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Suche und finde!

14. Oktober 2016

Dantes „Göttliche Komödie“ hat mich als Kind unheimlich fasziniert. Aber nicht etwa, weil ich das dicke Epos jemals gelesen hätte… vielmehr habe ich die Graphic Novel dazu gelesen. Wenn ich das dann jetzt mal wegen verzweifelter Wortfindungsprobleme so nennen darf. Mein Vater hatte eine Ausgabe zu Dantes Komödie, in der alle Skizzen des Malers Sandro Botticelli gesammelt waren, die der zu Dantes Epos gezeichnet hat. Und letztendlich war das ein Bildband zu Komödie, in der der Dante erst durchs Inferno wandert (und zwar durch alle 9 Kreise bis hin zu Satan), dann im Purgatory landet und schließlich im Himmel. Die letzten beiden waren für mich als Kind nie besonders aufregend, aber Botticellis Darstellung der Hölle hatte schon eine unglaubliche Faszination auf mich. Dante war morbide, Dante war gruselig, Dante war Horror, bevor ich überhaupt wusste, was Horror wirklich war. Und es war vor allem Horror, der mir erlaubt war, weil es sich hinter hoher Kunst versteckte. Wann immer ich Dante und Inferno höre, werde ich deswegen hellhörig… und das war dann auch der Grund, warum ich zur dritten Dan-Brown-Verfilmung „Inferno“ mit Tom Hanks nur schwerlich „Nein“ sagen konnte.

Zum dritten Mal wird Hanks zu Professor Robert Langdon, dem Mann, der sich besten auskennt mit Symbolen, Geheimschriften, Rästeln und allem, was sonst noch so dazu gehört. Dieses Mal wacht er aber ausgerechnet in einem Krankenhaus auf – mitten in Florenz und kann sich an nichts erinnern. Die junge Ärztin Sienna (Felicity Jones) hilft ihm, als ein Auftragskiller versucht, Langdon im Krankenhaus zu ermorden… und so beginnt die Jagd, eine Jagd nach einem gefährlichen Virus und der einzige Hinweis scheint in einem Gemälde von Sandro Botticelli versteckt zu sein – dem Gemälde von Dantes „Inferno“.

Guck dir das an, voll merkwürdig.

Ich glaube ja, die Zeiten von Dan Brown und Robert Langdon sind so langsam wirklich vorbei. Mehr als den Hype des einstigen „Da Vinci Code“ hat Brown letztendlich auch nicht vorzuweisen. „The Lost Symbol“ war ein müder Abklatsch, alles mal in den USA spielen zu lassen. Scheint aber nicht so gut angekommen zu sein (dazu gab’s leider keinen Film), weswegen der vierte Langdon-Roman dann wieder nach Europa verlegt wurde. Ich muss gestehen, dass ich das Buch schon sehr schwerfällig und eintönig fand. So richtig wollte da nie Spannung aufkommen. Das Einzige, womit Brown ein bisschen punkten konnte, war ein heftiger Schurke (hier gespielt von Ben Foster), der sich in den Kopf gesetzt hat, das sechste Aussterben herbeizurufen (ich musste dabei sofort an „Akte X“ denken, da wird das ja auch immer wieder zum Ende hin thematisiert). Der Mensch ist des Menschen Feind. Wir werden einfach zu viele Menschen, deswegen müssen alle sterben. So wie einst die Pest Europa dezimierte und daraus dann letztendlich die Renaissance entsprang, erhofft man sich das auch hier.

Ich kann und darf das alles so sagen, weil es so im Trailer vorkommt. Für das Buch an sich wären das jetzt schon die schlimmsten Spoiler, für den Film reicht da ein Blick in den Trailer und man weiß schon alles. Aber Spoiler hin oder her, ist auch egal – denn in einer Hinsicht bleibt Regisseur Ron Howard dem Buch von Brown treu: Viel Aufregung und Spannung gibt’s nicht. Sogar eher das Gegenteil ist der Fall.

Howard will hier eigentlich einen „Abenteuerfilm“ inszenieren: Suche Hinweis A, entschlüssele ihn, um zu Hinweis B zu gelangen, etc. Das führt dann am besten quer durch die Stadt, das Land oder die Welt (siehe die Indy-Filme) und es kommt ein guter Film dabei raus – vorausgesetzt, das Entschlüsseln ist nicht zu leicht, zwischendurch gibt’s ein bisschen Action und gute Charaktere. Zu finden ist davon in „Inferno“ nicht ein bisschen.

Kaum sind unsere Protagonisten irgendwo angekommen, wird gefühlt zwei Sekunden gesucht, der Hinweis gefunden und in einem Sekundenbruchteil auch schon entschlüsselt und auf geht’s zum nächsten Hinweis. „Inferno“ fehlt einfach komplett der Abenteuer-Aspekt. Die Verzweiflung, den Code nicht rechtzeitig zu entschlüsseln. Selbst ein Robert Langdon mit Gedächtnisverlust ist im Film immer noch schlauer als dreißig gesunde und normale Professoren. Das schadet der Spannung, der Hetzjagd, dem Rätselraten. „Inferno“ ist ein bisschen schnell runtergerasseltes Wikipedia-Wissen zum Thema Dante, Florenz und unserer Entwicklung als Menschheit und fertig.

Dazwischen werden ein paar Action-Sequenzen eingelegt, die aber eher müde und langsam wirken – eben genau so wie Tom Hanks, der eindeutig langsam zu alt für diesen Scheiß wird. Hanks wirkt müde und platt und hinkt der Story mühsam hinterher. Felicity Jones, von der ich mir noch sehr viel für „Rogue One“ verspreche, tappst ebenso belanglos neben ihm her und ist einmal mehr die nette Dame an Hanks Seite. Jetzt waren ja schon die Vorgänger wie „Da Vinci Code“ oder „Illuminati“ keine großartigen Meisterwerke, aber sie waren wenigstens noch halbwegs interessant anzuschauen. „Inferno“ hat nichts mehr von dem… und wirkt wie der Abgesang auf Dan Brown, seine Schnitzeljagden und Tom Hanks als kleinerer Indy-Ersatz.

Wertung: 4 von 10 Punkten (müde Schnitzeljagd mit müdem Tom Hanks)

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4 Kommentare leave one →
  1. 14. Oktober 2016 17:05

    Tja schade, obwohl das Rätsel finden, sofort lösen und zack weiter ja auch schon im ersten Teil so war. Also dann nicht im Kino, sondern mal für einen netten Bügelnachmittag :))

    • donpozuelo permalink*
      16. Oktober 2016 09:25

      Haha… ja, das ist auf jeden Fall eher ein Film für den Bügelnachmittag.

      Und du hast schon Recht, das Rätsel-Raten fiel immer ein bisschen kurz, aber hier hatte ich besonders das Gefühl, dass es alles zu schnell ging.

  2. 19. Oktober 2016 18:23

    Das stelle ich mir wie einen Action/Abenteuer/Rätsel-Abklatsch nach Schema F vor. Die anderen beiden Teile und die Bücher fand ich auch schon nicht besonders. Irgendwann vor Jahren habe ich auch aufgehört Dan Brown zu lesen, weil mir die Pseudo-Verschwörungen zuviel wurden und das Strickmuster zu billig. Der Mörder/Übeltäter ist doch meistens jemand der entweder Landgon nahe steht oder seiner (zumeist) weiblichen Helferin.

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2016 21:45

      Ja. Dan Brown schreibt nicht besonders aufregend… und ja, der Film ist sehr Schema F. Da gibt’s bessere.

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