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Magische Origami-Musik

2. November 2016

Die Laika-Studios haben „gerade mal“ vier Filme produziert, aber sich damit sofort einen Namen gemacht. Ich muss ja gestehen, dass ich von diesen vier Filmen nur zwei gesehen habe, aber sobald der Name Laika fällt, denke ich zumindest nicht mehr an die kleine Hündin, die 1957 mit Sputnik 2 in unsere Erdumlaufbahn geschossen wurde (und da wahrscheinlich immer noch in ihrem kleinen Grab kreist). Laika ist Magie pur: Stop-Motion-Magie pur. Und irgendwie finde ich es fast schon ein wenig witzig, dass Laika zu Nike gehört. „Just do it“ scheint auch auf Stop-Motion zu zutrefefen. Und da möglicherweise mehr denn je. Immerhin ist Stop-Motion ziemlich kostspielig und aufwendig, da könnte man schnell in Versuchung geraten, es auf eine andere Weise zu probieren. Doch Präsident Travis Knight, Sohnemann von Nike-CEO Phil Knight, geht nach Papas Firmenmotto und macht es einfach. Mit „Coraline“ hat sein Studio sofort mein Herz gewonnen (weswegen ich mich immer noch wundere und ärgere, dass ich „ParaNorman“ und „Die Boxtrolls“ noch nicht gesehen habe). Doch für Laikas vierten Film habe ich dann endlich doch den Weg ins Kino gefunden.

In „Kubo – Der tapfere Samurai“ lernen wir den kleinen Kubo (Art Parkinson) kennen. Der verdingt sich als Geschichten-Erzähler in einem kleinen Dorf am Rande eines Kliffs, in dem er mit seiner Mutter in einer kleinen Höhle lebt. Dort versteckt sie ihn vor seinem Großvater dem Moon King (Ralph Fiennes). Der hat nicht nur Kubos Vater auf dem Gewissen, sondern dem kleinen Jungen auch ein Auge genommen. Doch es kommt natürlich, wie es kommen muss: die bösen Schwestern von Kubos Mutter (beide gesprochen von Rooney Mara) finden ihn und zwingen Kubo so aus seinem Versteck. Jetzt muss er eine magische Rüstung, einen magischen Helm und ein unzerstörbares Schwert finden, um gegen seinen Großvater bestehen zu können. Auf der Suche nach diesen Artefakten bekommt Kubo Unterstützung von Affen-Dame Monkey (Charlize Theron), die Kubos Mutter mit letzter Kraft als Beschützerin für ihren Sohn beschwört und Beetle (Matthew McConaughey), der früher mal ein Samurai war.

Der Robin Hood der Käfer

Ach ja, was soll ich sagen? Ich bin verzaubert. Ich habe jetzt zwar noch nicht „Anomalisa“ gesehen, aber „Kubo“ ist für mich jetzt schon einer der schönsten Filme des Jahres – vor allem einer der schönsten Stop-Motion-Filme des Jahres (gut, nicht schwer, gibt ja nicht so viele). Und gleichzeitig auch ein Film, der Stop-Motion noch einmal eine Stufe weitergebracht hat. Was Laika Studios hier geschaffen haben, sieht wirklich umwerfend aus. Die Sets sind einmal mehr wunderschön und sehr liebvoll aufgebaut, die Charaktere, die verschiedenen Monster und Gestalten in Kubos Welt sind unglaublich kreativ und so verschieden… und dabei sieht das Stop-Motion aus, als würde es vom Computer kommen.

Ich habe jetzt schon die zahlreichen Behind-the-scenes-Videos auf youTube gesehen, um zu wissen, dass hier wirklich in mühsamer Kleinarbeit gearbeitet wurde… aber in Verbindung mit CGI. Sogar aus dem Laser-Drucker sind einige Figuren gekommen. Und natürlich könnte ein Purist sich jetzt beschweren, dass das nicht wirklich Stop-Motion ist, aber was soll’s? Es ist Stop-Motion und es sieht wahnsinnig aus. Es gibt zu Beginn eine Szene, in der wir Kubos Fähigkeit zu sehen bekommen. Mit Hilfe seiner Laute kann er Papier zum Leben erwecken – so falten sich die Papier, die er hat, zu lebendigem Origami. Und auch das sieht einfach nur wunderschön aus. Man kann sich an „Kubo“ einfach nicht satt sehen.

Dazu kommt eine spannende Helden-Geschichte, die – zugegebenermaßen – sehr Schema F ist, aber dieses Schema F so packend inszeniert, dass man es kaum abwarten kann, was als nächstes kommend wird. „Kubo“ ist ein toller Abenteuerfilm, fast schon eine Schatzsuche, auf die selbst ein Indiana Jones stolz gewesen wäre. Diese Geschichte lebt dabei erstaunlich authentisch das japanische Flair aus. Wenn man mir vorher nicht gesagt hätte, dass der Film aus den USA kommt, hätte ich auch geglaubt, der Film ist eine japanische Produktion. Gekonnt verweben die Macher japanischen Ehrenkodex in eine rührende Familien-Geschichte, eine Coming-Of-Age-Story und einen Abenteuerfilm. Studio Ghibli und ein Hayao Miyazaki hätten es wohl kaum besser machen können.

Großes Plus sind natürlich auch die Sprecher – zumindest, was ich vom O-Ton her sagen kann. McConaughey, Theron, Mara und Fiennes sind spitze, der junge Art Parkinson verleiht der Geschichte aber den letzten Feinschliff und überzeugt als tapferer Kubo.

Mit „Kubo – Der tapfere Samurai“ haben wir einen Film, der zum Träumen, zum Lachen und zum Weinen einlädt. Ein wunderschöner, faszinierender Film mit tollen Schauwerten, atemberaubenden Welten, starken Charakteren und tollen Kampfsequenzen – rundum ein tolles Kino-Erlebnis, das allerdings für manche Kinder etwas zu düster sein könnte. Dafür ist „Kubo“, wie aber auch schon andere Laika-Vorgänger, etwas erwachsener und scheut sich nicht davor, das auch in der Geschichte auszuleben. Von daher… für einige Kinder vielleicht eher ungeeignet, für alle anderen gilt das Nike-Motto: „Just do it!“

Wertung: 10 von 10 Punkten (Stop-Motion-Spektakel, das man nicht verpassen sollte)

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10 Kommentare leave one →
  1. 2. November 2016 20:46

    Sehr schöne Kritik, ich bin in allen Punkten deiner Meinung und kann auch nur eine 10/10 vergeben. Der Film ist so wunderbar anzusehen, ich schau ihn mir dieses Wochenende direkt noch einmal an. Und das habe ich glaub ich noch bei keinem Film gemacht. Ich muss gestehen, ich war einige Male den Tränen nah 😀

    • donpozuelo permalink*
      2. November 2016 21:14

      Ja… ein toller Film. Hat mich auch sehr gerührt. Den will ich auch nochmal sehen. Als Blu-ray schon jetzt ein Pflichtkauf 😉

  2. 3. November 2016 21:23

    Ich war zwar punktemäßig knausriger, kann Dir aber trotzdem voll zustimmen 😀
    Ein wirklich zauberhafter herzerwärmender Film.

    • donpozuelo permalink*
      3. November 2016 22:10

      😀 ja, es ist ein toller Film. Und Punkte sind auch nur Punkte, am Ende zählt das tolle Gefühl.

  3. 5. November 2016 17:07

    Wow – klingt wirklich nach einem gelungenen Film. Ich habe ehrlich gesagt dem Trailer nicht angemerkt, dass es stop motion ist und bin ziemlich baff. Auch, dass Laika zu Nike gehört war mir neu. Viel gelernt heute 😉 Scheinbar habe ich den aber in den Kinos in meiner Stadt verpasst. Mist…
    Zu Anomalisa würde ich allerdings sagen, dass man den nicht gesehen haben muss. Zumindest was die Machart betrifft.

    • donpozuelo permalink*
      6. November 2016 23:08

      Ja, das mit Nike war mir auch neu. Und ja, dass es Stop-Motion ist, merkt man kaum. Und drittes Ja zu dem Problem mit den Kinos. Selbst hier in Berlin lief der Film nur nachmittags und sonst kaum. Was echt schade ist…

Trackbacks

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