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Das letzte Saubermachen?

21. September 2016

Es ist schon beeindruckend, wie wenig die „Purge“-Reihe bisher gekostet hat und wie viel jeder einzelne Film am Ende eingespielt hat. Der erste Film, der ja noch mehr Home-Invasion-Thriller als alles andere war, kostete knapp drei Millionen Dollar und spielte (wenn man Wikipedia als Quelle jetzt mal vertrauen darf, was man ja eigentlich nie tun sollte) rund 90 Millionen Dollar weltweit ein. Teil 2, der dann tatsächlich das nächtliche Morden, das von der Regierung für 12 Stunden gestattet ist, auf den Straßen der Stadt zeigte, stand seinem Vorgänger in Nichts nach: Neun Millionen Dollar Ausgaben, knapp 111 Millionen Einnahmen. Man möchte also fast meinen, dass die Zuschauer mehr als nur ihren Spaß daran hatten, möglicherweise ihre mörderischen Gelüste auf der Leinwand ausgelebt zu sehen. Weswegen es natürlich niemanden verwundert, dass es einen dritten Teil geben musste, der auch nur knapp 10 Millionen Dollar gekostet hat und im Moment weltweit schon rund 105 Millionen Dollar eingefahren hat. Damit dürfte ja wohl eigentlich klar sein, dass „Purge 3: Election Year“ nicht wirklich das letzte Saubermachen gewesen sein wird.

Eigentlich muss man zur Handlung nicht wirklich viel sagen – außer vielleicht, dass der dritte Teil jetzt sehr politisch geworden ist. Senatorin Charlie Roan (Elizabeth Mitchell) überlebte als junges Mädchen die Purge an ihrer Familie und setzt seit dem alles daran, der Mordnacht ein Ende zu bereiten. Da sie in der kommenden Wahl durchaus Chancen auf die Präsidentschaft hat, muss sie sich in der kommenden Purge-Nacht natürlich besonders beschützen. Wozu sie einen alten Bekannten aus Teil 2 als Sicherheitschef engagiert hat: Leo Barnes (Frank Grillo) ist wieder da. Und als die Senatorin hintergangen wird, muss er sie um jeden Preis beschützen. Doch zum Glück ist er nicht allein, denn ein Untergrund gegen die Purge eilt ihr zur Hilfe.

Spazierengehen war doch keine gute Idee

Man kann ja von der „Purge“-Reihe halten, was man will. Die Prämisse ist wirklich reichlich merkwürdig, zumal sie nie so richtig erklärt wurde. Und eigentlich hatte ich ja insgeheim gehofft, dass Teil 3 eine Art Prequel sein würde, in dem erklärt wird, warum man es irgendwann für sinnvoll hielt, das Töten mal eben für 12 Stunden legal zu erklären. Aber gut, vielleicht kommt das ja noch in Teil 4 – denn immerhin scheint die Purge im Jahr 2040 endlich ein Ende zu finden. Der erste Film spielt aber 2022… man hat für zukünftige Filme also immer noch einen Zeitrahmen von 18 Jahren, in dem man so einigen Schwachsinn anstellen kann.

Doch wenn wir mal ehrlich sind, ging es in „Purge“ nie um irgendwelche Erklärungen oder eine tiefgründige Geschichte. Es ging nur darum, zu zeigen: Ja, Menschen könnten, wenn man sie „frei“ lässt, mal eben ein bisschen durchdrehen. „Purge 3“ geht nun sogar so weit, dass Touristen aus der ganzen Welt zur Purge-Nacht kommen. Purge-Tourismus… könnte man sicherlich in kommenden Teilen auch noch genauer unter die Lupe nehmen.

Ich muss jedoch sagen, dass ich nach diesen drei Teilen eigentlich wirklich, wirklich genug vom Purgen habe. Teil 3 ist ein netter Abschluss. Man darf und sollte keine besonderen Erweiterungen erwarten. „Purge 3“ ist eigentlich wie sein Vorgänger: es wird zersäbelt, zerkleinert und zerballert, was gerade so da ist. Wieder einmal streift eine Gruppe Menschen durch die Horden mordshungriger Menschen und versucht am Leben zu bleiben. Wenn das alles so geblieben wäre, okay… aber was dann doch extrem nervt, ist dieses ganze Politikum: die Purge bevorzugt die Reichen und soll dafür sorgen, dass die Armen draufgehen. Und vielleicht wollten sich die Macher auch in ihrem eigenen Land für eine Seite stark machen, ich weiß es nicht: aber alle Armen und Verletzten, alle Opfer dieser Purge sind Afroamerikaner. Ich lasse das jetzt einfach mal unkommentiert so da stehen.

„Purge 3“ versucht so also eine größere Geschichte zu erzählen, die aber irgendwie komplett zur Nebensache gerät, weil sie so voller Logiklöcher steckt, die aber jetzt zu Spoilern führen würden, weswegen ich nicht weiter aushole.

Der Film ist und bleibt trotz diesem Versuch, die Story etwas auszubauen, genau das, was seine Vorgänger schon waren: ein brutaler Thriller mit sehr oberflächlichen Charakteren, die einen kaum bewegen. Frank Grillo rockt das Ding mal wieder „Punisher“-Style und geht als kaum kaputtbarer Rambo durch diesen Film. Elizabeth Mitchell, die ich ja eigentlich seit „LOST“ wirklich sehr mag, ist nerviges Mitbringsel, das mehr „Damsel in Nöten“ ist als irgendwas anderes. Und gerade aus ihrer Rolle hätte man echt mehr machen können – wollte aber wahrscheinlich die saubere Politikerin nicht „beschmutzen“. Alle anderen Nebencharaktere sind so austauschbar wie eh und je… sie sind halt Purge-Futter und mehr nicht. Nur letztendlich ist die „Purge“-Reihe für starke Charaktere auch einfach nicht gemacht. Hauptsache, es geht blutig zur Sache.

Wertung: 6 von 10 Punkten (mal schauen, wie oft wir im Kino noch purgen werden)

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