Skip to content

Flucht durch die Wüste

9. November 2016

Wenn dein Vater ein international gefeierter Regisseur ist und du dich dann dazu entschließt, auch Regisseur zu werden, wird es nicht ganz so einfach. Egal, was du machst – sei es gut oder schlecht – man wird dich mit deinem Vater in Verbindung bringen und dich mit ihm vergleichen. Wenn dein Vater dann auch noch Alfonso Cuarón ist und zuletzt mit dem umwerfenden „Gravity“ die Zuschauer in komplett andere Sphären gehoben hat (und auch schon vorher mit Filmen wie „Children of Men“, „Y Tu Mamá Tambien“ oder dem dritten Harry-Potter-Film Kritiker und Zuschauer gleichermaßen begeistert hat), dann musst du mit einem echten Wumms ins Kino kommen oder es vielleicht unter einem Pseudonym versuchen. Jonás Cuarón ist aber ein mutiger Junge und versteckt sich nicht. Immerhin hat er an Papas „Gravity“ mitgeschrieben und den dazugehörigen Kurzfilm „Aningaaq“ gedreht. Ein Cuarón ist stolz! Weswegen sein erster Spielfilm auch unter seinem Namen (bei uns nur auf DVD) erscheint: „Desierto“.

Eine Gruppe von Mexikaner will in die USA und lässt sich über die Grenze schmuggeln. Mitten in der Wüste krepiert jedoch der Laster und die etwa 10 Mexikaner, unter ihnen auch Gael Garcia Bernal, sind gezwungen, zu Fuß den Weg in die Vereinigten Staaten anzutreten. Der Grenzübergang gelingt auch ohne Probleme, doch auf amerikanischer Seite treffen sie ihren schlimmsten Feind: einen angetrunkenen und gelangweilten Redneck (Jeffrey Dean Morgan), der eigentlich nur auf Kaninchenjagd mit seinem treuen Hund war und sich angesichts der illegalen Einwanderer dazu entschließt, mit denen kurzen Prozess zu machen. Was beginnt, ist eine Hetzjagd durch die Wüste.

Negan vor der Zombie-Apokalypse

Tja… mehr hat dieser Film auch wirklich nicht zu bieten. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man fast meinen, das am Ende des Films eine Tafel aufploppt: „brought to you by Donald Trump!“, denn den könnte dieser Film vielleicht noch begeistern. Deswegen ist es irgendwie umso erstaunlicher, dass es sich hier um eine mexikanische Produktion handelt, die auch von Papa Alfonso produziert wurde. Und wenn jetzt eine mexikanische Produktion einen Film darüber macht, wie Mexikaner versuchen über die Grenze zu gelangen, hätte ich da schon ein bisschen mehr erwartet.

Vielleicht mehr eine Geschichte über die Gründe, eine persönliche Geschichte, die uns das Elend, dem diese Menschen zu entkommen versuchen, deutlicher macht. Irgendwas… irgendwas, das diesem Film auch nur ein bisschen Tiefe verleiht. Aber das sucht man in „Desierto“ vergebens. Gut, es wird mal zwischendurch in ein paar kurzen Szenen angedeutet: Da erzählt Bernals Charakter, wie er um ein Visa kämpfte, keins bekam und abgeschoben wurde. Da erzählt ihm eine junge Frau, dass ihre Eltern so viel Geld bezahlt haben, um sie über die Grenze zu kriegen. Aber das war’s. Mehr kommt nicht… Nicht einmal von der Redneck-Seite kommt etwas. Jeffrey Dean Morgan ist einfach zufällig da, nuckelt zufällig schon seit Beginn des Films an seiner Whiskey-Flasche und hat zufällig Bluthund und Gewehr gleich parat.

Und so wird dann aus „Desierto“ einfach nur ein stupider Film: erst ballert Morgans Charakter so ziemlich alle Flüchtenden gekonnt aus der Entfernung ab und jagt dann den Rest des Films eine kleine Gruppe von vier, fünf Leuten durch die Wüste. Ab da besteht der Film nur noch aus keuchenden Menschen, die durch die Wüste rennen, über steinige Hügel klettern, sich in kleinen Schluchten verstecken und einem Jeffrey Dean Morgan, der ihnen hinterjagt. Der Einzige, der in diesem Film wirklich so richtig harte Arbeit leistet und auch irgendwo ein bisschen Anerkennung verdient, ist der Film-Hund: Der ist wie der Duracell-Hase aus der alten Werbung von Anno Dazumal. Der rennt und rennt und rennt und rennt… zwischendurch bleibt er mal stehen, aber dann rennt er wieder und rennt und rennt und rennt.

Aber das war’s… ich habe selbst jetzt noch keine Ahnung, für wen dieser Film gemacht worden ist, warum dieser Film gemacht worden ist oder auch nur, was mir der gute Jonás Cuarón damit sagen will. Mit den Sachen von seinem Vater kann man das nicht mal im Ansatz vergleichen (vielleicht wollte er das so???). Bis auf ein paar sehr gelungene Landschaftsaufnahmen und eben dem ewig rennenden Hund hat „Desierto“ nichts zu bieten. Jeffrey Dean Morgan ist grummelig, hat aber keine starke Präsenz (auch wenn ich da jetzt zu sehr bei ihm an seinen Negan aus TWD Staffel 6 denke und mich schon tierisch auf ihn in Staffel 7 freue). Aber auch ein Gael Garcia Bernal kommt nicht zur Geltung.

Es ist ein leerer Film, der mit tollen Landschaften beeindrucken und mit übelster Brutalität schocken will. Vielleicht ist das auch schon die Aussage: wie sinnlos das alles ist. Aber dann hätte man diese Aussage besser verpacken sollen.

Wertung: 3 von 10 Punkten (dann doch erst einmal beim Papa bleiben)

Advertisements
4 Kommentare leave one →
  1. 9. November 2016 20:15

    Huch, den fand ich aber gut. Mir ging es ja so bei „Gravity“ da dachte ich: was soll der Mist? :)))

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2016 20:18

      Echt? Nee… beim war’s andersrum. „Gravity“ hat mir echt gut gefallen, den hier fand ich einfach nur blöde.

      • 9. November 2016 20:21

        Da haben wir bei den Cuaróns wohl einen gegenläufigen Geschmack :))

        • donpozuelo permalink*
          9. November 2016 20:24

          Hahaha… klingt fast so. Aber gut… der Jung-Cuaron hat ja gerade erst angefangen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: