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Flitterwochen im Wald

19. Oktober 2016

Klingt jetzt erst einmal nicht so spannend, oder??? Ich dachte immer, wenn man schon Flitterwochen macht, dann muss das irgendwas total außergewöhnliches sein. Aber gut, letztendlich sind das so Gedanken, die ich durch Filme und Serien habe, in denen Flitterwochen immer gar nicht exotisch genug sein können. Aber man muss auch immer ein bisschen ökonomisch denken und da sind Flitterwochen im Wald dann vielleicht auch keine so schlechte Idee…

… finden dann auch Bea (Rose Leslie) und Paul (Harry Treadaway), die in „Honeymoon“ nach ihrer Hochzeit Flitterwochen im Wald machen. Rustikale Hütte, kleiner See in der Nähe und schön isoliert für schöne Stunden der Zweisamkeit. Aber denkste… denn auf einmal beginnt Bea schlafzuwandeln. Als Paul sie verwirrt und orientierungslos im Wald wieder findet, tut sie das noch als Stress ab. Doch Beas komisches Verhalten häuft sich, sie wird abweisender und in sich gekehrter… und so wird Paul immer misstrauischer, was seine neue Frau angeht. Schließlich vermutet er einen ehemaligen Freund aus Beas Kindheit, der, nicht weit vom See entfernt, ein kleines Restaurant führt… und so beginnt die Paranoia zu wachsen.

You know nothing, Frankenstein…

Was passiert, wenn Ygritte aus „Game of Thrones“ und Dr. Frankstein aus „Penny Dreadful“ heiraten? Sie guckt ihn an und sagt: „You know nothing, Frankenstein!“ Brüller, ich weiß. Ein absolut großartiger Witz, aber irgendwie musste ich trotzdem die ganze Zeit bei „Honeymoon“ daran denken. Und so ein bisschen passt es ja auch… denn letztendlich weiß Frankenstein a.k.a Harry Treadaway a.k.a. Paul wirklich nichts. Und wir als Zuschauer können nur so ein bisschen was erahnen. Und da liegt für mich so ein bisschen das Problem an „Honeymoon“ – wohlgemerkt, es ist kein großes Problem, aber es hat mich schon ein bisschen aus der ansonsten schönen Illusion Film gerissen, die „Honeymoon“ ist.

Regie-Debütantin Leigh Janiak, die auch am Drehbuch mitgearbeitet hat, gelingt es eigentlich ganz gut, diese langsam wachsende Paranoia zu porträtieren. Zwar benutzt sie dafür das vielleicht offensichtlichste Mittel überhaupt, aber es ist effektiv genug. Denn während Bea und Paul anfangs noch wie die Karnickel sind, nimmt das immer mehr und mehr ab. Aber es gibt dann des Nachts zwei von einander unabhängige Szene, die jeder, der schon mal einen Mystery-Film oder auch nur eine Folge „Akte X“ gesehen hat, sofort zu interpretieren weiß. Wie gesagt, es ist nur ein kleines Problem… man weiß in „Honeymoon“ einfach sehr schnell, in welche Richtung alles gehen wird – was ich ein bisschen schade fand.

Dennoch, und das möchte ich an dieser Stelle noch einmal deutlich machen, leidet die Spannung nicht darunter. Immerhin hat man nur eine ziemliche genaue Ahnung, was passieren wird, aber nicht wie, warum und wieso… und vielleicht ist das auch wiederum das Clevere, merke ich gerade, während ich so über den Film nachdenke. Schließlich wartet man so nicht auf den großen Twist am Ende, sondern wundert sich vielmehr, wie sich Bea noch verändern wird, was es genau mit ihr auf sich hat. Vielleicht ist ein kleiner Vorab-Spoiler gar nicht so verkehrt, damit man sich nicht zu sehr auf eine Sache versteift und den Rest der Story auch noch wahrnimmt. Von daher gehen wir jetzt einfach mal davon aus, das wurde alles mit voller Absicht gemacht. Dann ist mein Problem mit „Honeymoon“ gar kein Problem, sondern einfach nur ein genialer Kniff, um die Spannung beim Zuschauer noch zu steigern.

Aber das in „Honeymoon“ überhaupt was wirklich gut funktioniert, braucht Janiak gute Darsteller. Immerhin handelt es sich bei „Honeymoon“ mehr oder weniger um ein Kammerspiel für zwei. Auch wenn man mitten in einem großen Wald herumläuft… bleibt der Film sehr minimal, was seine Darsteller angeht. Wer braucht schon groß Anhang bei seinen Flitterwochen? So müssen Rose Leslie und Harry Treadaway die Handlung ganz allein auf ihren zarten Schultern tragen. Was sie mit Bravour hinbekommen… die Chemie zwischen den beiden stimmt. Die verhalten sich wirklich ein bisschen wie ein Paar auf Honeymoon und passen einfach wirklich gut zusammen. Und in Harry Treadaway konnte man sich gerade in seiner verzweifelten Phase, in der die Paranoia steigt, sehr gut reinfinden. Da ist dieser arme Typ und plötzlich driftet seine junge Frau mehr und mehr von ihm ab. Und egal, was er versucht, er kommt einfach nicht mehr zu ihr durch. Leslie verkörpert die sich verändernde Bea auf subtile und doch erschreckende Art und Weise, was aber auch viel damit zusammenhängt, dass man den Film mehr und mehr durch Pauls Augen wahrnimmt und so selbst ein bisschen paranoid wird.

„Honeymoon“ ist ein kleiner, aber feiner Horror-Streifen, der weniger stark auf Horror setzt, sondern vielmehr wirklich seine Charaktere in den Vordergrund stellt… und das man einen gewissen Aspekt der Auflösung schon relativ früh zu Beginn des Films erahnt / errät / weiß, schadet der Spannung in keinster Weise.

Wertung: 8 von 10 Punkten (okay, Flitterwochen im Wald fallen also schon mal aus… sollte es mal dazu kommen)

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2 Kommentare leave one →
  1. 19. Oktober 2016 11:07

    Hat mich irgendwie überzeugt jetzt. Guck ich mir an.

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2016 11:14

      Hahaha… okay. Sehr cool. So soll es sein 😉

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