Skip to content

Der Froschregen

14. Dezember 2016

Ich bin ja immer ein bisschen stolz, wenn ich in Filmen, die ich schon mehrmals gesehen habe, etwas entdecke, das mir vorher noch nie aufgefallen ist. Gut möglich, dass es anderen schon vorher bekannt war und dass es zum Allgemeinwissen zu Film XY dazugehört, aber wenn ich so etwas von alleine entdecke, bin ich schon ein bisschen stolz. Vor allem, wenn es sich nicht nur um ein Easter Egg handelt, sondern einer dieser kleinen, aber feinen Hinweise des Regisseurs auf das, was da noch kommen mag. Ich habe mir jetzt nach langer, langer Zeit mal wieder Paul Thomas Andersons „Magnolia“ angeschaut… der Film, bei dem am Ende Frösche vom Himmel regnen. Und ein kleiner Verweis darauf findet sich im Publikum der TV-Show „What Do Kids Know“. Da sitzt nämlich ein alter Mann im Publikum und hält ein Schild hoch, das mir vorher nie aufgefallen ist, obwohl es eigentlich so offensichtlich ist: Auf dem Schild steht „Exodus 8:2“ – ein eindeutiger Verweis (für alle, die sich hervorragend mit der Bibel auskennen) auf das Herabregnen von Fröschen. Und diese 8 und diese 2 finden dann immer wieder ihren Weg in den Film, in dem 10 Menschen einen furchtbaren Tag erleben.

Gut, das war jetzt sehr salopp ausgedrückt, aber Andersons „Magnolia“ hat schon eine ganze Menge mehr zu bieten als das. Doch im Kern geht es um 10 Menschen: da wäre unter anderem der junge Stanley (Jeremy Blackman), der von seinem strengen Vater in die Kinder-vs-Erwachsene-Rate-Show „What Do Kids Know“ gezerrt wird, die von dem altbekannten TV-Moderator Jimmy Gator (Philip Baker Hall) moderiert wird. Dann wäre da noch der im Sterben liegende Earl Partridge (Jason Robards), der seinen Krankenpfleger Phil (Philip Seymour Hoffman) bittet, seinen entfremdeten Sohn wiederzufinden. Der wiederum ist der Motivationsredner Frank T.J. Mackey (Tom Cruise), der Männern klar machen will, dass sie ihren Schwanz respektieren sollen. Außerdem laufen in der Welt von „Magnolia“ noch der schüchterne Cop Jim (John C. Reilly), die Drogenabhängige Claudia (Melora Walters), Earls viel zu junge Ehefrau Linda (Julianne Moore) und der einstige „What Do Kids Know“-Champion Donnie (William H. Macy) herum. Und irgendwie, durch puren Zufall, sind all diese Schicksale mit einander verknüpft.

Er hasste Bettpfannen noch nie so sehr wie jetzt in diesem Augenblick.

Purer Zufall, dummer Zufall – egal, wie der Erzähler des Films es auch nennen mag, es beherrscht die Welt von „Magnolia“ und wird uns in drei recht amüsanten, kurzen Episoden am Anfang des Films noch einmal kurz erklärt. Danach aber stürzt sich Anderson voll in seine Geschichte über Eltern, Kindern, Zufälle und eben Froschregen. Und ich muss ja sagen, „Magnolia“ ist für mich nach wie vor einer dieser Drei-Stunden-Filme, dem ich seine Länge überhaupt nicht anmerke. Von mir aus hätte der Film noch drei Stunden länger laufen können. Ich liebe es einfach in dieser Welt von Anderson zu sein und diese Charaktere zu beobachten.

Womit wir dann tatsächlich bei dem wären, was diesen Film so stark macht: die Charaktere. Genial finde ich nach wie vor Tom Cruise mit seinen „Respect the Cock“-Reden. Hier hatte man so das Gefühl , Cruise hat sich mal ne Rolle genommen, wo er richtig ein bisschen ausrasten kann (vielleicht auch eine, wo er mehr er selbst sein kann?). Tom Cruise finde ich in „Magnolia“ nach wie vor klasse. Aber auch alle anderen Charaktere sind so unglaublich stark ausgebaut und in den drei Stunden findet Anderson wirklich genug Zeit jedem gerecht zu werden, jedem die Zeit zu geben, die er braucht, um ein wichtiger Bestandteil dieser Geschichte zu werden. Und wie gesagt, ich habe jetzt nur Tom Cruise herausgepickt, aber der gesamte Cast ist einfach nur super.

Ich weiß noch, als ich den Film das erste Mal gesehen habe, dachte ich, ich würde nie durchblicken, wer wie zusammengehört, aber je mehr Zeit vergeht, desto mehr lässt Anderson eben die dummen Zufälle spielen und desto mehr erkennt man, wie diese unterschiedlichen Charaktere alle miteinander verbunden sind. Nach und nach macht Anderson aus dem Puzzle „Magnolia“ ein großes Ganzes und erzählt uns eine aufregende Geschichte von Kindern, die verzweifelt gegen ihre Eltern (oder allgemein gegen die Erwachsenen) aufbegehren, von Menschen, die verzweifelt gegen ihre dunkle Vergangenheit ankämpfen und ihrem eigenen Glück im Wege stehen. Alle Charaktere sind nicht nur durch Verwandtschaften und Bekanntschaften mit einander verbunden, sondern eben auch durch ihr Unglück, ihre Ängste und ihre Sorgen.

Paul Thomas Andersons Filme sind ja schon immer schwere Brocken, aber „Magnolia“ ist vielleicht wirklich der zugänglichste seiner Filme. Ein Film, der durch starke Charaktere lebt und eine verzwickte Story, die am Ende durch einen Froschregen allem einen sehr interessanten Schlussstrich setzt. Kann ich nur empfehlen 😉

Wertung: 9 von 10 Punkten (ein grandioser Film über Zufall mit einem tollen Cast – ein schönes Puzzle von einem Film)

Advertisements
11 Kommentare leave one →
  1. 14. Dezember 2016 07:04

    Den liebe ich auch. Wenn er nicht so lang war, würde ich ihn wohl auch öfter sehen.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2016 08:57

      Ja geht mir auch so. Den kann man sich alle fünf Jahre oder so immer mal wieder anschauen, weil er schon einfach tolle Darsteller in einer faszinierenden Story hat.

  2. 14. Dezember 2016 10:53

    Müsste ich mir auch mal wieder angucken. Hab ich vor Ewigkeiten mal gesehen, aber kaum noch Erinnerung dran. Gefallen hat er mir aber, das weiß ich noch. Ich mag so „Episodenfilme“ aber ohnehin.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2016 15:24

      Ja, „Episodenfilme“ wie „Magnolia“ mag ich auch gern. Wenn es am Ende alles durch irgendwas zusammengeführt wird.

  3. 14. Dezember 2016 13:03

    Großartiger Film den ich mal durch Zufall gefunden habe. Der Froschregen war schon seehehr eigenartig. Ich kann bis heute nicht sagen ob es mir gefallen hat oder nicht. Aber egal wie fand ich den Film sehr eindrucksvoll. Das mit den Hinweisen wusste ich tatsächlich schon vor dem Film, leider weiß ich nicht mehr woher?! 😀

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2016 15:23

      Das mit den Hinweisen wird ja sicherlich überall irgendwo mal gestanden haben… aber mir ist es jetzt zum ersten Mal wirklich bewusst aufgefallen.

      Und ja, das mit dem Froschregen war schon echt merkwürdig. Aber auch passend für einen Film rund um unmögliche Zufälle.

  4. 14. Dezember 2016 18:45

    Einer der schlimmsten Filme, die je gedreht wurden.

  5. 21. Dezember 2016 21:11

    Das ist ja witzig … es ist noch gar nicht so lange her, dass ich den zuletzt gesehen habe. Und das war glabe der zweite Film, den ich mir auf DVD gekauft habe XD Sowas merkt man sich dann doch, auch wenn das Regal inzwischen voll ist. Aber das mit dem Schild ist mir nicht aufgefallen … vielleicht sollte ich ihn nochmal schauen XD

    • donpozuelo permalink*
      22. Dezember 2016 18:14

      Hahaha… ja, selbst an den zweiten Film, den man sich gekauft hat, sollte man sich noch erinnern. Vor allem, wenn es so ein guter ist 😉

Trackbacks

  1. Motto panukeiku!!! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: