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Undercover-Nazi

29. August 2016

Man kann ja von Daniel Radcliffe halten, was man will… manche vergöttern ihn nach wie vor als Harry Potter (den ich immer noch nicht gesehen habe), andere halten ihn genau deswegen für überbewertet und wiederum andere müssen ihn erst noch so richtig kennenlernen (so wie ich). Und irgendwie bin ich sehr froh, dass ich Radcliffe nicht als Potter kennengelernt habe. Natürlich weiß ich, dass das überhaupt seine Karriere erst ins Rollen gebracht hat, aber ich bin Potter-unvoreingenommen. Ich glaube, der erste Film, den ich mit ihm gesehen habe, war tatsächlich „Die Frau in Schwarz“. Wenn man sich so alles anschaut, was Radcliffe nach seiner Potter-Zeit so gemacht hat, würde ich zumindest sagen: „Alles richtig gemacht!“ Er sucht sich merkwürdige und interessante Rollen aus, macht mal hier was und da was und schreckt auch nicht davor zurück, eine furzende Leiche zu spielen. Da ist offenbar jemand ganz gezielt auf der Suche, seinen Potter-Status weit hinter sich zu lassen… und mit „Imperium“ legt er da gleich noch einmal ordentlich nach.

FBI-Agent Nate Foster (Radcliffe) will mehr… und als ihn Angela Zamparo (Toni Collette) als Undercover-Agent in eine Neonazi-Gruppe einschleusen will, von der sie glaubt, sie hätten gefährliche radioaktive Stoffe gestohlen, sagt er zu. Um an den Online-Moderator und beliebten „White Supremacy“-Prediger Dallas Wolf (Tracy Letts) heranzukommen, muss Nate aber durch sehr viele Feuer gehen.

Habt euch doch einfach lieb…

„Imperium“ wurde in Zusammenarbeit mit dem ehemaligen FBI-Undercover-Agenten Michael German geschrieben, der wirklich durchlebt hat, was Radcliffe hier nur spielen muss. Und vielleicht ist das dann auch irgendwie das Faszinierendste für mich an diesem Film: „Imperium“ ist für mich das Beispiel dafür, wie sehr ich schon von der Hollywood-Realität beeinflusst bin, dass mich die vermeintlich „wahre“ Realität, die mir hier in „Imperium“ gezeigt werden möchte, viel weniger beeindruckt. Oder andersrum gesagt: ich hätte dann irgendwie doch sehr viel mehr Aufregung erwartet als ich am Ende bekommen habe.

Lasst mich das erklären: Nate Foster gerät im ganzen Film mit mehreren rechtsextremen Gruppen in Kontakt – zuerst die „normalen“Neonazis, die einfach nur auf Krawall aus sind; dann die etwas strenger geordneten Rassisten, die ihre „Truppen“ in eigenen Bootcamps trainieren und schließlich die „feinere“ Gesellschaft der Rechtsextremen mit Familien und Kindern, die von außen gar nicht aussehen, als wären sie eine Gefahr (aber wenn dann Cupcakes mit Hakenkreuzen serviert werden, wird das schnell klarer). Und in jeder Gruppe wird dieser Neuling kritisch beäugt. Es gibt in jeder Gruppe einen Moment, wo sie ihm nicht trauen, dieser Moment, in dem er schnell schalten muss und sich nur mit Hilfe seiner Worte aus der Scheiße retten muss. „Imperium“ baut da immer wieder drauf hin, baut die Spannung gekonnt auf… und lässt sie dann förmlich in der Luft verpuffen. Und ganz ehrlich: irgendwie hat mich das (inklusive dem sehr unspektakulären Finale) am meisten gestört. „Imperium“ ist da sehr antiklimatisch: die ganze Zeit wartet man auf einen Riesenknall, der einfach nicht kommt. Aber wie gesagt, das ist die erwartete Hollywood-Realität, die mich sonst immer mit was Großen „befriedigt“.

Für „Imperium“ mag das vielleicht auch genug sein, denn es ist schon schwer genug, sich diese ganze rechtsextreme Kacke da anzuhören. Das ist mehr als nur schwerverdaulich, wenn man sich dazu immer wieder vor Augen führt, dass das halt nicht nur bloße Fiktion, sondern bittere Realität ist. Da wird immer vom Terrorismus von außen gesprochen (auch im Film) und dann sind die schlimmeren Gruppen auch schon im eigenen Land zu finden. In der Hinsicht ist „Imperium“ sicherlich auch gerade für die USA ein wichtiger Film, schließlich wird hier der Spiegel vorgehalten und gezeigt, wie viele verschiedene, gefährliche Gruppierungen da lauern, um die sich scheinbar niemand so richtig zu kümmern scheint. Das ist etwas, was „Imperium“ verdammt gut hinbekommt und was ein extrem flaues Gefühl im Magen hinterlässt.

Darstellerisch ist „Imperium“ dann auch sehr sehenswert. Gerade ein Daniel Radcliffe spielt hier wirklich gut, Toni Collette ebenfalls (auch wenn ihr ständiges und sehr übertriebenes Kaugummi-Kauen irgendwann echt nervt). Aber auch alle Nebendarsteller sind großartig…

„Imperium“ mag zwar antiklimatisch sein, aufrüttelnd und krass ist er wegen seiner Thematik und der aktuellen Relevanz alle mal.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Radcliffe ist weiterhin auf dem richtigen Weg, den Potter weit hinter sich zu lassen)

3 Kommentare leave one →
  1. 5. September 2016 20:46

    Lange Zeit habe ich auch immer Harry Potter an seiner Stelle gesehen, aber das hat sich irgendwann erledigt. Was ich dafür nicht abschütteln kann ist wie sehr er in vielerlei Hinsicht Elijah Wood ähnelt. Vom Äußeren sowie vom Werdegang. Den habe lange auch alle nur Frodo genannt. Aber inzwischen kann sich die Filmografie von Daniel Ratcliffe echt sehen lassen.

    • donpozuelo permalink*
      6. September 2016 07:17

      Absolut… und ja, Elijah Wood hat sich auch sehr gemausert. Die beiden ähneln sich da wirklich, beide haben dann auch direkt nach ihren einprägsamen Rollen so verrückte und verschiedene Rollen angenommen… da hat man schon gemerkt, dass beide ihr Image stark verändern wollten. Mal gucken, wie lange das für Radcliffe so hält… vom guten Elijah hat man ja auch schon lange nichts mehr gehört.

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