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Ewig rennt der Tom!

14. November 2016

Tom Cruise ist der wahre Forest Gump. Der Junge läuft und läuft und läuft und läuft… und naja, er läuft. Wenn wir mal ehrlich sind, besteht ein richtiger Tom-Cruise-Film aus zwei Dingen: Tom Cruise rennt und Tom Cruise fährt (vorzugsweise Motorrad, wenn keins da ist, dann auch gerne mal Auto). Aber gut, immerhin ist Cruise ja auch mit Filmen wie „Tage des Donners“ oder „Top Gun“ zum Star geworden, den „Need for Speed“ hat man ihm wohl damals einfach in seine filmische Wiege gelegt. Und auch wenn ein Tom Cruise nicht jünger wird (aber irgendwie auch nicht wirklich älter), kann er das mit dem Rennen und dem Fahren einfach nicht lassen. Weswegen er das weiterhin fleißig macht – auch in „Jack Reacher 2 – Kein Weg zurück“.

Jack Reacher (Cruise), der grimmige Ex-Major, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, allein für Recht und Ordnung zu kämpfen, kehrt zurück zu seiner alten Stammeinheit (und widerspricht damit irgendwie gleich seinem Untertitel, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein). Hier will er Major Susan Turner (Cobie Smulders) treffen, die ihm in den letzten Jahren viel bei seinen Fällen geholfen hat. Doch muss er feststellen, dass Turner wegen Spionage im Gefängnis sitzt. Während Reacher versucht, mehr darüber herauszufinden, wird er auch mit der jungen Samantha (Danika Yarosh) konfrontiert, die angeblich seine Tochter sein soll.

Never stop running…

Nach dem ersten „Jack Reacher“-Film hätte ich nicht unbedingt gedacht, dass sie dazu wirklich noch einen zweiten Teil rausbringen würden. Ich meine, klar – Stoff gibt’s genug. Autor Lee Child hat mittlerweile zwanzig Romane über Jack Reacher geschrieben. Ein paar mehr Filme wären da schon drin, aber mich persönlich hatte der erste „Jack Reacher“ nicht so wirklich umgehauen. Ja, es war ein solider Action-Thriller mit einem soliden Cruise, aber irgendwie war mir die Figur Reacher nicht so wirklich vertraut. Wir erfahren kaum was über ihn, außer dass er so eine Art amerikanischer Ronin ist, der ständig durchs Land zieht, gefühlt immer nur dieses weiße T-Shirt anhat und für Recht sorgt, wenn er Unrecht sieht. Hätte eigentlich nur noch ein Cape gefehlt und der Armee-Superman wäre komplett gewesen. Wie gesagt, die Figur Jack Reacher war mir einfach ein bisschen zu flach.

Aber nun hat Cruise halt doch einen zweiten Film produziert und tatsächlich ein paar Dinge anders gemacht… ein paar Dinge, die seinem Jack Reacher tatsächlich ganz gut tun. Gemeinsam mit seinem „Last Samurai“-Regisseur Edward Zwick hat sich Cruise nun im zweiten Teil dazu entschieden, Jack Reacher ein bisschen mehr zu einem Menschen zu machen. Indem er ihn in eine Art Zwangsfamilie steckt. Im Verlauf des Films muss Reacher nämlich mit zwei Frauen klar kommen: Major Turner, der er helfen will und seiner möglichen Tochter Samantha, die er beschützen muss. Hier entsteht im Film nun eine nette Dynamik zwischen den drei sehr starken Charakteren… und das muss man Cruise wirklich lassen: Er und Zwick liefern in diesem Film zwei sehr starke weibliche Charaktere ab, die gut neben Jack Reacher funktionieren. Weder Smulders noch Yarosh spielen die klassische Damsel in Nöten, sondern packen, wenn’s sein muss, auch mal mit an. Im Endeffekt haben wir hier drei Alpha-Tiere, die eigentlich gerne Einzelgänger sind, jetzt aber als Gruppe klarkommen müssen. Das führt zu sehr menschlichen Momenten, manchmal auch sympathisch witzigen Momenten und stellt Jack Reacher mal nicht als übermächtigen Superhelden dar. Ich fand das – im Gegensatz zum ersten Teil – sehr angenehm.

Allerdings hat der Film so auch ein ganz anderes Feeling – ich kann mir schon gut vorstellen, dass Fans des ersten Films mit dem zweiten Teil ihre Probleme haben könnten. Denn es ist jetzt nicht nur ein bloßer Action-Thriller, sondern halt auch ein Film, der endlich mal durch seine Charaktere voran geführt wird. Was man dann aber leider auch ein bisschen an den Sequenzen merkt, in denen es dann ein bisschen heftiger zur Sache geht. Zwick hat da meiner Meinung nach ein bisschen Schwierigkeiten gehabt, die Action-Szenen und die Charakter-Szenen zu einem großen Ganzen zusammenzuführen. Die Action wirkt immer arg inszeniert: so gibt es eine Szene, in der führt Reacher seine Gegner erst in eine leere Lagerhalle, anstatt sie dort zu bekämpfen, wo sie ihm auflauern. Die Action und Kampf-Choreografien sind gut, keine Frage, aber sie wirken wie rein gezwungen in einen Film, der lieber ein Drama gewesen wäre. Einzig und allein zum Schluss mit einer weiteren Renn-Szene für Cruise durch New Orleans kommt so ein bisschen Flair auf. Ansonsten humpelt „Jack Reacher 2“ dem klassischen Action-Film arg hinterher und überzeugt da weitaus weniger.

Jack Reacher wird hier als Vater-Figur ein bisschen interessanter als Jack Reacher, der Superman. Dazu kommt, dass „HIMYM“-Cobie Smulders nicht nur eine gute Laufpartnerin für Cruise ist, sondern auch ein gutes Pendant zu seinem Reacher. Ihre Susan Turner ist eine taffe Person, die zum Glück nicht sofort mit Reacher im Bett landet. Sie steht ihren Mann (5 Euro für die Wortspiel-Kasse) und liefert eine gute Performance ab.

Wenn ein Charakter-Regisseur Action machen möchte, fehlt das gewisse Etwas. Die Action wird sehr blass, die Charaktere wirken stärker als im ersten Teil, verlieren sich aber in der etwas schwammigen Story… und irgendwie hat man das Gefühl, dieser Film wäre ohne den Namen Tom Cruise direkt im DVD-Regal gelandet. Naja, vielleicht kriegen sie es ja beim dritten Teil hin (oder Cruise bleibt lieber einfach bei „Mission: Impossible“)

Wertung: 6 von 10 Punkten (der amerikanische Ronin wird menschlicher)

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4 Kommentare leave one →
  1. 14. November 2016 21:20

    Ich fand die Smulders langweilig, aber gut, es gibt schlechtere Filmpartner :))

    • donpozuelo permalink*
      15. November 2016 09:36

      Ich fand sie okay. Aber hey, wahrscheinlich kann sie sich schon glücklich schätzen, neben Tom Cruise so viel Screen-Time bekommen zu haben 😉

Trackbacks

  1. Kritik: Jack Reacher – Kein Weg zurück – filmexe
  2. Jack Reacher 2 – Kein Weg zurück | FilmkritikenOD

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