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Alles für Jenny

16. November 2016

Ich muss ganz ehrlich sein, ich kann mittlerweile schon ein bisschen mehr nachvollziehen, warum die 80er Jahre einen Film wie „Stirb Langsam“ so dringend gebraucht haben. All diese Seagals, Stallones und Schwarzeneggers dürften dem damaligen Kinozuschauer mit Sicherheit irgendwann auf den Geist gegangen sein. Da wurde schon gar keine großartige Story mehr erzählt, Hauptsache Actionheld XY rennt blindlings in den Kampf, ballert alle tot, ohne jedoch selbst auch nur eine einzige Kugel abzubekommen. Was muss ein kleiner, normal wirkender John McClane damals nur für einen Eindruck auf die Zuschauer gemacht haben? Ein Typ ohne Schuhe, ohne Raketenwerfer, ohne Gott-Modus – das Einzige, was sie diesem Typen noch ließen, waren die Einzeiler. Ach ja, „Stirb Langsam“ ist in so vielerlei Hinsicht ein grandioser Film. Aber darum soll’s jetzt nicht gehen, sondern um einen dieser 80er-Jahre-Vertreter des Actiongenres mit Held XY im Gott-Modus, der einfach alle kaputt macht. Und wer könnte das besser als Schwarzenegger, Arnold Schwarzenegger als John Matrix in „Phantom Kommando“.

Eigentlich wollte der gute John doch nur seinen Ruhestand mit Töchterchen Jenny (Alyssa Milano) genießen. Nur wird daraus leider nichts, als jemand alle Mitglieder seines ehemaligen Einsatzkommandos eliminiert. Ein ehemaliger Diktator, der von Johns Team gestürzt wurde, will, dass John den neuen Präsidenten von Val Verde tötet, um selbst wieder die Regierung übernehmen zu können. Als Sicherheit, dass John macht, was er machen sollen, entführt dieser schmierige Diktator mit Hilfe von Johns sadistischem Ex-Kollegen Bennett (Vernon Wells) die kleine Jenny und setzt John in ein Flugzeug nach Val Verde. Aus dem der natürlich entfliehen kann und sich mit Hilfe der Stewardess Cindy (Rae Dawn Chong), jeder Menge Muskelkraft, noch mehr Waffen und viel zu vielen dummen Einzeilern auf den Weg macht, um Jenny zu befreien – und alle anderen zu töten.

Der Predator hatte nie eine Chance

Man darf „Phantom Kommando“ wirklich nicht zu ernst nehmen, sonst gerät man mit diesem Film ziemlich schnell in Schwierigkeiten. Aber wiederum, wie kann man diesen Film nur ernst nehmen, der mehr oder weniger mit einer Happy-Family-Montage anfängt, in der Arnold Schwarzenegger verzweifelt versucht, den glücklichen Daddy zu spielen, sich von Alyssa Milano Eis ins Gesicht drücken lässt und gemeinsam mit ihr ein Reh füttert. Ganz ehrlich, allein dieses Bild von Milano, Schwarzenegger und dem Reh gehört eigentlich ausgedruckt und übers Sofa gehängt: Wenn das nicht Familienidylle schreit, weiß ich auch nicht… überhaupt ist der knuffige Schwarzenegger als Daddy einfach nur herrlich… wenn er dann seiner Tochter auch noch erklärt, dass damals in Ostdeutschland Rock’n’Roll als subversiv betitelt wurde – ganz ehrlich, der ganze Film hätte nur aus solchen Szenen bestehen können. Herrlich, und dann sag mal noch einer, Schwarzenegger wäre nicht schon damals ein großartiger Schauspieler gewesen. 😀 😀 😀

Okay, ich versuche wieder ernst zu bleiben, obwohl ich allein beim Gedanken an die ersten zehn Minuten von „Phantom Kommando“ immer noch in schallendes Gelächter ausbrechen könnte. Aber wir wollen ja nicht den Rest des Films vergessen… der nach Jennys Entführung ein bisschen hinkt. Und das nicht, weil Schwarzenegger nur dumme Sprüche klopft (und dabei ein paar echte Klassiker raushaut), mit Stewardess Cindy einen recht eigenwilligen Side-Kick bekommt oder kaum jemanden wirklich vermöbelt – nein, am schlimmsten ist hier der Soundtrack von James Horner. Obwohl der Mann später den Oscar für die Musik zu „Titanic“ nach Haus tragen durfte, ist seine Musik zu „Phantom Kommando“ einfach nur grausig. Wer Steel Drums schlimm findet, der wird sie nach diesem Film hassen. Wer überhaupt auf die Idee kam, dass Steel Drums das passende Instrument für einen Schwarzenegger-Action-Film wären, gehört bestraft.

Aber gut, man übersteht auch das… irgendwann erweist sich Cindy auch noch als tolle Piloten und fliegt Arnie dahin, wo er hingehört und wo er dann tut, was ein Mann tun muss: Auch Arnie hat besondere Fähigkeiten, die er einsetzt, um den Entführern seiner Tochter so richtig eins reinzuwürgen. Und so wird das Finale von „Phantom Kommando“ dann so ein richtig schönes Gott-Modus-Kill-Fest: Arnies Munitionsgurt wird nie leer, die Granaten landen immer an der richtigen Stellen und egal, wie viel Gegner auch kommen, gegen die Ein-Mann-Armee Schwarzenegger ist kein Gras gewachsen. Regisseur Mark L. Lester zelebriert hier die männliche Männlichkeit Schwarzeneggers mit mehreren Nahaufnahmen von dessen mächtigen Oberarmen, die die schwere Gerätschaft wuchten, mit der Arnie auch gleich das Ende der Welt herbeirufen könnte. „Phantom Kommando“ wird zu einem riesigen Feuerwerk, dessen Maestro Arnie mittendrin ist.

Ach ja, „Phantom Kommando“ hat irgendwie alles, was ein trashig-guter Schwarzenegger so braucht. Plus dem nach wie vor schönsten Familien-Foto aller Zeiten… Arnie, Alyssa und das Reh. Herrlich.

Harmonie in Perfektion

Wertung: 7 von 10 Punkten (muss man mögen, dann macht’s auch Spaß)

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9 Kommentare leave one →
  1. 16. November 2016 07:13

    Dieser Film ist für mich die Essenz des 80er-Jahre Actionkinos: Coole Sprüche, Gewalt, platte Story. Oder noch kürzer ausgedrückt: ein Traum. Danke für die Erinnerung an diesen Klassiker. Muss mal wieder die DVD rauskramen.

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2016 08:55

      Immer gern. Und ja, es ist wirklich 80er-Jahre-Action-Kino pur. Ich kannte den vorher noch gar nicht, deswegen war der jetzt einfach mal Pflicht.

  2. 16. November 2016 07:52

    Klingt großartig! Das ist einer der wenigen 80er Jahre Actionkracher, die ich bisher noch nicht gesehen habe (also dieser und die gesamte „Rambo“-Reihe). Immerhin steht die Blu-ray seit zwei Wochen im Regal. Und nach deiner Besprechung bin ich nun noch motivierter mir den Film anzusehen… 😀

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2016 08:58

      Ich kannte den vorher auch nicht. Er wurde mir aber als wahre Arnie-Sprüche-Fundgrube empfohlen und das war er dann auch. Aber auch der Rest macht tatsächlich einfach nur Spaß 😉 (auch wenn’s ein bisschen sehr abgefahren wird am Ende)

  3. 16. November 2016 10:39

    Mein persönliches Highlight des Films ist ja die Szene, in der Matrix eine Horde heraneilender Gegner ausschaltet, indem er sie mit einem zufällig rumliegenden Telefonmast umhaut.
    Ich hab den nebenbei auch vor einiger Zeit auf den Schrottplatz aufgenomen: https://filmschrott.wordpress.com/2014/08/06/ein-mann-armee-ing-fur-profis/

    • donpozuelo permalink*
      16. November 2016 12:43

      Es gibt so viele herrlich absurde Highlights in diesem Film, aber ja, die Szene ist auch gut.

  4. 16. November 2016 18:55

    Ganz großes Tennis!

  5. 19. November 2016 09:40

    Alyssa Milano in einem Schwarzenegger-Film? Ich konnte (oder wollte?) mich nicht mehr dran erinnern. 😀

    • donpozuelo permalink*
      19. November 2016 20:18

      Hahaha… es hat mich auch sehr überrascht. Nur so wirklich viel sieht man ja eh nicht von ihr.

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