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Der Whistle-Blower

21. Oktober 2016

Die Zukunft ist wahr geworden. Big Brother is watching us – nur im Gegensatz zu Orwells dunkler Zukunftsvision versucht unser Big Brother das alles geheim zu halten. Doch nichts bleibt für immer geheim: Auftritt Edward Snowden, einer der berühmtesten, wenn nicht sogar der berühmteste Pfeifenbläser unserer Zeit. Der offenbarte uns 2013, dass so ziemlich jeder jederzeit per Telefon, per Internt, via Webcam ausspioniert werden kann. Keine Datensicherheit, keine Privatssphäre: Wenn die NSA möchte, kann sie mir wahrscheinlich jetzt gerade beim Schreiben dieser Kritik zusehen. Snowden wurde nach diesen Enthüllungen für die einen zum Helden, für die anderen zum Verräter. Und diesem „Verräter“ widmet sich Oliver Stone in seinem Film „Snowden“.

Es beginnt mit dem jungen Ed Snowden (Joseph Gordon-Levitt), der für die Special Forces der Army trainierte, sich aber schwer an den Beinen verletzte und deswegen als Soldat für untauglich erklärt wurde. Mit dem Wunsch trotzdem seinem Land zu dienen, gelangt er schließlich an eine Position bei der CIA. Sein Mentor Corbin O’Brian (Rhys Ifans) bringt dem talentierten Snowden die Grundlagen bei, die er braucht, um Amerikas Krieg gegen das Böse auf dem Online-Schlachtfeld auszutragen. Im Laufe seiner Arbeit für verschiedene Organisationen lernt Snowden dann von dem schmutzigen Dingen, die sein Land tut, um seine Bürger in Sicherheit zu wiegen… und Snowden entscheidet sich, etwas dagegen zu tun.

A Beautiful Mind lässt grüßen

Die Geschichte dürfte ja eigentlich so ziemlich jedem bekannt sein. Vor allem weil es da ja auch diese Oscar prämierte Dokumentation „Citizenfour“ gibt, in der all das vom echten Ed Snowden schon erzählt wurde und weil wahrscheinlich nur derjenige sie noch nicht kennt, weil er unter einem Stein geschlafen hat. Aber ein Oliver Stone mag politische Themen und was wäre besser als die Geschichte von Snowden selbst. Doch brauchen wir diesen Film überhaupt? Gerade wenn es eine gute Doku gibt, die die Geschichte von Stone’sche Sichtweise erzählt? Ehrlich gesagt… nein!

Was nicht heißen soll, dass der Film wirklich schlecht ist, aber er erzählt halt einfach eine Geschichte, die wir schon zur Genüge kennen. Und das auf eine Art und Weise die manchmal etwas ermüdend ist. Ich habe mich die ganze Zeit an „The Big Short“ zurückerinnert, während ich „Snowden“ sah und mir gedacht: „Mensch, das war ein Film, der ein komplexes Thema gut und griffig erklärt hat!“ Bei „Snowden“ war das alles sehr viel schwerfälliger. Was vielleicht auch daran liegt, dass man zwischendurch vom Programmierer-Slang nahezu erschlagen wird. Aber das hat mich noch nicht einmal so wirklich gestört, sondern einfach vielmehr, dass Stone wirklich penibel so ziemlich alle Stationen in Snowdens Leben durchlaufen will. Dadurch zieht sich der Film extrem, zumal die ganze Geschichte mit seiner Freundin Lindsay (Shailene Woodley) irgendwann auch ein wenig genervt hat.

Ja, ich verstehe, dass Stone mir auch den Menschen hinter dem Whistle-Blower zeigen möchte und es war auch interessant zu sehen, dass Snowden erst ein richtiger Vaterlandsverteidiger war, der jede Kritik an dieser großartigen Nation in der Luft zerriss, aber es war einfach zu viel. Zu viel und zu lang. Sich ein bisschen auf das Wesentliche zu konzentrieren, wäre vielleicht interessanter gewesen. Was mich am Ende vielleicht sogar mehr interessiert hätte, wenn Stone die Geschichte aus der Sicht der Journalisten erzählt hätte – und mehr so in die Richtung „Spotlight“ gegangen wäre. Das wäre wenigstens ein etwas neuerer Ansatz gewesen. Aber gut… der Film ist wie er ist: vollgestopft bis zum Rand mit allen wichtigen und weniger wichtigen Momenten aus Snowdens Leben.

Wenn man ja tatsächlich loben kann, muss und sollte, ist Joseph Gordon-Levitt, der sich wahrscheinlich brav „Citizenfour“ eintausend Mal angeschaut hat und Ed Snowden perfekt imitiert. Ob es seine Art ist, wie er spricht, wie er sich bewegt, sitzt, geht, atmet – Gordon-Levitt bringt Snowden wirklich gekonnt zum Leben. Shailene Woodley war mir ein bisschen zu viel und auch die ganze Geschichte mit ihr hat mich irgendwann einfach nur genervt. Darauf hat sich Stone irgendwie zu oft ausgeruht, die Beiden vor die Kamera zu holen – zumal eine Ms. Woodley dann auch gefühlt so spielt als wäre sie in „The Fault in our Stars“ (gut, ich übertreibe vielleicht ein wenig, aber vielleicht auch nicht zu wenig).

Wenn man die Geschichte nicht kennt, ist „Snowden“ wirklich kein schlechter Film. Dann schockiert einen dieser Film, dann fesselt einen vielleicht auch die Geschichte mehr. Für jeden, der das alles ein bisschen intensiver verfolgt hat, ist es ein „netter“ Film, aber auch nicht mehr.

Wertung: 6 von 10 Punkten (die Dokumentation ist dann wohl doch eher zu empfehlen)

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7 Kommentare leave one →
  1. 21. Oktober 2016 12:50

    Ich kann da nur zustimmen! Obwohl ich Citizenfour nicht mal gesehen habe hat sich der Film gezogen. Er war nicht schlecht aber nichts was mir in Erinnerung bleiben wird

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2016 14:11

      Danke. 🙂 ich habe die Doku leider auch nicht gesehen, nach dem Film aber schin mehr Lust drauf.

  2. 21. Oktober 2016 15:55

    Ich hab unter einem Stein geschlafen. Ich kenne „Citizen Four“ nämlich (noch) nicht.

    • donpozuelo permalink*
      21. Oktober 2016 15:57

      Ich kenne die Doku auch nicht.

  3. 24. Oktober 2016 01:22

    Jo… Ich bin ein bisschen positiver gestimmt, mag Woodley auch einfach gerne (und Cage!), aber tendenzielle Zustimmung. Nach „CitizenFour“, der schlicht der bessere Film ist, eher unnötig. Und der Vergleich mit „The Big Short“ ist durchaus angebracht.

    • donpozuelo permalink*
      24. Oktober 2016 06:57

      Cage war super. Das war eine echte Überraschung.

Trackbacks

  1. Filmkritik: Snowden (Gastbeitrag) | Ma-Go Filmtipps

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