Skip to content

Random Sunday #4: American Gods

27. November 2016

Ich muss lesen. Ich bin damit aufgewachsen und kann einfach nicht aufhören damit. Als kleiner Junge fing diese Obsession mit dem geschriebenen Wort an und sie hörte nie wieder auf. Mit dem Aufkommen von Filmen (also in meiner Welt), der Playstation (auch in meiner Welt), dem Studium und jetzt der Arbeit ist mein Pensum natürlich ein wenig zurückgegangen, aber ich lese trotzdem noch wie ein Weltmeister. Egal wo ich hingehe, mein Kindle steckt immer in irgendeiner Tasche und jede freie Minute wird mit Lesen „verschwendet“. Übrigens auch ein Grund, warum ich mit „Pokemon Go“ nach drei Tagen wieder aufgehört habe: Ich bin nicht mehr zum Lesen gekommen… und da war mir die Literatur dann doch viel wichtiger als die Jagd nach kleinen Monstern, die mir nur den Saft aus dem Telefon stehlen (und meine Zeit zum Lesen).

Und nachdem ich dann das Monster-Jagen aufgegeben hatte, brauchte ich mal wieder was ordentliches – und dann kam zu dem Zeitpunkt auch noch der erste Trailer zu einer Serie, die sehr interessant aussah… und auf einem Buch basierte. Nämlich „American Gods“ von Neil Gaiman. Jetzt kenne ich Gaiman hauptsächlich durch die Verfilmungen seiner Bücher (wie „Der Sternenwanderer“ oder „Coraline) und durch seine Comic-Reihe „The Sandman“. Beides Dinge, die mir immer sehr gefallen haben. Wirklich viel gelesen hatte ich von ihm nie, weswegen ich „American Gods“ jetzt eigentlich so als meinen großen Einstieg in die Gaiman’sche Literatur ansah. Und Mann, was wurde mir hier geboten…

„American Gods“ erzählt (jetzt mal ganz grob zusammengefasst) die Geschichte eines Mannes namens Shadow. Shadow kommt vorzeitig aus dem Knast, weil seine Frau gestorben ist. In einer Kneipe wird er von einem Mann angesprochen, der sich Mr. Wednesday nennt und Shadow einen Job anbietet: er soll Wednesday begleiten – als Fahrer, Bote, etc. Und gemeinsam fahren die beiden nun durch Amerika und treffen viele von Wednesdays Bekannten, die der für einen kommenden großen Konflikt vereinen möchte. Der Clou an der Sache: Wednesday ist in Wirklichkeit der Gott Odin und all seine Bekannten sind alte Götter, die durch die Einwanderer Amerikas ins Land gekommen sind und sich nun gegen die Vergessenheit und gegen die neuen Götter (die Medien, das Internet, etc.) durchsetzen müssen.

american-gods

„American Gods“ ist so unglaublich viel: es ist ein Roadtrip quer durch ein Amerika voller Mythen und Legenden. Es ist ein Selbstfindungstrip für unseren Protagonisten Shadow, der in diesem ganzen Chaos seinen eigenen Platz finden muss. Es ist eine Parade der verschiedensten Götter-Gestalten, legendären Helden aus Erzählungen, etc. Es ist ein packender Fantasy-Roman, der auf der einen Seite so vollkommen normal wirkt und uns dann im Bruchteil eines Umblätterns in komplett fremde, faszinierende Welten entführt. Und Gaiman jongliert all diese verschiedenen Charaktere, die verschiedenen Orte und Handlungen mit einer unglaublichen Leichtigkeit, dass man gar nicht aufhören möchte.

Ich wollte wirklich nicht aufhören, ich wollte auch nicht, dass dieser Roman irgendwann endet, weil ich schon lange nicht mehr so ein gutes Buch gelesen habe. Ich mochte die Charaktere, sowohl die guten als auch die schlechten. Ich mochte vor allem Gaimans Idee vom Kampf der alten Götter gegen die neuen Götter. Ich mochte die Idee, dass die alten Götter auch nebenbei noch gegen das Vergessen kämpfen müssen. Dass sie letztendlich nur hier sind, weil die Einwanderer sie damals aus ihren Ländern mit in dieses neue Land brachten und sie hier heimisch wurden (zwischendurch im Roman gibt es immer wieder kleinere Rückblende-Kapitel, die von verschiedenen Göttern erzählen und wie sie das erste Mal Fuß fassten). Doch die „American Gods“ kämpfen halt auch gegen die neuen Götter – Fernsehen, Medien, Internet, etc. Und auch für diese neuen Götter findet Gaiman sehr passende Bilder. Gaiman geht mit dem Begriff der Religion und vor allem mit dem Sammelsurium an verschiedenen Religionen sehr geschickt um… aber am besten zusammengefasst wird das Ganze in einem sehr schönen Zitat aus dem Buch, das mehr sagt als ich jemals dazu schreiben könnte:

“Religions are, by definition, metaphors, after all: God is a dream, a hope, a woman, an ironist, a father, a city, a house of many rooms, a watchmaker who left his prize chronometer in the desert, someone who loves you—even, perhaps, against all evidence, a celestial being whose only interest is to make sure your football team, army, business, or marriage thrives, prospers, and triumphs over all opposition. Religions are places to stand and look and act, vantage points from which to view the world. So none of this is happening. Such things could not occur. Never a word of it is literally true.”

„American Gods“ erzählt von einem Amerika voller Mythen, einem Amerika aufgebaut auf Mythen, die nun ums Überleben kämpfen. Und mittendrin ist Shadow, ein stoischer Typ, der mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat und gleichzeitig in diesem Götterkrieg seinen Mann stehen muss.

Mr Wednesday und Shadow aus der kommenden Serie

„American Gods“ ist von allem, was ich bisher von Neil Gaiman gelesen habe, der Roman, der mir am ehesten im Gedächtnis geblieben ist und es auch bleiben wird. „American Gods“ ist aber auch definitiv eines dieser Bücher, das ich mit Sicherheit mehr als nur einmal lesen werde. Und „American Gods“ könnte wirklich eine interessante Serie ergeben, ist doch auch das Buch ein bisschen episodenhaft strukturiert. Shadows Route durch Amerika passt mit Sicherheit gut ins Serienformat… und der erste Trailer sah schon sehr vielversprechend aus.

„American Gods“ ist auf jeden Fall ein Buch, dass man mal gelesen haben sollte. Es ist, wie ich finde, Gailmans großes magnum opus (mal von „Sandman“ abgesehen), ein Roman so reich an allem, was man sich nur wünschen kann. Ein Roman, so faszinierend, dass er noch tausend Seiten länger hätte sein können. Ein Roman, der unterhält, aufregt, Spannung erzeugt und zum Nachdenken anregt (und einem nebenbei auch viel über verschiedene Götter- und Sagengestalten erzählt, wenn man sich dann noch die Mühe macht, sie ein bisschen weiter zu recherchieren)

Advertisements
10 Kommentare leave one →
  1. 27. November 2016 12:45

    Den lese ich grad. Übrigens auch aufgrund der angekündigten Serie. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      27. November 2016 12:49

      Sehr gut. Ich hatte es eigentlich schon länger mal auf dem Schirm. Aber die Ankündigung der Serie hat dem ganzen Vorhaben dann den nötigen Schwung gegeben. Ein wirklich tolles Buch.

  2. 29. November 2016 00:24

    Ein wunderbares Buch – auch wenn ich ja nicht so ganz mit deiner impliziten Einschätzung mitgehe, „The Sandman“ wäre keine große Literatur. 😉

    • donpozuelo permalink*
      29. November 2016 18:03

      Ich wollte nicht implizieren, Sandman wäre keine große Literatur. Das musst du falsch gedeutet haben 😉

  3. 29. November 2016 18:04

    Oh, American Gods! Ich bin SO verliebt in dieses Buch, immer wieder und seit Jahren schon. Zu Axt-Zeiten habe ich es mein Lieblingsbuch genannt. Was immer noch stimmt, es ist sowas wie die eine große Liebe.

    Wobei ich fast alles von Gaiman gelesen habe und liebe, aber das hier, da gebe ich Dir Recht, ist wirklich sein bisheriges Meisterwerk. Ich bin so ungeheuer neidisch auf die Vorstellungs- und Ausdruckskraft dieses Typen.

    Hast Du auch „Anansi Boys“ gelesen? Das schließt sich lose an und ist ebenfalls ganz großartig.

    • donpozuelo permalink*
      29. November 2016 21:21

      Ich habe „Anansi Boys“ tatsächlich schon gelesen… allerdings lange vor „American Gods“. Aber ja, ist auch großartig.

      Und ja, „American Gods“ ist toll. Das gehört auch zu den Büchern, die ich mit Sicherheit noch ein oder zwei Mal lesen werde 😉

      • 29. November 2016 21:23

        Ich hab es auch davor gelesen. Und danach American Gods und dann wieder Anansi Boys, weil ich den Kontext haben wollte.

        • donpozuelo permalink*
          29. November 2016 21:41

          Ja. So werde ich es wohl auch machen.

  4. 15. Dezember 2016 22:23

    Yaaaay, freut mich sehr, dass du es gelesen hast. Bin durch Zufall darauf gestoßen, weil ich mal was von Gaiman lesen wollte und das im Internet so hochgelobt wurde. Außerdem habe ich mich als Kind wahnsinnig für Götter-Bilder anderer Kulturen interessiert und fand das extrem spannend wie das in dem Buch dargestellt wird. Allein der Gedanke, dass die Götter mit Einwanderern „mitgebracht“ wurden – so naheliegend eigentlich, aber ich wüsste nicht, dass dieser Gedanke mal irgendwo anders aufgekommen wäre.
    Habe so oft dafür plädiert, dass das Buch jeder lesen muss, aber ich schätze bei dir war wohl die Serie der ausschlaggebende Grund XD

    Spiele mit dem Gedanken die Anansi Boys auch zu lesen

    • donpozuelo permalink*
      15. Dezember 2016 23:53

      Ich habe früher auch wahnsinnig gerne Götter-Sagen und sowas alles gelesen. Und ja, die Idee des „Mitbringens“ fand ich auch ziemlich genial… und auch, dass sie wieder vergessen werden können, ist ein sehr interessanter Gedanke.

      Die Serie war bei mir nicht wirklich ausschlaggebend. Ich wollte „American Gods“ eh schon immer mal lesen, der Trailer zur Serie hat’s mir nur wieder in Erinnerung gerufen… nun ja, das und dein Artikel dazu.

      „Anansi Boys“ habe ich sogar schon mal gelesen, will ich jetzt aber auch noch mal lesen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: