Skip to content

Plata o plomo

11. November 2016

Der Weg, wie ich zur Netflix-Serie „Narcos“ gekommen bin, beginnt eigentlich bei der HBO-Serie „Entourage“. Da geht es ja in den ersten Staffeln auch um einen Film namens „Medellin“, in dem Vincent Chase die Hauptrolle des Pablo Escobar übernehmen will. Irgendwann im Verlauf der ersten vier Staffeln sieht man dann auch mal diesen Vinnie Chase als den berühmt-berüchtigten Drogen-Boss Escobar… und ganz ehrlich, das sah ziemlich gut aus. Man sieht zwar in „Entourage“ nur einen Trailer und hier und da ein paar Ausschnitte, aber als ich das sah, dachte ich mir: „Das sieht gut aus, ich würde mir den Film angucken!“ Nun gibt’s den Film leider nicht, aber irgendwer, irgendwo fand das Thema Pablo Escobar genau so interessant: Auftritt Netflix! Auftritt „Narcos“! Denn „Narcos“ erzählt ebenfalls die Geschichte von Pablo Escobar. Beziehungsweise erzählt uns DEA-Agent Steve Murphy (Boyd Holbrook), wie es ein Mann namens Pablo Escobar (Wagner Moura) in den siebziger Jahren in Kolumbien schaffte, einer der reichsten Männer der Welt zu werden, indem er Kokain nach Amerika schmuggelte und mit dem Medellin-Kartell eines der mächtigsten Drogen-Kartelle überhaupt gründete.

Ähnlich wie in „Entourage“ wird auch diese Geschichte von Escobar auf Spanisch erzählt. Gerade einmal Murphy darf hier noch auf Englisch zu uns sprechen, was für ihn aber auch kaum von Vorteil ist, weil er so als Gringo in Kolumbien noch mehr auffällt. Und wie schon der verrückte Regisseur Billy Walsh in „Entourage“ meinte, verleiht das Spanische dem Ganzen noch etwas Authentizität. Wobei man schon auch den Hut vor Netflix ziehen muss, dass sie das wirklich so durchgezogen haben. Ich meine, ich kenne viele, die allein wegen der Untertitel „Nein“ zur Serie sagen würden. Ich mochte das, immerhin schnappt man so gleich noch ein paar böse spanische Schimpfwörter auf 😉

All the money cocaine can buy

Aber mal abgesehen von den Schimpfwörtern ist „Narcos“ schon eine verdammt gute Serie, die nicht nur durch das Spanische authentisch wirkt. Nein, immer wieder – bei größeren Ereignissen – spielen die Macher alte Nachrichtenbeiträge aus den 70ern ein. Wenn zum Beispiel Escobar einer kleinen militanten Gruppe gibt, das Justizministerium unter Beschuss zu nehmen und sogar die Armee anrücken muss, sehen wir die echten Bilder von damals. Noch unangenehmer wird es dann, wenn die Nachrichtenbeiträge uns schmerzlich vor Augen führen, was für ein unbarmherziger und kaltblütiger Typ Pablo Escobar war: Da werden wir dann konfrontiert mit den Opfer seines Krieges gegen die Regierung und gegen andere Kartelle.

Doch fast im gleichen Atemzug wird dieser Mann als Held gefeiert, als Mann des Volkes, der mit seinen illegalen Machenschaft so viel Geld verdient, dass er nicht weiß, was er damit machen soll und es dann unter anderem auch einfach an die Bürger verschenkt. Gerade die erste Staffel zeigt sehr präzise und genau die zwei Seiten des Escobar: der Unbarmherzige und der Wohltäter. Und genau das macht dann auch den Reiz der Serie aus – diese Faszination des Bösen… dazu kommt natürlich, dass „Narcos“ einfach auch eine spannende „Polizei-Geschichte“ ist, in der Murphy gemeinsam mit den Behörden auf jede mögliche Art und Weise versucht, Escobar zu stoppen. „Narcos“ ist wie eine kleine Geschichtsstunde in Sachen Entstehung des Drogenschmuggels mit allem, was dazu gehört.

Dass die Serie so gut unterhält, liegt aber auch an den Darstellern. Von denen gibt es natürlich eine ganze Menge… es ist ein bisschen wie mit der ersten Staffel von „Sopranos“: ich hatte da fast schon ein bisschen Angst vor dieser Fülle an Charakteren. Aber Mafia bleibt Mafia und da gibt es nun einmal Haufenweise Leute. Aber sowohl in „Sopranos“ als auch in „Narcos“ bekommt man mit der Zeit einen recht guten Überblick, wer wer ist. An oberster Stelle steht natürlich ein umwerfender Wagner Moura mit kleiner Plautze und Schnurrbart. Er spielt Escobar, den Familien-Mensch genauso gut wie Escobar, den Drogen-Boss. Moura kann dabei erschreckend gut von einem zum anderen wechseln – was dann wohl auch die Faszination und die Bedrohung Escobar ausmacht: Er kann dein bester Freund sein und auch dein schlimmster Feind.

„Narcos“ ist mal was anderes. Gekonnt vermischen die Macher hier Dokumentarisches mit Geschichten-Erzählen und liefern so eine unheimlich spannende Geschichtsstunde über den Drogenhandel ab. Und wenn das alles nicht auf wahren Begebenheiten beruhen würde, würde man das alles als zu überzogen und zu abgedreht abstempeln. Aber die Tatsache, dass das alles wahr ist, macht es gleichzeitig so unfassbar.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Doku und Thriller in einem, perfekte Unterhaltung, bei der man sogar noch was lernt)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 17. November 2016 20:49

    Die mafiösen Drogen-Milieu-Stories bewegen mich irgendwie nicht dazu sie mir anzuschauen, trotz deiner sehr überzeugenden Review. Aber ich bewundere wie gut die Serie insgesamt bewertet wird.
    Und was für spanische Schimpfwörter hast du gelernt?

    • donpozuelo permalink*
      17. November 2016 21:56

      Die Serie wird in der zweiten Staffel sogar noch ein bisschen besser (Review kommt morgen).

      Und naja… was die Schimpfwörter angeht: wenn ich sie jetzt auch noch alle richtig schreiben könnte, würde ich sie jetzt aufschreiben. Da ich sie nur durchs Hören-Sagen „gelernt“ habe, will ich mich jetzt nicht bloßstellen 😀

Trackbacks

  1. Aquaman und seine Jungs | Going To The Movies
  2. Viva el rey! | Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: