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Igor und Victor

26. September 2016

Viktor Frankenstein hatte es in letzter Zeit auch nicht besonders leicht. Da bietet er sich nun eigentlich schon immer noch perfekt als Figur für Film und Fernsehen an, doch leider wird man ihm gerade beim Film nicht immer so gerecht. Im Fernsehen – zuletzt in „Penny Dreadful“ – schon noch, aber der Film war zu Frankenstein und seinem Monster nicht nett. Ich erinnere mich nur dumpf an dieses merkwürdige Etwas namens „I, Frankenstein“, bei dem es mir schon beim Trailer kalt den Rücken herunterlief. Frankenstein (oder war es sein Monster???) als Fantasy-Action-Held??? Uff… ich weiß ja nicht. Doch es gab ja noch einen vermeintlichen Hoffnungsschimmer, als vor nicht allzu langer Zeit „Victor Frankenstein“ mit James McAvoy und Daniel Radcliffe in die Kinos kam.

„Victor Frankenstein“ verzichtet auf Fantasy-Kram und will die Geschichte mal aus einem ganz anderen Blickwinkel erzählen – nämlich aus der Sicht von Frankensteins treuem Diener Igor, hier gespielt von Radcliffe. Frankenstein (McAvoy) findet den Buckeligen in einem Zirkus, befreit ihn von seinem Buckel, zieht ihm ordentliche Kleider an und macht einen richtigen Menschen aus ihm, der ihm helfen soll, seine Experimente durchzuführen (die dann später zum bekannten Monster führen werden). Doch Frankensteins Leichenfledderei bleibt nicht unbemerkt und schon bald ist ihm Polizeiinspektor Roderick Turpin (Andrew Scott) auf den Fersen, während Igor zunehmend Gefallen am Leben als normalem Mensch findet – unter anderem Dank der jungen Lorelei (Jessica Brown Findlay).

Ich hab dir doch gesagt, ich kenne keinen Harry Potter

Regisseur Paul McGuigan hat so wunderbare Filme gedreht wie „Lucky Number Slevin“ und den, wie ich finde, unterschätzten X-Men-Abklatsch „Push“ (wobei Abklatsch jetzt auch viel zu hart klingt). Der gute Mann kann also eigentlich was… und wollte wohl mit „Victor Frankenstein“ den angestaubten Mythos ähnlich frisch beleben wie einst Guy Ritchie „Sherlock Holmes“. Der Film versetzt uns in ein England des Steampunk, in dem ein Victor Frankenstein die Forschung schon extrem vorangebracht hat, ohne dabei zu einem verschrumpelten alten und langweiligen Professor zu werden. Vielmehr wird er uns gleich in der ersten Szene, in der er Igor befreit, als echter Haudegen vorgestellt, der sein Wissen über die Anatomie des Menschen ähnlich präzise für den Kampf einsetzen kann wie Sherlock Holmes seine merkwürdigen Zeitlupen-Voraussagen.

Allerdings verschwindet dieses Element dann auch recht schnell wieder, da es ja eher um Igor geht. Und der darf dann diese neue wunderbare und erschreckende Welt für sich entdecken. Mit all ihren Höhen und Tiefen. So richtig hat man bei „Victor Frankenstein“ das Gefühl, dass die Macher nicht so recht wussten, was sie jetzt eigentlich machen wollen: Komödie, Action, Drama… oder doch noch ein bisschen Horror? Die ganze Geschichte fühlt sich unausgeglichen, springt immer wieder von einer Sache zur nächsten. Die ganze Jagd der Polizei nach Frankenstein kommt nur schwer in Gang; Igors Liebesgeschichte fühlt sich auch arg erzwungen an und die verschiedenen neuen Kreationen des Frankenstein fügen dem Ganzen so gewollt einen Horror-Faktor hinzu, der gar nicht unbedingt notgetan hätte.

Ich finde die Idee, die Geschichte aus der Sicht von Igor zu erzählen, eigentlich ziemlich spannend, nur hätte man sich dann wirklich darauf konzentrieren müssen. Was McGuigan jetzt macht, ist halt der Versuch, alles zu bedienen… und daran scheitert das Ganze dann leider auch.

Woran es nicht scheitert, ist die wunderbare Chemie zwischen McAvoy und Radcliffe. Ich meine, McAvoy könnte einen Sack Kartoffeln spielen und wäre immer noch unheimlich charismatisch, faszinierend und interessant. Ich mag den Mann einfach. Und als Heißsporn Frankenstein funktioniert er auch bestens – auch im Einklang mit Radcliffe, der hier ebenfalls sehr gut ist… und gefühlt alles betrachtet wie ein Kleinkind, das zum ersten Mal die große Welt zu sehen bekommt. Wenn man diesen beiden jetzt noch eine wirklich gute Story auf den Leib geschneidert hätte, hätte dieser Film ein absoluter Traum werden können. So sind die Darsteller und das Setting zwar ziemlich cool, aber dieser Mix aus Drama, Action und Horror will nie so richtig Funken schlagen.

Wertung: 5 von 10 Punkten (warten wir also weiter auf einen vernünftigen modernen Kino-Frankenstein)

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5 Kommentare leave one →
  1. 27. September 2016 14:05

    Stimme Dir in weiten Teilen zu. Der Film hatte gute Ideen, war aber zu aufgesetzt. Hier mal meine Meinung im Detail: http://filmaffe.de/review-victor-frankenstein-2016/

    • donpozuelo permalink*
      27. September 2016 14:35

      Ja… es waren wirklich coole Ideen dabei. Und es hätte auch ein echt guter Film werden können. Aber naja… immerhin mochte ich Radcliffe und McAvoy

      • 27. September 2016 14:38

        Ich fand die beiden auch gut. Sogar noch besser als Robert Downey Jr. und Jude Law in ihren Detektivrollen. 😉

        • donpozuelo permalink*
          27. September 2016 14:41

          Da kann ich dir ohne langes Nachdenken sofort zustimmen. Die beiden waren wirkluch ziemlich gut… allein dafür könnten sie gerne eine Fortsetzung drehen, was ja nicht passieren wird.

Trackbacks

  1. Das Biest kommt! | Going To The Movies

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