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Schreien für Kappa Kappa Tau

26. August 2016

„Glee“ habe ich nie gesehen. Zu viel Gesinge, ich kann ja nicht so gut mit Musicals. „American Horror Story“ habe ich dagegen gesehen… auch wenn ich immer nie so ganz glauben konnte, dass diese Serie wirklich von den gleichen Machern wie „Glee“ stammte. Obwohl ich gestehen muss, dass ich nach der furchtbaren zweiten Staffel, die ja einer wirklich hervorragenden ersten Staffel folgte, ausgestiegen bin. Ich wollte zwar immer wieder mal einsteigen, zumal die unterschiedlichen neuen Horror-Szenarien ja ziemlich cool klangen, aber so richtig dazu überwinden konnte ich mich nie. Der Versuch, mich wieder „American Horror Story“ anzunähern, wurde mir nun noch erschwert. Denn Brad Falchuk und Ryan Murphy haben eine dritte Serie ausgekocht… eine, die scheinbar die guten Dinge der vorherigen beiden vereint: nämlich den Humor aus „Glee“ ohne die Musikeinlagen (zumindest habe ich mir sagen lassen, dass „Glee“ auch witzig gewesen sein soll) und die Horror-Geschichten aus „American Horror Story“ ohne allerdings dabei zu ernst zu sein. Die Rede ist von „Scream Queens“.

Grace (Skyler Samuels) fängt ihr Studium an der Wallace University an und versucht hier, in die prestigeträchtige Schwesternschaft von Kappa Kappa Tau aufgenommen zu werden. Denn hier war auch einst ihre schon längst verstorbene Mutter und Grace erhofft sich so, mehr über sie zu erfahren. Und zum Glück für Grace und Hester (Lea Michele) und Zayday (Keke Palmer) hat Dekan Munch (Jamie Lee Curtis) gerade verordnen lassen, dass die Schwesternschaften jeden Anwärter aufnehmen müssen. Für Chanel Oberlin (Emma Roberts), Präsidentin von Kappa Kappa Tau der reinste Horror. Nur hört der Horror hier nicht auf, denn ein Serienkiller hat die Damen von Kappa Kappa Tau im Visier: der Red Devil Killer tarnt sich als das Maskottchen der Uni und geht so seinem blutigen Treiben nach… um hinter seine Identität zu kommen, müssen Grace, Chanel und der Rest von Kappa Kappa Tau auch ein mysteriösen Mord von vor zwanzig Jahren auflösen, der ebenfalls im Haus von Kappa Kappa Tau stattfand.

Kreisch, kreisch, kreisch…

Nachdem ich ja gerade erst „Scream – Die Serie“ gesehen hatte, war ich ganz gut im neu aufkommenden Teenie-Horror-Serien-Modus, weswegen „Scream Queens“ ja nicht nur vom Namen her ganz gut passte. Doch musste ich meine Erwartungshaltung komplett umstellen, weswegen es bei mir so zwei Folgen dauerte, bevor ich „Scream Queens“ wirklich zu schätzen wusste. Denn „Scream“ war ja eine Horror-Serie, die sehr ernst war. Klar, gab es ein paar Möglichkeiten für Witze, ein bisschen Humor gehört ja zum Horror als Erholungspause irgendwie mit dazu. Aber „Scream Queens“ ist ja wirklich eine Serie, die sich überhaupt nicht Ernst nimmt. Ich weiß, das sagt man immer so, aber „Scream Queens“ ist für mich das beste Beispiel dafür, dass es auch mal mehr als nur zutreffen kann.

Falchuk und Murphy spielen mit der klassischen Klischee-Rolle der Scream Queen, die ja mittlerweile die Hübscheste in einer Gruppe von Teenagern ist, die nichts anderes tut als Sex zu haben und danach eigentlich gleich stirbt. Natürlich muss sie vorher noch vorm Killer wegrennen und kreischen – sonst würde sie ihrem Namen nicht gerecht werden. Und so ist es letztendlich in „Scream Queens“ auch. Wir haben diese Schwesternschaft der Reichen und Schönen unter der Leitung der egozentrischen Chanel, die ihre Minions auch nur Chanel nennt und mit Nummern versieht. Wenn der Killer kommt, kreischen die auch nur und haben die schwachsinnigsten Ideen, um sich zu schützen. Aber schwachsinnig soll jetzt keineswegs bedeuten, dass die Serie einfach nur komplett und grotesk albern wäre. Nein, im Gegenteil: vielmehr spielt „Scream Queens“ so clever mit den Horror-Klischees und den Klischees über reiche, schöne, dumme Menschen, dass es einfach nur ein Fest ist, dieser Schwesternschaft in ihrem verzweifelten Kampf ums Überleben zu zusehen.

Und wie es sich für so ein Murder-Mystery gehört, lassen Falchuk und Murphy die Zuschauer gekonnt im Dunkeln. Hier ist es dann wirklich ein bisschen wie in der „Scream“-Serie: Man baut so seine Vermutungen auf und rätselt mit den Chanels und allen fröhlich mit. Nur im Gegensatz zu anderen „ernsteren“ Serien ist die Detektiv-Arbeit dieser Damen mehr als nur fragwürdig… und mit so einem guten Humor versehen, dass man sich eigentlich nur über die Absurditäten totlachen kann.

Aber die Story von „Scream Queens“ würde nicht so gut funktionieren, wenn es nicht die hervorragenden Darsteller geben würde. Allen voran eine absolut umwerfende Emma Roberts, die als Chanel Oberlin das perfekte Miststück überhaupt spielt. Sie denkt, die Welt dreht sich nur um sie, sie sei unantastbar und einzigartig. Sie lebt ihre Präsidentschaft aus wie eine Diktatorin und schlägt unerbittlich zu, wenn ihr Status in Gefahr ist. Roberts ist einfach der Hammer. Die perfekte Bitch, wenn man es mal neudeutsch ausdrücken will – die Hochnäsigkeit in Person, die grandios gut die Naivität derer widerspiegelt, die denken, die Welt würde allein ihnen gehören. Allein schon wegen Emma Roberts lohnt sich diese Serie!!!

Golfende Deppen

Aber dann haben wir da ja auch noch ein wunderbare Jamie Lee Curtis, die sichtlich Spaß daran hat, als Dekan ein bisschen für Stunk zu sorgen. „Little Miss Sunshine“ Abigail Breslin verdummt herrlich als Chanel #5, Nick Jonas streift seinen Boyband-Status gekonnt ab und Glen Powell spielt mit Chad Radwell den Präsidenten der Dickie Dollar Scholars und ist der beste dümmste Junge überhaupt, der alles vögelt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und ähnlich wie Chanel Oberlin eine Weltanschauung hat, bei der man gar nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.

Doch zum Glück entscheidet sich bei „Scream Queens“ alles sehr schnell fürs Lachen. Die Serie ist wirklich ein echtes Gag-Feuerwerk, bei dem einfach alles stimmt. Die Darsteller sind grandios und mehr als nur überzeugend, die Story ist spannend (vor allem, weil man eigentlich eher wissen will, mit welchen absurden Ideen die Damen von Kappa als nächstes zu Werke gehen) und die Klischees werden clever ausgenutzt, um die Charaktere dennoch interessant genug zu gestalten. Ähnlich wie „AHS“ soll auch „Scream Queens“ eine Anthologie-Serie werden – mit dem Unterschied, dass die Charaktere die gleichen bleiben sollen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wenn Falchuk und Murphy dieses Niveau an Humor halten können, wird auch Staffel 2 ein Fest.

Wertung: 9 von 10 Punkten (total irre und irre komisch… mit einer herausragenden Emma Roberts)

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3 Kommentare leave one →
  1. 27. August 2016 13:09

    Emma Roberts wurde auch gleich mal aus „American Horror Story“ mit in die neue Serie übernommen.

    • donpozuelo permalink*
      27. August 2016 14:21

      Hat sie da auch mitgespielt? Ich habe nur die ersten beiden Staffeln gesehen… aber so oder so ist Emma Roberts für SCREAM QUEENS ein absoluter Glücksgriff. Einfach nur großartig, wie sie hier spielt…

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