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Fettiger Bullshit-Artist

31. August 2016

Mir fehlen die Worte. Wirklich… mir fehlen die Worte. Ich wünschte, ich hätte mein Hirn während des Schauens von Jim Hoskings „The Greasy Strangler“ an ein Gerät anschließen können, dass meine jeweiligen Gedanken und Emotionen in Worte fasst. Dann hätte ich vielleicht die passenden Ausdrücke und vor allem die passende Weise, um mich zu diesem Film zu äußern. Leute fragen mich immer wieder, wie ich den Film denn nun fand, diesen merkwürdigen, komische, skurrilen, absurden Film, der mich so herrlich unvorbereitet erwischt hat. Und ich tue mich dann schwer, ich druckse rum, ich eiere hin und her, stottere mir irgendwas zusammen, dass sich nach etwas mit Kontext anfühlt und bin froh, wenn keine weiteren Fragen kommen. Denn „The Greasy Strangler“ ist ein merkwürdiger, komischer, skurriler, absurder Film (übrigens mitproduziert von Elijah Wood, nur mal so nebenbei), der einfach mal was komplett anderes. Und ich dachte ja schon, dass „Swiss Army Man“ das Merkwürdigste war, dass ich auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest gesehen habe.

„The Greasy Strangler“ – ein Film, dessen Titel Programm ist. Big Ronnie (Michael St. Michaels) führt Touristen zu Disco-Sehenswürdigkeiten – gemeinsam mit seinem Sohnemann Brayden (Sky Elobar). Auf einer dieser Touren lernt Brayden, der noch bei Papa zuhause lebt, Janet (Elizabeth De Razzo) kennen, die für Liebeschaos bei Brayden sorgt und für Zwist zwischen Vater und Sohn. Als wenn das noch nicht genug wäre, treibt auch noch ein Serienmörder sein Unwesen – ein vollkommen in Fett getauchtes Wesen streift durch die Straßen und erwürgt seine Opfer – sagt Hallo zum „Greasy Strangler“.

Ein merkwürdiges Pärchen…

„The Greasy Strangler“ ist speziell… ein Film, der so schlecht, so kacke, so doof ist und zugleich auch so unterhaltsam, so albern, so lustig. Auf der einen Seite möchte ich sagen, dass ich den Film mochte, auf der anderen Seite möchte ich genau das Gegenteil herausschreien und mein Geld zurückverlangen.

Die Seite von mir, die den Film mochte, mochte vor allem die Charaktere, ein widerlicher, aber irgendwie auch verdammt liebenswerter Haufen. Big Ronnie und Brayden rennen zuhause nur in ihren Schlüppern durch die Gegend, Wampe präsent darüber, furzen sich an, erzählen Mist. Wenn irgendwo der Begriff „White Trash“ passen würde, dann bei diesen beiden. Aber Michael St. Michaels und Sky Elobar verleihen diesen Beiden eine Tiefe, die man (würde man den Film hassen) nicht wahrnehmen würde. Man kann die beiden nach dem Film wirklich komplett nachvollziehen, man zittert förmlich mit Brayden mit, wünscht ihm die Beziehung zu Janet (auch wenn einfach nur aus dem Grund, dass man denkt, der Typ ist so Stulle, der findet eh sonst nichts anderes). Big Ronnie und Brayden (und auch Janet) sind irgendwo auch einfach nur witzig… es ist ein bisschen so, als würde man diese Bauer-sucht-Frau-Sendungen gucken: Man erfreut sich an den dummen Dingen, über die sich vermeintlich debile Menschen so Sorgen machen. Es ist ein bisschen die Faszination von Ekel, die an „The Greasy Strangler“ Spaß macht, diesen teils wirklich widerlich agierenden Menschen zu zuschauen.

Die Seite von mir, die den Film mochte, mochte auch irgendwie diese total dämliche Handlung, die so schön sprunghaft und unvorhersehbar war, aber gleichzeitig erstaunlich linear. Es ist wirklich die einfache Geschichte einer Beziehung zwischen Vater und Sohn, die durch den „Fremdkörper“ Janet aus der Bahn geworfen wird. Und es ist natürlich auch die Geschichte des Greasy Stranglers – jenem Wesen, das sich jeglicher Beschreibung verwehrt. Es ist ein faszinierendes Wesen, von dem wir kaum etwas erfahren, ein Mysterium, dass diesen Film nur noch merkwürdiger, komischer, skurriler und absurder macht.

„The Greasy Strangler“ lebt von diesem Stirnrunzeln, von der völligen Hingabe zum Komisch-Sein, von einem sehr grenzwertigen Humor, der manchmal einfach nicht witzig ist, aber weil er einem geradezu aufgezwungen wird, lacht man irgendwann trotzdem – ob aus Scham, Fremdschämen oder einfach nur weil man lachen will, ist dann auch egal.

So ein etwa habe ich mich auch gefühlt…

Die Seite von mir, die den Film nicht mochte, fand die Charaktere einfach nur bescheuert, die Handlung so belanglos und gerade zum Ende hin immer langatmiger und langweiliger, dass der Blick auf die Uhr fast jede Minute dreimal durchgeführt wurde. Die Seite von mir, die den Film nicht mochte, fand das alles einfach nur zum Fremdschämen, was sie da auf der Leinwand sah. Die Seite von mir, die den Film nicht mochte, fand den Humor einfach nicht witzig und tat sich schwer, öfter mal wirklich herzlich zu lachen.

Bleibt also am Ende die Frage: auf welche Seite sollte man hören? Mir fehlen dazu einfach die Worte… „The Greasy Strangler“ war ein komischer Film. Der aber irgendwie auch was hatte… vielleicht sollte man der puren Neugier halber auf die Seite hören, die den Film mochte, um einen doof-skurrilen Film zu sehen, über den man dann entweder lange lamentieren oder ihn einfach schnell wieder vergessen kann.

Wertung: 4 von 10 Punkten und 8 von 10 Punkten (halt eine Wertung für jede Seite 😉 ich kann mich da wirklich nicht entscheiden)

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6 Kommentare leave one →
  1. 31. August 2016 23:44

    Also ich bin gar nicht erst rein, weil ich weiß, dass mich dieser Humor weder amüsiert, noch künstlerisch anspricht :))
    Freundin ist nach der Hälfte raus und das war für mich Bestätigung genug, dass ich ihn hassen würde.
    Hatte ich auch noch nicht, eine Wertung, die sich nicht entscheiden kann, nur bei „Deadgirl“ (2008) konnte ich keine Bewertung geben, weil ich etwas ratlos war.

    • donpozuelo permalink*
      1. September 2016 08:36

      Ich habe auch einige Leute gesehen, die das Kino verlassen haben. „The Greasy Strangler“ ist aber auch wirklich ein merkwürdiger Film… bei dem ich mich halt wirklich nicht entscheiden kann, ob ich ihn nun scheiße oder gut finden soll 😀

  2. 1. September 2016 09:02

    Hm. Swiss Army Man werd ich mir auf jeden Fall ansehen nach Deiner Rezension – hier weiß ich’s jetzt nicht. Doch, ich glaub schon…ich kiffe vorher ein bisschen, das hilft vermutlich 😀

    • donpozuelo permalink*
      1. September 2016 23:04

      „Swiss Army Man“ sollte man sich auf jeden Fall mal anschauen, bei „The Greasy Strangler“ weiß ich nicht, ob Drogen überhaupt helfen würden 😀 aber du kannst es ja gerne mal ausprobieren.

  3. 6. September 2016 21:28

    Das gabs in der Geschichte von ‚Going ot the movies‘ noch nie, oder? Dass es zwei Wertungen gab? 😉 Sozusagen ein epischer Moment.

    • donpozuelo permalink*
      7. September 2016 09:22

      Man kann, darf und sollte es wirklich als epischen Moment bezeichnen. Find ich gut. Gab’s ja bei mir wirklich noch nie…

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