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Das Lied der Selkie

28. September 2016

Seit gefühlten Ewigkeiten versuche ich nun schon, meinen Beitrag zu Tomm Moores „Song of the Sea“ zu schreiben und seit gefühlten Ewigkeiten will mir nicht einfallen, wie ich anfangen soll – weswegen ich halt wieder damit anfange, wie schwer es ist, eine gelungene Einleitung zu schreiben. Erst wollte ich darüber schreiben, wie sehr ich als Kind alte Sagen und Legenden verschlungen habe. Nur wirklich viel hängen geblieben ist davon nichts mehr. Dann wollte ich ganz schwärmerisch über den Animationsfilm als Kunstform sprechen, die in den richtigen Händen einfach nur magisch sein kann. Aber das war mir dann auf der einen Seite fast schon zu theatralisch, auf der anderen Seite nicht zauberhaft genug. Deswegen fasele ich jetzt hier so einen Kram, der als Einleitung reichen muss… denn letztendlich ist „Song of the Sea“ ein Film, der keine Einleitung braucht. Letztendlich ist „Song of the Sea“ auch ein Film, der keine großen Worte braucht. Nur den Hinweis: SCHAUT EUCH DIESEN FILM EINFACH AN!

Ich bin ja schon ein großer Fan von „The Secret of Kells“, der mir damals von dem sich heute leider im Blogger-Ruhestand befindlichen maloney vorgestellt wurde. „The Secret of Kells“ ist schon ein einzigartiger, traumhafter Film, der mit einer unglaublich schönen Bildsprache, einer bezaubernden Geschichte und tollen Charakteren daher kommt. Da fragt man sich natürlich schon ein bisschen zu recht, wie viel Druck auf einem Tomm Moore da wohl gelastet haben muss, „Kells“ einen weiteren Film folgen zu lassen.

Aber was soll ich sagen? Wenn „The Secret of Kells“ von mir schon zehn Punkte bekommen hat, müsste „Song of the Sea“ eigentlich 12 Punkte von mir bekommen (ja, Spoiler, ich liebe diesen Film!!!). Darin erzählt Moore die Geschichte des Jungen Ben und dessen jüngerer Schwester Saoirse. Nach dem die Mutter nach der Geburt von Saoirse verschwindet, wachsen die Geschwister nur mit ihrem Vater Conor auf der kleinen Leuchtturminsel mitten im Meer auf. Weil Saoirse mit sechs Jahren immer noch nicht spricht, meint die Oma plötzlich, beide Kinder müssen in die Stadt. Was keine gute Idee ist, denn Ben muss lernen, dass seine Schwester eine Selkie ist – ein magisches Wesen, das sich in eine Robbe verwandeln kann. Und als Selkie kann nur Saoirse den anderen magischen Wesen helfen, dem Fluch der Göttin Macha zu entkommen. Doch dafür braucht Saoirse nicht nur ihr Robben-Fell, sondern muss auch das Lied der Selkie erlernen.

Stillleben mit Füchsen

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll??? Es ist einmal mehr unglaublich, wie viel Liebe und Liebe zum Detail in den einzelnen Bildern steckt. Es ist, als würde man ein verzaubertes Bilderbuch aufschlagen und die Bilder würden anfangen, von selbst eine Geschichte zu erzählen. „Song of the Sea“ hat einen ähnlichen Stil wie „Secret of Kells“, aber irgendwie haben es Moore und sein Team geschafft, noch eine Schippe drauf zu legen. Der Film liefert ein unglaublich tolles Farbspiel ab, selbst ohne Worte gibt jedes einzelne Bild perfekt die momentane Stimmung wieder. Die einzelnen Motive sind unglaublich detailliert – man könnte jede Sekunde auf Pause drücken und sich dann immer noch nicht genug satt sehen.

Aber Optik allein reicht natürlich nicht aus. Nur muss man sich bei „Song of the Sea“ keine Sorge machen. Auch die Geschichte der beiden Kinder ist umwerfend. Moore geht sehr liebevoll mit seinen beiden Protagonisten um, lässt sie Höhen und Tiefen gefühlvoll und sacht durchleben. Zu jeder Sekunde fühlen und fiebern wir mit diesen beiden Kindern mit. Man versteht den verletzten Stolz des jungen Ben, der seine Schwester für das Verschwinden (den Tod) seiner Mutter verantwortlich macht und man kann nicht umhin, diese kleine, zauberhafte Saoirse einfach nur zu lieben, die die vollkommene Unschuld in Person ist. Diese Beiden führen uns dann durch diesen Film und eine Welt voller Fabelwesen, voller faszinierender und interessanter Charaktere, von denen man noch so viel mehr eigentlich wissen möchte.

Irgendwann kam für mich in diesem Film der Zeitpunkt, da wollte ich, dass der Film nie aufhört. Ich wollte weiter in dieser faszinierenden Welt bleiben, weiter dem wunderbaren Soundtrack lauschen, der die Bilder so sanft umhüllt wie das Meer die kleine Insel mit dem Leuchtturm. Ich wollte weiter bei diesen Charakteren bleiben und mehr über sie wissen – die guten wie die weniger guten. Zumal Moore hier keinen wirklichen Bösewicht hat, denn selbst die vermeintlich böse Macha hat ihre Gründe, warum sie ist, wie sie ist.

Alles an „Song of the Sea“ ist einfach nur traumhaft. Moore beweist sich hier noch viel mehr als grandioser Geschichtenerzähler. „Song of the Sea“ erzählt auf manchmal sehr traurige, aber dann doch auch immer sehr positive Art und Weise, dass Loslassen nicht immer etwas Schlimmes bedeuten muss. Selbst in der tiefsten Trauer in diesem Film schwingt noch so viel Harmonie mit, dass man weiß, dass die Tränen gut sind, befreiend sind – sowohl für unsere „Helden“ als auch für uns selbsst. „Song of the Sea“ ist ein Traum von einem Film… mehr muss man dazu eigentlich wirklich nicht sagen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (plus halt zwei Extrapunkte fürs Einfach-nur-perfekt-sein)

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6 Kommentare leave one →
  1. 1. Oktober 2016 02:45

    Liebe. Einfach nur Liebe. Ich meine ich habe im Kino nach nicht einmal einer Minute heulend dagesessen einfach weil er so unglaublich schön gezeichnet ist. Dann die Geschichte, die Musik. Jeder, der dem Film nicht 12 von 10 Punkten gibt, hat wahrlich kein Herz und sollte notgeschlachtet werden. ❤

    • donpozuelo permalink*
      1. Oktober 2016 08:21

      Muss ich jetzt notgeschlachtet werden? 🙂

      Ich hätte den Film so gern im Kino gesehen.

      Er ist wirklich einfach nur wunderschön… in jeder Hinsicht.

    • donpozuelo permalink*
      1. Oktober 2016 08:23

      Ich seh ja gerade, ich muss nicht notgeschlachtet werden… tja, wenn man seine eigenen Lobpreisungen nicht mehr kennt 😀

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  1. Blogparade: My 100 greatest films of the 21st century… so far | Going To The Movies

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