Zum Inhalt springen

Croatoan!

25. November 2016

Das ist doch wirklich das Gute an Anthologie-Serien. Wenn man irgendwann auf einmal wieder „Lust“ verspürt, doch noch mal reinzuschauen, kann man das ohne große Probleme machen. Doch bislang hatte ich „American Horror Story“ keine weitere Chance gegeben. Ich war ja nach der ersten Staffel echt zum Fan geworden, während die zweite mit der Irrenanstalt mich wieder in meine Schranken verwies. Da hatte ich keinen Bock mehr drauf… und so ließ ich dann auch die Hexen, die Freak-Show und das Hotel an mir vorbei ziehen, ohne das ich sie auch nur eines Blickes würdigte (Hat jemand von euch die gesehen und kann mir sagen, welche vielleicht noch gut wäre??? Danke!). Doch auf Facebook habe ich „American Horror Story“ noch immer abonniert, weswegen ich dann mitbekam, was die Macher um Ryan Murphy und Brad Falchuk für ein Geheimnis um das Thema der sechsten Staffel machten. Da wurde viel spekuliert, gerätselt und wieder verworfen. Und irgendwie erweckte das meine Neugier, die förmlich entfacht wurde, als herauskam, dass sich die sechste Staffel um die verschollene Kolonie Roanoke drehen würden, von der nichts mehr übrig blieb als das Wort „Croatoan“ eingeritzt in einen Baum. Das fand ich spannend, weswegen ich dann nach drei Staffeln wieder mit „American Horror Story“ angefangen habe.

Staffel 6 präsentiert sich als Doku-Soap, die auf wahren Begebenheiten basiert. Dabei erzählt das junge Ehepaar Shelby (Lily Rabe) und Matt (André Holland), wie sie von L.A. nach North Carolina ziehen. Hier kaufen sie sich ein altes Haus mitten im Wald. Was natürlich ein großer, großer Fehler ist. Was ihnen dann widerfährt, erleben wir dann nachgespielt durch Darsteller. So spielt Audrey Tindall (Sarah Paulson) Shelby, während Dominic Banks (Cuba Gooding Jr.) Matt spielt. Und die treffen nun auf die verschiedenen „Geister“, die das Haus terrorisieren – doch die Schlimmsten sind die einstigen Siedler aus Roanoke, die vom Butcher (Kathy Bates) angeführt werden.

Im Fernsehen läuft nur komisches Zeug…

Staffel 6 hatte mich tatsächlich schon mit der ersten Folge vollkommen in seinen Bann gezogen. „My Roanoke Nightmare“ spielt anfangs fast ausschließlich in diesem Haus, ein riesiges, leeres Haus mit einer unheimlichen Geschichte, die wir aber erst so nach und nach kennenlernen. Schon hier erinnerte mich das Ganze stark an die „Murder House“-Story aus der ersten Staffel, wobei sich Staffel 6 nicht zu viele Nebengeschichten und Rückblenden gönnt. Denn viel interessanter sind die Geschehnisse im Haus selbst. Und hier wird’s dann zu Beginn der Staffel schön old-schooli-ig: da klappert irgendwo was, das zieht man im Hintergrund Schatten oder Menschen vorbei laufen, da regnet es auf einmal Zähne vom Himmel und irgendwann steht eine Meute mit Fackeln vor der Tür. Kleine Mädchen reden mit anderen kleinen Mädchen, die eigentlich nicht da sein sollten, merkwürdige Schweinswesen terrorisieren die Gänge des Hauses. Staffel 6 ist gerade zu Beginn sehr dreckig, düster, brutal und unheimlich – einfach weil man keine Ahnung hat, was hier gerade wirklich passiert und zum anderen, weil es einfach unheimlich gut in Szene gesetzt ist. Das ist endlich mal wieder eine Horror-Serie, die tatsächlich gruselt.

Doch wie euch vielleicht schon aufgefallen ist, rede ich immer vom „Anfang“, von „zu Beginn“… denn so nach sechs von zehn Folgen endet die fiktive Doku-Serie „My Roanoke Nightmare“ und die restlichen Folgen beschäftigen sich mit deren zweiter Staffel „Three Nights in Hell“, wo die Darsteller auf diejenigen treffen, die sie wirklich spielen und drei Tage in dem Haus verbringen sollen. Ein netter Twist, der dann allerdings ein bisschen an Reiz verliert, weil er a) zu „Blair Witch“ wird – sprich Wackel-Kameras, viel Gekreische und b) weil er ungewöhnlich hart und brutal wird. Während der Anfang der sechsten Staffel zwar auch brutal war, hatte er wenigstens noch Atmosphäre, hat uns Gänsehaut beschert, bevor irgendwas Krasses passierte. Der zweite Teil verzichtet auf die Atmosphäre, die Gänsehaut und haut gleich voll rein. Dazu kommt eine ständig furchtbar kreischende Sarah Paulson, die mir irgendwann echt auf den Keks ging. Sprich: der zweite Teil hat mich ein wenig sehr aus der Bahn geworfen, und dennoch war auch das interessant. Denn immerhin spielen die Macher konsequent und gut mit dieser Doku-Soap-Idee.

Misery loves her knife….

Ich kann jetzt also wirklich nicht für die restlichen Staffel sprechen, sondern nur für Staffel 1, 2 und 6, aber ich fand es sehr angenehm, dass die Macher zu den alten Qualitäten der allerersten Staffel zurückgekehrt sind. Das kleine Setting des Hauses, die Abgeschiedenheit mitten im Wald bieten einfach schön viel Spielraum und machen aus dieser Serie – gerade zu Beginn (da ist es wieder) – eine wirklich gruselige Erfahrung, die dank der üblichen tollen Darsteller wirklich fesselt. Der zweite Teil hätte gerne auch etwas weniger brutal sein können, aber gut… irgendwie passt es dann auch zum Thema der Doku-Serie.

Alles in allem eine sehr unterhaltsame, sehr atmosphärische und gruselige Staffel. „American Horror Story“ hat sich ein wenig rehabilitiert, obwohl das vielleicht auch schon mit den Hexen, der Freak-Show oder dem Hotel hätte passieren können. Nur hatte mich bis jetzt nichts davon wirklich interessiert.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Big Brother im Horror-Haus klingt nach etwas, das ich mir vielleicht auch tatsächlich anschauen würde)

8 Kommentare leave one →
  1. 25. November 2016 10:38

    Klingt gut! Mir hat die erste Staffel auch sehr gefallen, danach habe ich die Hexen-Staffel gesehen – und die fand ich abgrundtief schlecht. Vielleicht sollte ich doch wieder einsteigen?

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2016 13:10

      Okay, also die Hexen taugen schon mal nichts, ja?

      Aber ja, „Roanoke Nightmare“ ist wirklich wieder mal was, was man sich anschauen kann.

  2. 25. November 2016 11:51

    Hab grad angefangen Staffel 6 zu schauen und bin gespannt, wie mir das diesmal gefällt.

    Mein Feedback zu den Staffeln 3 bis 5: Drei war ziemlich cool, aber ich steh ja eh auf Hexenkram und Voodoozauber (und auf Taissa Farmiga, die Tochter aus Staffel 1). Vier war nicht so mein Ding, weil Clowns dabei sind (die dann immer mein Trauma heraufbeschwören). Fünf war visuell großartig umgesetzt und durch den Fixpunkt Hotel auch schön zentriert. Aber die Handlung war extrem wirr und seltsam.

    • donpozuelo permalink*
      25. November 2016 13:11

      Danke für die Info. Hotel wäre tatsächlich so das einzige, was mich von Thema her noch ein wenig anspricht. Vielleicht werde ich da mal reinschauen.

  3. 13. Dezember 2016 22:13

    Hm interessant … ich bin da etwas spleenig und wäre gar nicht auf die Idee gekommen eine Staffel zu überspringen, auch wenn sich das bei der Serie anbietet. Kann gar nicht so richtig sagen warum. Staffel 3 fand ich noch ziemlich gut. Die Hexen haben deutlich ‚weichere‘ Themen – zumindest ab und zu. Aber auch Schauwerte und es fühlt sich in manchen wenigen Situationen etwas wie Body Horror an – ich mochte es. Die Staffel war zu Beginn und Ende erstaunlich schockierend.
    Das ist aber dann mit Staffel 4 und 5 irgendwie verloren gegangen. Die Freak Show war sehr vorhersehbar und voller Charaktere, die ich wenig mochte. Staffel 5 habe ich geschaut, weil sie so einen enorm guten Ruf hatte. Aber ich weiß ehrlich nicht woher der kommt. Ab der ersten Folge war es ein wildes durcheinander von Sex, Drogen und brutalen Morden. Und viel stilvoller wurde es leider nicht, auch wenn einige sehr tolle Charaktere dabei waren. Aber es kam mir etwas zu aufgewärmt vor. So wie Murder House mit sehr vielen Geistern und dazu noch eine schlechte Persiflage auf Filme wie The Shining und The Hunger. Finde ich bei weitem nicht so gelungen wie die meisten. Lady Gaga muss ja wohl dafür sogar Preise abgeräumt haben.

    • donpozuelo permalink*
      14. Dezember 2016 08:56

      Normalerweise bin ich da ja auch nicht so der Typ für und eigentlich hatte ich mit AMHS schon abgeschlossen, aber ich hatte sie halt noch auf facebook und habe die Geheimnistuerei um die sechste Staffel mitbekommen, weswegen ich dann einfach mal reingeschaut habe. Ob ich jetzt allerdings wirklich noch einmal „zurückgehen“ werde, weiß ich wirklich nicht. Das mit dem Hotel hörte sich noch ganz gut an, aber wenn es nur Sex, Drugs and Rock’n’Roll minus den Rock’n’Roll ist… naja, mal schauen 😉

Trackbacks

  1. Aquaman und seine Jungs | Going To The Movies
  2. The Lady Gaga Story | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: