Harvey Keitel lässt Autos sauber putzen und Ving Rhames spielt den mysteriösen Boss, dessen Wunsch nach einem merkwürdigen Koffer alles mehr oder weniger zum Laufen bringt.

Das perfekte MacGuffin also… und das ist nicht der einzige Beweis, dass Tarantino weiß, wie er seinen Film interessant zu gestalten hat. Man fühlt sich mit „Pulp Fiction“ ein bisschen so, als würde man in eine andere Zeit versetzt werden. Tarantino schafft in „Pulp Fiction“ etwas, das mir in seinen späteren Filmen mehr und mehr auf den Keks geht – er schafft es durch pures Reden eine unglaubliche Sogkraft auszulösen. Ich höre diesen Menschen hier gerne zu, wenn sie sich über Fußmassagen, Burger, Wunder oder sonst was unterhalten. Es ist nicht so, dass das immer großartig tiefsinnig ist, aber dank gutem Drehbuch und toller Darsteller wird dieser sehr redegewaltige Film ein faszinierender. Tarantino spart zwar auch nicht mit Gewalt, aber die wird immer eher so eine krasse Endnote zu dem, was man vorher so erlebt hat.

Wie gesagt, meine Begeisterung für Tarantino stieg damals mit diesem Film, doch im Laufe der Zeit sank sie dann auch stark wieder. Für mich ist „Pulp Fiction“ immer noch das Beste, was er je abgeliefert hat. Viele seiner anderen Filme mag ich zwar auch, aber das hier ist sein bester. Punkt!

Wertung: 10 von 10 Punkten (allein die Tatsache, dass ich selbst nach Jahren immer noch Sam Jacksons Bibel-Spruch auswendig kann, zeigt schon, wie sehr der Film an mir hängt 😀 )

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35 Kommentare leave one →
  1. 19. Dezember 2016 08:32

    Das erinnert mich daran, dass ich den Film auf meinem Blog immer noch nicht besprochen habe. Kann ja eigentlich gar nicht angehen. Dabei liebe ich den Film und kann deiner Einschätzung nur zustimmen.

    • donpozuelo permalink*
      19. Dezember 2016 14:58

      Danke. Ich habe den zum Teil auch geguckt, weil ich ihn bei mir noch nicht besprochen hatte 😉

  2. 19. Dezember 2016 14:54

    Kurzer Zitatcheck:
    „What country are you from?“

    • donpozuelo permalink*
      19. Dezember 2016 14:57

      What?

      • 19. Dezember 2016 15:01

        „What“ ain’t no country i ever heard of. Do they speak English in What?

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:04

          What?

        • 19. Dezember 2016 15:11

          ENGLISH, Motherfucker. Do you speak it???

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:12

          Yes…

        • 19. Dezember 2016 15:15

          Then you know what I’m saying. Describe what Marcellus Wallace looks like!

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:18

          What? 😉

        • 19. Dezember 2016 15:22

          Say What again! Say… WHAT…. Again! I dare you. I double-dare you, motherfucker. Say what one more goddamn time 😀

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:27

          He… he is black.

        • 19. Dezember 2016 15:29

          Go on!

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:30

          He is bald..

        • 19. Dezember 2016 15:31

          Does he look like a bitch?

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:32

          What?

        • 19. Dezember 2016 15:32

          BAMMM!

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:35

          Schmerzensschreie bitte jetzt einfügen…

        • 19. Dezember 2016 15:36

          DOES… HE…LOOK… like a bitch?

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:39

          Nooooo…

        • 19. Dezember 2016 15:39

          Then why did you try to fuck him like a bitch, donpozuelo?

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 15:43

          I didn’t…

        • 19. Dezember 2016 15:47

          Yes you did! Yes you did, donpozuelo! You tried to fuck him. And Marcellus Wallace don’t like to be fucked by anybody except Mrs Wallace.

          Wir halten fest:
          a) Das ist Marcellus gutes Recht
          b) Mann, sind wir Nerds 😀

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 16:12

          Hahaha… oh ja. Aber gut, fairerweise hast du es uns ja auch ein wenig einfacher gemacht… mit dem Klassiker aller Klassiker aus dem Film

        • 19. Dezember 2016 16:13

          Das ist eine eher dünne Ausrede 😀 Ich glaube es hätte noch ein paar Szenen gegeben, die wir hätten durchspielen können, oder?

        • donpozuelo permalink*
          19. Dezember 2016 16:15

          Ja… okay. Wahrscheinlich schon 😀

  3. 22. Dezember 2016 21:27

    Amen! (Und doch erinnere ich mich mit einem kleinen, aber starken Gefühl an „Kill Bill“, den ich durchaus auch ins Herz geschlossen hab.)

    • donpozuelo permalink*
      23. Dezember 2016 13:42

      Kill Bill muss ich mal wieder schauen. Den ersten Teil mochte ich wirklich sehr, weswegen der zweite es schwer bei mir hatte.

      • 26. Dezember 2016 13:47

        Der zweite ist aber durchaus gut gelungen, weil nicht ganz so überdreht wie Teil 1, sondern wieder sehr viel dialoglastiger und nur mit kleinen kurzen Gewaltspitzen aufwartend.

        • donpozuelo permalink*
          31. Dezember 2016 11:01

          Okay… wie gesagt, muss ich nochmal gucken. Ist auch einfach schon zu lange her… damals war ich einfach ein wenig enttäuscht, weil ich genau diese Überdrehtheit erwartet und nicht bekommen hatte.

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