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Der blinde Mann und die drei kleinen Räuber

7. September 2016

Es war einmal ein kleiner Blogger. Und es war zu einer Zeit, da war der Blogger noch so klein, da wusste er nicht einmal, dass es später mal so was wie das Internet geben würde oder dass er sich irgendwann mal Blogger nennen würde. Das waren noch die guten Zeiten, wo man einfach den lieben langen Tag machen konnte, was man wollte (naja, nicht alles, aber der kleine Blogger hatte viele Freiheiten und viel Freizeit). Unser kleiner Blogger ist da früher immer gerne mit seinen Freunden in fremde Gärten geschlichen… warum, ist nicht überliefert, aber es war aufregend. Die Gefahr erwischt zu werden und der Kick, unversehrt durch den Garten zu gelangen, war sehr, sehr aufregend. Manchmal klauten der Blogger und seine Freunde ein paar Birnen, Äpfel oder Erdbeeren, manchmal bewunderten sie die kleinen Teiche, die liebevoll von Pflanzen eingerahmt waren und in denen hin und wieder mal ein Fisch (oder auch zwei) schwammen. Garten-Hopping würde man das vielleicht heute Neu-Deutsch nennen, aber wie man es auch nennt, es war aufregend…

Jetzt ist unser kleiner Blogger ein bisschen erwachsener geworden und lässt andere Menschen für sich aufregendere Sachen als Garten-Hopping erleben. Und deswegen ging unser nicht mehr ganz so kleiner Blogger ins Kino, um „Don’t Breathe“ zu gucken. Darin ist Garten-Hopping gar keine Option, denn Money (Daniel Zovatto), Alex (Dylan Minnette) und Rocky (Jane Levy) machen mal spontanes Häuser-Hopping. Ihr nächstes Ziel soll der ganz große Deal werden: Mitten in einem ausgestorbenen Vorort von Detroit lebt ein blinder Mann (Stephen Lang), der angeblich auf gut 300.000 Dollar sitzt. Dieses Geld wollen die Freunde haben, brechen bei dem Blinden ein… und dann geht alles schief, vor allem als der Blinde aufwacht und sich als gefährlicher Gegner offenbart.

Versteck-Spiel mit einem Blinden

Warum hat sich unser Blogger diesen Film angeschaut? Nun, zum einen reizte ihn das Team Sam Raimi und Fede Alvarez, die ja schon zusammen das durchaus sehenswerte Remake zu „Evil Dead“ gedreht haben (übrigens ja auch mit Jane Levy). Zum anderen ist „Don’t Breathe“ ja im Moment heiß begehrt – zumindest bei den US-Zuschauern, die diesen Film ja förmlich abfeiern. Doch leider endet unser Märchen hier auch schon, denn „Don’t Breathe“ ist alles andere als umwerfend. Langweilig und ziemlich stumpfsinnig trifft es da wohl eher… aber jetzt mal sachlich, ohne „kleiner Blogger“-Gerede und ernsthaft.

Ich fand die Idee ja an sich schon irgendwie ziemlich cool, auch wenn ich mich immer ein wenig fragte, warum ich Mitleid mit drei Arschlochkindern haben sollte, die einfach mal so Leute ausrauben. Gut, sie kommen aus schwierigen Verhältnissen, aber das ist ja keine Ausrede. Also serviert uns „Don“t Breathe“ im Verlauf noch eine etwas „unheimlichere“ Geschichte zu unserem Blinden… allerdings ist das der Punkt, an dem es mir dann schwer fiel, irgendwas an diesem Film noch wirklich ernst zu nehmen… und eigentlich ist auch das gelogen, denn das fing schon viel früher an. Warum fesseln sie den Blinden nicht einfach? Wieso wirkt das Chloroform bei ihm nicht? Warum spürt dieser vermeintliche blinde Mann nicht, wenn zwei Zentimeter von ihm entfernt jemand schnell in Deckung geht? Wieso merkt dieser Blinde erst gar nichts und riecht dann im passenden Augenblick den Gestank aus den Schuhen? Warum sperren sich Alex und Rocky in einem Zimmer ein, in dem angeblich alle Fenster mit Gittern verriegelt sind, aber der Blinde schmeißt Alex aus eben so einem angeblich verriegelten Fenster? Warum hat dieser Typ so einen dermaßen großen Keller, in den Ikea reinpassen würde? Und warum zur Hölle wird uns eine der letzten Szenen gleich zum Anfang gezeigt?

Die Liste über die großen und kleinen Logikfehler, die großen und kleinen Schwächen des Drehbuchs ließen sich beliebig fortführen. Zu Beginn der Hatz durch das Haus hat „Don’t Breathe“ schon noch ein paar Stärken. Gerade, wenn die Darsteller wirklich den Atem anhalten und selbst das gesamte Kino die Luft anhält, ist das schon irgendwie cool. Selbst die kleine Hommage an das Finale von „Das Schweigen der Lämmer“ war noch ziemlich cool, aber sobald der Film uns mehr geben will, wird es einfach zu viel und viel zu überdreht. Dann wird der Film einfach zu verrückt in seinen Annahmen, in seinen Zufällen und seinen Sequenzen… dazu kommt einfach auch, dass mich der Film zu keiner Stelle wirklich in aufgeregte Spannung versetzt hat. Stattdessen verlässt sich Fede Alvarez auf die Macht der Jump Scares und haut die gefühlt alle fünf Minuten auf die Leinwand.

Schön anlehnen, sonst fällt die Wand um

Besonders gut verfährt er leider auch nicht mit seinen Darstellern. Gegen Jane Levy scheint er ja schon fast eine Abneigung zu haben, so viel wie die gute Frau in seinen beiden Filmen bisher immer abbekommen hat. Hier steckt sie auch ordentlich ein, hält tapfer den Atem an und guckt verschreckt süß durch die Gegend. Gleiches gilt eigentlich auch für Dylan Minnette… und Stephen Lang – naja, der ist halt Stephen Lang. Er ist gut, aber so richtig zum Zug kommt er auch nicht. Das Einzige, was ich mir bei dem Film die ganze Zeit in Bezug auf Lang gedacht habe, war folgendes: „Der Typ wäre wirklich ein guter Cable für DEADPOOL 2!“ Ansonsten hat er mich auch nicht sonderlich überzeugen können (weil er aber auch einfach die albernste Geschichte aller Zeiten für seinen Charakter bekommt).

Alles in allem ist „Don’t Breathe“ eigentlich wirklich nicht sein Geld wert. Bei dem Team Alvarez-Raimi hatte ich irgendwie mehr erhofft… und dabei ist die Idee hinter dem Film schon recht interessant, nur hätte man sie ein bisschen cleverer umsetzen können. Naja… denke ich lieber wieder an die Zeiten, wo wir noch Äpfel in Nachbars Garten geklaut haben.

Wertung: 4 von 10 Punkten (atmet lieber wieder und guckt euch was anderes an)

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