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The Riddle of the Model

7. November 2016

Ich bin ein Kinder der 80er Jahre… und auch wenn ich damals ein bisschen zu jung gewesen bin, um die Musik der Zeit damals wirklich wertschätzen zu können, ist sie bei mir hängengeblieben. Ich liebe die 80er-Jahre-Mukke. Wenn ich zu meinen Eltern fahre, dröhnt eine von meinen vielen 80er-Jahre-Playlists aus den Lautsprechern meines Autos – voll aufgedreht, voll mitgesungen, voll happy. Das erklärte dann auch damals schon lange vor dem Erscheinen von „Guardians of the Galaxy“, warum ich den Film definitiv mögen werde: der Soundtrack lief schon gefühlt drei Monate vor Filmstart in meinem Auto rauf und runter. Und so war es jetzt auch mit „Sing Street“ von John Carney – den Soundtrack kannte ich vor dem Film eigentlich schon auswendig. Ein gutes Zeichen dafür, dass mir mit Sicherheit auch der Film gefallen würde. Nur irgendwie hatte ich den dann ein bisschen vergessen, bis ich vor einiger Zeit von ERGOTHEK daran erinnert wurde.

Conor (Ferdia Walsh-Peelo) wächst im Dublin der 80er Jahre auf. Weil seine Eltern sparen müssen, kommt er von einer privaten auf eine staatliche Schule – ein hartes Pflaster für die zarte Seele Conor. Bis er eines Tages Raphina (Lucy Boynton) sieht und sie anspricht. Um ihr zu imponieren, lädt er sie zu einem Video-Dreh seiner Band ein. Das kleine Problem dabei, Conor hat noch gar keine Band, noch gar keine Songs, nichts. Aber die Liebe beflügelt ihn und in Nullkommanichts hat er ein paar Schulkameraden zusammengetrommelt und mit der Inspirationshilfe seines großen Bruders Brendan (Jack Reynor) bald auch den ersten Song: „The Riddle of the Model“.

Die Sing-Straße live

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich von John Carney noch nichts weiter gesehen habe. Ja, ich kenne Ausschnitte aus „Once“ und mag da tatsächlich den Soundtrack sehr. Und an „Can A Song Save Your Life?“ habe ich mich nie rangetraut (Keira Knightley schreckt mich doch immer noch sehr ab). Aber jetzt endlich mal ein Carney… und was soll ich sagen, ich habe mich von Sekunde Eins an in „Sing Street“ verliebt.

„Sing Street“ ist ein Musikfilm, ein Film über Musik, ein Film darüber, wie sehr uns Musik beeinflusst, wie sehr Musik uns belebt, wie sehr Musik unsere Gefühle bestimmt. „Sing Street“ ist ein Film, der sich der Musik ergibt, willenlos und doch willentlich. Ich meine, der Film beginnt damit, dass Conor mal eben die Idee hat, eine Band zu gründen, um ein Mädchen zu beeindrucken – und nicht zwei, drei Szenen später haben sie schon einen Hammer-Song, der ohne Probleme entstanden zu sein scheint. Carney hält sich nicht damit auf, die möglichen Schwierigkeiten einer Band-Gründung durchzugehen. Bei ihm ist Musik Eskapismus pur. Nach dem Motto „Wenn du es willst, dann schaffst du es auch“ sprüht aus diesen jungen Köpfen einfach Musik… und so formt sich die Band, schreibt Conor einen Song nach dem anderen – und als Zuschauer stört man sich nicht die Bohne daran.

Carneys „Sing Street“ atmet Musik mit jeder Sekunde… wenn Brendan seinem Bruder eine neue Musik-Richtung vorstellt, wird das sofort umgesetzt. Neben den Songs der Band wird der Film auch durch die Musik der 80er Jahre belebt. Wer einen guten Musik-Film sucht, in dem es wirklich viel um Musik und das Gefühl für die Musik geht, ist bei „Sing Street“ genau richtig. Dazu gibt es dann auch noch eine charmante Geschichte von einem Jungen, der sich in ein kompliziertes Mädchen verliebt, in komplizierten Zeiten lebt und mit Hilfe der Musik zu sich selbst findet. Besser geht’s doch gar nicht, oder?

Um dem Ganzen dann aber doch noch ein Sahnehäubchen draufzudrücken, beeindrucken auch die Darsteller in „Sing Street“. Dabei finde ich sehr interessant, dass sich Carney auch hier nicht von seiner Musik ablenken lässt. Die einzelnen Charaktere der Band, die neben Conor noch existieren, werden nie stark in den Vordergrund gerückt: Es geht schon immer um Conor und Raphina. Dennoch hat man das Gefühl, die einzelnen Mitglieder gut zu kennen. Auch hier hätte Carney mehr Klischees reinbringen können, mehr Witze auf Kosten von Herkunft, etc. Aber das ist nicht nötig und auch nicht gewollt. Dafür haben wir ja Conor und Raphina. Gleich in seiner allerersten Rolle in einem Film überhaupt weiß Ferdia Walsh-Peelo zu überzeugen. Er durchläuft in diesem Film wirklich die stärkste Wandlung – von dem unsicheren, unsichtbaren Junge hin zu jemandem, der weiß, was er will, was er ist. Plus: Er kann hervorragend singen. Lucy Boynton ist dazu die passenden Muse für ihn. Die Frau ist einfach toll, sehr bezaubernd und sehr glaubwürdig die Art von Frau, die einem Jungen den Kopf verdrehen könnte. Nicht unerwähnt bleiben darf Jack Reynor. Ich musste lange überlegen, bis mir einfiel, dass ich ihn aus dem furchtbaren letzten „Transformers“ kannte. Aber das will ich ihm nach diesem Film verzeihen. Er ist die Mentor-Vater-Figur, die Conor für diesen Film braucht und er macht das so verdammt gut. So gut, das ich mir tatsächlich wünschen würde, Carney würde eine Art „Sing Street“-Spinoff drehen – mit Brendan in der Hauptrolle 😉

John Carneys „Sing Street“ ist ein wunderschöner Musik-Film mit einer guten Story, starken Charakteren und einem umwerfenden Soundtrack. Es ist ein großartiger kleiner, charmanter und liebenswerter Film, in dem man einfach eintauchen und sich treiben lassen kann.

Wertung: 10 von 10 Punkten (ein perfektes Kleinod voller Liebe und schöner Musik)

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13 Kommentare leave one →
  1. 7. November 2016 09:12

    No woman can truly love a man who listens to Phil Collins! ^^

    • donpozuelo permalink*
      7. November 2016 09:14

      Ein sehr gutes Zitat aus dem Film.

      • 7. November 2016 10:40

        Einer der wenigen Filme, bei dem ich den Soundtrack immer noch höre.
        Ich hatte 8/10 gegeben im Juli und auch eine Kritik geschrieben.

        • donpozuelo permalink*
          7. November 2016 10:55

          Der Soundtrack ist toll. Wird auch noch lange bei mir laufen. Kritik werde ich mir bei dir mal durchlesen.

  2. 7. November 2016 19:54

    Ganz charmant, aber letztlich für mich doch zu gewöhnlich in seiner Dramaturgie und Charakterzeichnung (bestes Beispiel: der Konflikt mit dem Skinhead, mit dem man sich am Ende so ganz nebenbei doch noch „anfreundet“). Die komplizierten Zeiten bleiben gänzlich im Hintergrund, genauso wie der Großteil der Rest der Band.

    Wie gesagt, ganz nett, aber von einer vollen Wertung doch sehr weit entfernt in meinen Augen.

    • donpozuelo permalink*
      8. November 2016 07:39

      Ja. Dass der Großteil der Band im Hintergrund bleibt, hat mich auch ein wenig gestört. Aber dennoch hat mich der Film irgendwie voll und ganz abgeholt. Wahrscheinlich lag’s einfach an der Musik 😉

  3. 9. November 2016 04:13

    Langsam finde ich es unheimlich, dass alle außer ich den soooo feiern.

    • donpozuelo permalink*
      9. November 2016 07:14

      Hahaha… alles gut. Keine Sorge. Ich kenne auch ein paar Leute, die den nicht so sehr mögen wie ich.

  4. 9. November 2016 04:15

    Ja, alle außer ich. *lach* Wortfindungsstörungen während ich die US-Wahl verfolge.

  5. 10. November 2016 13:53

    „Keira Knightley schreckt mich doch immer noch sehr ab.“ hihi. Toller Text! Schön wenn bei einem Film alles so sehr passt. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      11. November 2016 12:03

      Danke… und ja. Klar könnte man auch sicherlich ein paar Sachen finden, die nicht so wirklich rund sind bei diesem Film, aber letztendlich ist das große Ganze einfach nur toll.

  6. 19. November 2016 08:56

    Was eure „Liebe“ zu Keira Knightley betrifft, kannst du dich anscheinend mit Gorana zusammen tun. 😉 „Sing Street“ kenne ich leider noch nicht, aber sowohl „Once“ als auch „Can a song save your life“ fand ich gelungen. Carney schafft es irgendwie immer eine ganz besondere Atmosphäre in seinen Filmen zu erzeugen. So locker leicht fluffig…

    • donpozuelo permalink*
      19. November 2016 20:19

      Ja, die „Liebe“ zu Keira Knightley vereint einige Menschen 😉

      Und danke für die Info. Dann werde ich mir irgendwann mal den Rest von Carney anschauen.

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