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Wer tötete Danny Latimer?

23. September 2016

Ich bin ja wirklich kein sonderlich großer Krimi-Fan. Vor allem kein Fan von Krimi-Serien. „The Fall“ mit Gillian Anderson und Jamie Dornan war jetzt seit langem mal wieder etwas, das in die Richtung geht. Aber ansonsten scheue ich mich vor dieser Flut an Krimi-Serien – egal, ob nun all die CSIs, Law and Orders und was es nicht alles für Quatsch aus den USA gibt, bei dem ich mich immer noch verwundert frage, warum diese Serien überhaupt noch existieren oder die ganzen Krimi-Serien aus Skandinavien, die ja scheinbar an all die Fans der Bücher gehen (zu denen meine Mutter auch zählt, die unzählige dieser „Nord-Krimis“ im Regal zu stehen hat). Bei all dem Gefasel über Dinge, die ich nicht schaue, erstaunt es mich dann immer wieder, wenn ich doch mal eine Krimi-Serie finde, von der ich nicht genug bekomme. Und nach „The Fall“ kommt mein zweiter Serien-Liebling natürlich auch von der Insel, die seit neuestem nur noch unter dem Hashtag Brexit zu finden ist. Die Rede ist von „Broadchurch“.

Darin geht es um das, was schon im Titel steht: Der Junge Danny Latimer wird tot am Fuß eines steilen Kliffs in der Nähe des kleinen, beschaulichen, englischen Dörfchens Broadchurch gefunden. Ziemlich schnell kann die Polizei jedoch Selbstmord oder einen Unfall ausschließen… und sucht nun verzweifelt den Mörder in dieser kleinen Gemeinschaft. Polizistin Ellie Miller (Olivia Colman) und ihr Vorgesetzter Alec Hardy (David Tennant) ermitteln.

Ermittelnde Ermittlern ermitteln

Die wichtigste Frage ist bei einer klassischen Krimi-Serie natürlich immer: „Wer ist der Mörder?“ Und dieser Frage geht „Broadchurch“ auch von Minute Eins aus gekonnt nach. Wir haben unsere Leiche und im großen Finale erfahren wir dann, wer der Mörder ist. Doch wie in so vielen Dingen ist der Weg zum Ziel das Interessante an dieser Sache… und den Weg, den „Broadchurch“ beschreitet, ist unglaublich spannend. Auf der einen Seite geht es natürlich darum, uns als Zuschauer mit allen Menschen vertraut zu machen, damit wir miträtseln können, wer vielleicht der Täter ist. Manchmal liefert „Broadchurch“ dafür sehr offensichtliche Verdächtige, bewahrt aber die wahre Identität gekonnt bis zum Schluss. Trotzdem ist allein schon dieses Rätsel-Raten einfach nur großartig. Denn schließlich haben wir es hier auch noch mit einer kleinen Gemeinde zu tun, in der gefühlt jeder jeden kennt, jeder mit jedem befreundet ist… und doch jeder der Täter sein könnte. Eine Tatsache, die das Finden von Verdächtigen nicht leicht macht.

Gleichzeitig ist das auch der andere Grund, warum der Weg zum Mörder in „Broadchurch“ so spannend ist. Neben dem whodunit, das ja jeden guten Krimi vorantreibt, hat die Serie noch den sehr menschlichen Faktor. Wie geht diese Gemeinde mit dieser ungewöhnlichen Situation um? Und gerade hier entfaltet „Broadchurch“ seine eigentliche Faszination, denn es sind die menschlichen Geschichten, die immer wieder extrem schocken.

Gut, ich muss auch zugeben, dass die Serie bei einigen Charakteren sehr krasse Hintergrundgeschichten erfindet, die natürlich die Dramatik der ganzen Situation enorm in die Höhe treiben, aber auch immer ein bisschen zu erzwungen drastisch wirken (wenn man jetzt mal ein kleines bisschen meckern möchte). Trotzdem nutzen die Macher sie gut, um die Stimmung in dem Dorf aufzuputschen. Da werden dann erst die Medien zu bösartigen, wilden Monstern, die wiederum die normalen Menschen dazu bringen, durchzudrehen. Halt das übliche Prozedere, wenn es darum geht, Schlagzeilen zu machen und die Wut und Trauer der Menschen auszukosten. Mehr und mehr wird aus diesem beschaulichen kleinen Dorf Broadchurch ein unheimlicher Ort… was zu Beginn noch beschaulich wirkte, wird mehr und mehr ein Ort voller Menschen mit Geheimnissen.

Aber das ist natürlich auch noch nicht alles… denn neben Whodunit und menschlichem Verfall (klingt ein bisschen zu hart, aber ich belasse es jetzt dabei) lebt „Broadchurch“ von seinen Darstellern, die alle wirklich perfekt besetzt sind und dieses Auf und Ab aus Trauer, Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit wunderbar darstellen – hierbei besonders natürlich die Darsteller der Latimer-Familie, die halt wirklich alle Emotionen durchlaufen.

Am interessantesten ist jedoch unser Ermittler-Pärchen Olivia Colman und David Tennant. Er stammt nicht aus dem Dorf, sie lebt dort schon immer. Eine perfekte Konstellation, die den Machern und auch den Darstellern viel Raum bietet. Es ist unglaublich faszinierend, Colman dabei zu zusehen, wie sie mehr und mehr ihren Glauben an ihre eigenen Leute verliert. Anfangs nimmt sie sie noch alle in Schutz, am Ende weiß sie selbst nicht mehr, was sie denken soll. Colman ist unglaublich gut und liefert Tennant ein starken Gegenpol. Der spielt den gequälten Pessimisten, der einst einen Fall nicht aufklären konnte und nun alles daran setzt, jetzt alles richtig zu machen. Er ist der, der von außen auf dieses Dorf blickt und alle zu seinen Verdächtigen macht. Die Chemie zwischen Colman und Tennant ist, was „Broadchurch“ so gut macht. Die beiden funktionieren bestens mit einander…

Das Finale haut einen dann komplett aus den Socken und katapultiert „Broadchurch“ definitiv zu den sehr empfehlenswerten Serien. Staffel 1 habe ich innerhalb von zwei Tagen durchgeguckt und war begeistert. Bleibt für mich nur die Frage, ob Staffel 2 dem folgen kann.

Wertung: 9 von 10 Punkten (mal wieder der Beweis, dass britische Serien wirklich großartig sind)

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11 Kommentare leave one →
  1. 23. September 2016 08:08

    Oh ja, eine der besten Krimiserien der letzten Jahre! Und Tennant war in der Rolle ja so gut, dass er im US-Remake Gracepoint die Rolle gleich nochmal spielen durfte.

    Staffel 2 kommt da nicht ran, ist aber auf jeden Fall auch noch schaubar.

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2016 17:07

      Ach, es gibt ein US-Remake? Natürlich gibt es ein US-Remake. Was frage ich eigentlich noch? Aber interessant, dass Tennant da auch mitspielt.

      Staffel 2 fand ich, ehrlich gesagt, richtig schlimm. Vollkommen unnötig.

  2. 23. September 2016 15:26

    Sag ich doch, eine tolle Miniserie mit zwei richtig tollen Hauptdarstellern 🙂

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2016 17:08

      Oh ja… ich wünschte nur, es wäre bei der Miniserie geblieben. Die Fortsetzung mit Staffel 2 war überflüssig

  3. 23. September 2016 18:27

    Das ist eine der fantastischsten Serien, die ich je gesehen habe!

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2016 17:08

      Absolut richtig. Verdammt gut.

  4. 24. September 2016 17:03

    Die Serie fand ich auch ganz großartig! Wobei ich bisher auch nur die erste Staffel gesehen habe. Und es ist sogar so, dass ich mich hier (und bei ein paar anderen Serien) frage: wozu brauche ich die 2? Es muss ca. ein Jahr her sein, dass ich Broadchurch gesehen habe, aber ich hatte nicht einmal das Bedürfnis die zweite Staffel zu schauen.
    Eine zweite Staffel braucht man hier irgendwie nicht…

    • donpozuelo permalink*
      24. September 2016 17:10

      Die Kritik zur zweiten Staffel kommt nächste Woche. Aber die enttäuschte mich extrem. Vollkommen unnötig, überflüssig und blöd. Damit machen sie mehr kaputt als alles andere. Bleib lieber bei der großartigen ersten Staffel.

      • 24. September 2016 17:24

        Ok … zwei Sachen …
        1. Du bist aber schnell! (Also im Serien schauen)
        Und
        2. Ich habs gewusst! Ich habs gewusst! Keiner braucht eine zweite Staffel von Broadchurch…

        • donpozuelo permalink*
          24. September 2016 17:32

          1. Ja. Bei manchen Serrien schon.
          2. Ja. Die hat wirklich keiner gebraucht.

Trackbacks

  1. Nicht schuldig! | Going To The Movies

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