Skip to content

Die Sapir-Whorf-Hypothese

30. November 2016

Ich bin jetzt wirklich kein Sprachwissenschaftler, deswegen entschuldige ich mich schon mal im Voraus, wenn ich das mit dieser „Sapir-Whorf-Hypothese“ nicht so ganz akkurat hinbekomme. All mein Wissen darüber stammt aus einem Film… 😉 Aber mehr oder weniger besagt diese Theorie, dass die Art und Weise, wie ein Mensch denkt, stark vom Wortschatz und der Grammatik seiner Muttersprache abhängt. Daraus ergibt sich, dass bestimmte Gedankengänge einer Person von einer anderen Person, die dieser Sprache nicht mächtig ist, nicht wirklich verstanden werden können. Erst wenn diese Person ebenfalls die Sprache lernen würde, würde die Grammatik und der Wortschatz das Denken der Person so verändern, dass sie die Gedanken verstehen würde. Im Fall von Denis Villeneuves „Arrival“ geht es dabei um das Wort „Waffe“… wir verstehen darunter etwas Bedrohliches, etwas Gefährliches, aber es könnte ja in einer anderen Sprache auch etwas ganz anderes bedeuten.

Okay, okay… ich höre auf damit, den Sprachwissenschaftler zu spielen und widme mich lieber Villeneuves „Arrival“. Darin erscheinen an verschiedenen Orten auf der Welt zwölf Raumschiffe. Die Sprachwissenschaftlerin Louise (Amy Adams) wird als Expertin rekrutiert, um mit den Wesen, die auf amerikanischem Boden gelandet sind, Kontakt aufzunehmen. Gemeinsam mit dem Physiker Ian (Jeremy Renner) trifft sich in dem Schiff auf zwei Wesen, die mit merkwürdigen Kreisen als Schrift kommunizieren. Louise muss nun schnellstmöglich herausfinden, was diese Wesen sagen wollen, warum sie hier sind und ob sie uns böse gesinnt sind.

Lernen scheint zu ansteckend zu sein…

Ganz ehrlich, Denis Villeneuve könnte mittlerweile einen Film über Toastbrot drehen und ich würde ins Kino gehen – einfach nur, weil es ein Film von Denis Villeneuve ist. Seit „Prisoners“ etabliert sich Villeneuve ja mehr und mehr als Garant für spannendes, packendes Kino. Mit „Enemy“ auch als jemand, der uns herrlich verworrenes Zeug andrehen kann. Ganz ehrlich, ich bin – jetzt auch nach „Arrival“ – weniger skeptisch, wenn es um die Fortsetzung zu „Blade Runner“ geht. Da führt Villeneuve ja auch Regie. Aber kommen wir erst einmal zurück zu „Arrival“.

Die erste halbe Stunde habe ich in „Arrival“ einfach nur mit offenem Mund da gesessen und dieser Begegnung zwischen Mensch und Alien entgegengefiebert. Und ein Villeneuve kostet allein diese Moment gekonnt aus: da ziehen sich die Minuten, da fährt der Fahrstuhl zum Raumschiff ganz langsam, da starrt man erst einmal in die weit aufgerissenen Augen der Protagonisten, da tastet man sich mit ihnen behutsam durch einen dunklen Gang und steht vor einer merkwürdigen weißen Wand. Und Villeneuve kostet jeden einzelnen Moment weiter aus, mit jedem einzelnen Moment sehen wir etwas Neues, rätseln was es sein könnte und warten gespannt, was als nächstes passiert. Was eine Fünf-Minuten-Szene hätte sein können, wird so viel länger, macht aber das Erlebnis der Begegnung auch so sehr viel spannender. Und eines gleich deutlich: „Arrival“ ist kein üblicher Science-Fiction. Wer Action, Krach und sonstige Hektik erwartet, ist hier fehl am Platz. „Arrival“ ist Kopf-Kino, ist Nachdenk-Kino.

Die Geschichte von „Arrival“ basiert auf dem oben genannten Konzept von Sprache, die das Denken beeinflusst. Es geht also hauptsächlich darum, wie Amy Adams und Jeremy Renner versuchen, mit diesen Außerirdischen zu kommunizieren. Auch wenn man es nicht für möglich halten sollte, aber genau das macht diesen Film so unglaublich faszinierend und spannend. Villeneuve regt zum Nachdenken an, ohne uns jetzt alles auf dem Präsentierteller zu liefern. Etwas, das ich unglaublich angenehm empfand. Über „Arrival“ und die Offenbarungen, die man am Ende erhält, kann man sich lange und gut unterhalten. Es ist jetzt auch kein überkomplizierter Film, aber die Konzepte, mit denen er uns konfrontiert, sind interessant, die Auflösungen und die Idee dahinter, wie Sprache funktionieren kann, wie auch das Konzept von Raum und Zeit funktionieren kann, sind nicht weniger faszinierend. „Arrival“ ist so viel mehr, worüber ich jetzt aber nicht schreiben möchte, um nicht zu viel zu spoilern. Der Film ist ein Sci-Fi-Drama, das weniger auf Spektakel, sondern mehr auf die Charaktere aufbaut.

Mit Amy Adams haben wir eine von ihrer Vergangenheit gequälten Frau, die durch das Erlernen der Sprache der Außerirdischen weitaus mehr über sich erfährt, als man am Anfang meinen könnte. Jeremy Renner gerät dabei ein wenig in den Hintergrund, aber daran stört man sich nicht so sehr, ist man doch viel zu fasziniert von dem, was da ohnehin alles auf der Leinwand passiert.

„Arrival“ beeindruckt durch ein tolles Konzept (basierend auf der Kurzgeschichte von Ted Chiang), das Villeneuve gekonnt und mit viel Fingerspitzengefühl umsetzt.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Sprachen lernen bildet!)

Advertisements
19 Kommentare leave one →
  1. 30. November 2016 07:19

    Hast du doch ganz gut erklärt, die Hypothese. Grüße von einer Sprachwissenschaftlerin 😉

    • donpozuelo permalink*
      30. November 2016 08:51

      Hahaha… vielen Dank dafür. Hast du den Film schon gesehen? Würde mich ja interessieren, was eine Sprachwissenschaftlerin allgemein zu dem Film sagt.

      • 1. Dezember 2016 17:56

        Ähm, nö. Und werde ich wohl auch nicht (kein Filmfan, eher Serienjunkie). 😉 Aber ich fand diese Hypothese im Studium immer spannend, deshalb bin ich direkt auf deinen Beitrag angesprungen. 😉

        • donpozuelo permalink*
          1. Dezember 2016 17:58

          Ah… verstehe. 😉

    • 30. November 2016 14:16

      Da kann ich beipflichten 🙂
      Grüße von noch einer Sprachwissenschaftlerin.

      • donpozuelo permalink*
        30. November 2016 17:30

        Danke, danke. Jetzt würde mich nur wirklich interessieren, wie euch dieser Film gefallen würde.

        • 30. November 2016 17:42

          Das kann ich dir ja erst sagen, nachdem ich ihn gesehen habe 😉 Werde danach Ausschau halten.

        • donpozuelo permalink*
          30. November 2016 18:02

          Mach das. Mach das. Es ist ein wirklich sehr empfehlenswerter Film!

  2. 1. Dezember 2016 19:29

    Ich, als Nicht-Sprachwissenschaftler, fand den Film auch sehr beeindruckend. Und ich finde auch, dass die Auflösung sehr rund ist und, nunja, pfiffig. Das ist große Science-Fiction, abseits von irgenwelchen Weltraumschlachten!

  3. 1. Dezember 2016 19:52

    Die „Sapir-Whorf-Hypothese“ ist ja auch ein wackeliges Ding, denn sie beruht auf ungenauen Studien und genau genommen wäre nach ihr eine Übersetzung einer fremden Sprache nicht möglich. Hört sich in eine SF Film aber immer gut an :))
    Und da fällt mir noch zur Preview ein: was war das denn für eine Popkornschlacht? Vielleicht sollten sie das nächste Mal lieber Wiener Würstchen ausgeben, macht weniger Dreck :))

    • donpozuelo permalink*
      1. Dezember 2016 20:50

      Popkornschlacht??? Hab ich gar nichts von mitbekommen.

      Und ja, das mit der Hypothese habe ich auch irgendwo noch gelesen. Aber es ist ein gutes Konzept für Sci-Fi 😉

      • 1. Dezember 2016 20:54

        Damit wollte ich sagen, dass so viel Popkorn verteilt wurde, dass das Meiste auf der Erde landete :)) War ja gut gemeint, aber: die armen Kinomitarbeiter.

        • donpozuelo permalink*
          1. Dezember 2016 20:57

          Manche Leute kommen mit dem Konzept Greifen und Zum-Mund-Führen nicht so gut klar…

  4. 2. Dezember 2016 23:06

    Haaach, ein Herz für Villeneuve – sicher der spannendste Regisseur derzeit. Ich hab mir von „Arrival“ schon einiges versprochen, der Film hat aber dennoch jede Erwartung übertroffen.

    • donpozuelo permalink*
      4. Dezember 2016 22:49

      Oh ja. Deswegen sage ich ja auch, dass ich jetzt sehr viel weniger Angst vor „Blade Runner 2“ habe.

Trackbacks

  1. Arrival – Filmexe Podcast – filmexe
  2. Arrival (2016) | Illegitim.
  3. 2016 | Going To The Movies
  4. Calvin, der Marsianer | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: