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Im Wald nix Neues!

10. Oktober 2016

Ich sage es lieber gleich noch einmal zu Beginn: Ich war nie ein Fan von „The Blair Witch Project“. Was aber auch einfach daran lag, dass ich den Film lange nach dem großen Hype gesehen habe und Found Footage eh nie so mein Ding war. Tja, und nun kommt auf einmal so mitten aus dem Nichts ein zweiter Teil, der ein richtiger offizieller zweiter Teil werden soll (nicht so wie „Blair Witch 2: Book of Shadows“, der ja sogar fast komplett auf die Wackelkamera verzichtete). Aber scheinbar hatten die Macher irgendwie ein bisschen Angst davor, ihre Wackelkamera-Fortsetzung in die Kinos zu bringen. Weswegen „Blair Witch“ lange Zeit nur „The Woods“ hieß. Und als der Film noch „The Woods“ hieß, hatte ich sogar richtig Lust auf den Film. Doch dann wurde das Ding mal eben „Blair Witch“ genannt und war dann die Fortsetzung zu „The Blair Witch Project“.

Im Internet sieht James Donahue (James Allen McCune) ein Video, das angeblich seine Schwester Heather zeigt, die ja angeblich auf der Suche nach der Hexe von Blair verschwunden sein soll. Also kontaktiert James denjenigen, der das Video online gestellt hat und reist mit seiner besten Freundin Lisa (Callie Hernandez), die natürlich zufällig gerade ein Dokumentation für ihren Filmkurs drehen muss, und dem Pärchen Peter (Brandon Scott) und Ashley (Corbin Reid) in die Wälder von Burkittsville, um dort das ominöse Haus (das wir ja alle vom Ende des ersten Blair-Witch-Films kennen) und vielleicht sogar seine Schwester zu finden.

Kein Geschmack für Kunst… diese Banausen

Ich habe eigentlich genau eine gute Sache zur Fortsetzung zu sagen: Und die bezieht sich auch nur auf die Art und Weise, wie ich diesen Film gesehen habe. Ich war nämlich auch so eine Art Special-Screening eingeladen, wo der Film auf dem Berliner Teufelsberg gezeigt wurde. Das ist eine ehemalige Abhörstation der Amerikaner aus dem Kalten Krieg, die ein bisschen außerhalb von Berlin auf einem Berg (eben dem Teufelsberg) thront. Dort mussten wir erst durch halbdunkle Flure laufen, in denen die bekannten Handabdrücke auf den Wänden zu sehen waren, diese komischen Voodoo-ähnlichen Holzmännchen von der Decke hingen und aus Lautsprechern unheimliche Geräusche kamen. Hatte man diesen Weg hinter sich gebracht, gelangte man dann zu einem großem Raum, der nach außen hin keine Wände hatte, sodass der Wind immer schön durch rauschen konnte. Mit passendem Ambi-Light zum Film, das ordentlich flimmerte und flackerte, war die Atmosphäre für einen guten Horrorfilm nahezu perfekt.

Gruseliger als der Film an sich…

Vorausgesetzt, man hätte dann auch einen guten Horrorfilm zu sehen bekommen. Nur „Blair Witch“ ist alles andere als gut. Und bevor jemand behauptet, das liegt nur daran, dass ich das Original nicht mochte: Zwei meiner Freunde, die das Original sehr mögen, stiefelten auch eher ziemlich gelangweilt und enttäuscht aus „Blair Witch“.

Wie meine Überschrift schon verrät, passiert nicht wirklich viel Neues. Ich hatte ja irgendwie gehofft, dass sie in Teil 2 schneller dieses Haus finden und sich die Geschichte daran dann mehr orientieren würde. Leider macht Regisseur Adam Wingard es nicht so, sondern eigentlich genau so wie der erste „Blair Witch“-Film: erst durch den Wald wandern, dann Geräusche hören, dann die Holzmännchen finden, dann Panik schieben, dann wild durch den Wald rennen und erst zum Schluss das Haus finden. Letztendlich ist „Blair Witch“ also fast mehr eine Art Remake, dass den ersten Film nahezu Eins zu Eins nachmacht – nur halt noch gelangweilter.

Den Schauspielern aus dem ersten Film hat man irgendwann wenigstens noch abgekauft, dass sie Angst hatten (und wenn man sich die Geschichten zu den Dreharbeiten durchliest, weiß man auch warum). Hier streifen einfach nur dumme Menschen dumm durch den Wald und liefern uns in Zeiten, wo selbst mein Telefon geile und scharfe HD-Aufnahmen abliefert, immer noch körniges und verwackeltes Material. Ich habe nie verstanden, wie durch verwackelte Kamera-Bilder mein Kopfkino eingeschaltet werden soll… und Wingard übertreibt das auch gnadenlos. „The Blair Witch Project“ hatte wenigstens noch Atmosphäre, da hatte dieser Wald wenigstens noch irgendwas Unheimliches… in „Blair Witch“ ist man schnell gelangweilt.

Selbst die Neuerungen, die Wingard in „Blair Witch“ macht, sind merkwürdig. Zum einen führt er komische Zeitsprünge ein: Da wird James‘ Gruppe von zwei Mitglieder getrennt, auf die sie dann Stunden später wieder treffen – nur das für die Zwei ganze fünf Tage vergangen sind. Irgendwie zwar eine nette Idee, die aber auch nicht weiter verfolgt wird. Interessant wird es dann später, wenn die kleine Gruppe tatsächlich beim Haus ankommt, aber hier weiß man dann auch nicht, was man von dem Gesehenen halten soll: erst gibt’s UFO-ähnliche Lichter von Draußen, dann sehen wir sogar kurz irgendwas, was aussieht wie das Ding aus „[REC]“ und das war’s…

„Blair Witch“ ist leider nichts Halbes und nichts Ganzes. Es ist zwar irgendwo eine vielleicht passendere Fortsetzung aus „Blair Witch 2“, aber auch nur wegen der Wackelkamera und dem ganzen Kram. Ansonsten nerven die Charaktere und die Ideenlosigkeit des Films, der einfach nur den ersten lauwarm aufbrüht und hofft, die Fans werden es mögen. Schade…

Wertung: 2 von 10 Punkten (dann wirklich lieber beim ersten Teil bleiben)

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11 Kommentare leave one →
  1. 10. Oktober 2016 19:20

    Toller Film!

    • donpozuelo permalink*
      10. Oktober 2016 20:24

      Fand ich jetzt nicht. War einfach zu sehr ne schlechte Kopie vom ersten Film.

  2. 11. Oktober 2016 21:59

    Awwww das Erlebnis ringsrum klingt schon nicht übel. Scheinbar war es besser als der Film :-/ Was muss man tun um zu einem special screening zu kommen?
    Ich fand den ersten Film nicht übel, aber ich glaube auch nicht, dass die Welt die Fortsetzung gebracht hat (habe ihn allerdings noch nicht gesehen).

    • donpozuelo permalink*
      11. Oktober 2016 22:07

      Ich wurde da eingeladen. Wie das anders geht, weiß ich auch nicht. Aber ja, das Erlebnis war echt cool. Der Film halt leider gar nicht. Ich hatte zwar keine großen Erwartungen, aber ein bisschen mehr hätte es schon sein können

  3. 13. Oktober 2016 17:13

    „als der Film noch „The Woods“ hieß, hatte ich sogar richtig Lust…“ hahaha ich auch!
    Ich fand die Trailer genauso öde wie beim ersten Teil. Es muss ja nicht unbedingt irgendwas mit Special Effects passieren, um einen Streifen gruselig zu gestalten (ist aber besser :)) ), aber dann muss wenigstens ein gutes Drehbuch plus Darsteller her, ich denke da an „the Witch“ wenig Trara, aber tolles Ergebnis.

    • donpozuelo permalink*
      13. Oktober 2016 23:00

      Da bin ich ja froh, dass es nicht nur mir so ging. Ja, ein gutes Drehbuch wäre für „Blair Witch“ schon sehr von Vorteil gewesen. Zumal sie alle Möglichkeiten hatten, sowohl dem Original treu zu bleiben, als auch etwas Neues zu machen. Aber nichts davon haben sie gemacht… und so ist es echt ein ziemlich doofer Film geworden.

  4. 20. Oktober 2016 21:32

    Von diesem Film hatte ich nichts anderes erwartet. Aber sag mal, in letzter Zeit hast du vermehrt schlechte Filme gesehen, wenn ich mir deine Wertungen so ansehe. Wie wäre es da mal wieder mit einem… sagen wir… „Drive“? Da liegt doch bestimmt irgendwo die Blu-ray rum. *zwinker* lol

    • donpozuelo permalink*
      20. Oktober 2016 21:49

      Haha… ja. Da hast du nicht ganz Unrecht. Sollte ich wirklich mal wieder machen…

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