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Ich wollte, ich wäre ein Falke

22. August 2016

Also wenn man mich fragen würde, was für ein Tier ich sein möchte, dann wäre ich wohl gerne ein Falke oder ein Habicht oder halt irgendeine Art von Raubvogel. Das würde das Überleben sichern und ich könnte endlich fliegen. Jupp, ich glaube, Falke wäre ein gutes Tier für mich (und das hat fast rein gar nichts damit zu tun, dass der Millennium Falken ebenfalls nach einem Falken benannt worden ist 😉 ). Wie ich jetzt ausgerechnet darauf komme, mir ein Tier auszudenken, das ich gerne wäre? Nun, ich habe endlich, endlich, endlich „The Lobster“ gesehen – ein Film, der einen zwangsläufig dahingehend zum Nachdenken anregt, was für ein Tier man gerne sein würde.

Denn die Welt, in die uns „The Lobster“ entführt, ist eine Welt, in der jeder Single, der nach einer bestimmten Zeit keinen Partner gefunden hat, in ein Tier seiner Wahl verwandelt wird. David (Colin Farrell) wurde vor kurzem von seiner Frau verlassen und zieht deswegen mit seinem Bruder (der schon ein Hund geworden ist) in das Hotel, in dem alle Singles versammelt werden, um einen neuen Partner zu finden. Die Hotelmanagerin (Olivia Colman) veranstaltet hier aber nicht nur „Parties“, damit Pärchen eine Gemeinsamkeit finden, die sie zu einem guten Pärchen machen könnte – nein, gemeinsam mit ihren Singles geht sie auch im Wald auf die Jagd nach Singles, die dem Hotel entflohen sind (um ihr Single-Leben ausleben zu können). Hier trifft David dann auch auf eine Frau (Rachel Weisz), in die er sich verlieben könnte.

Noch ohne Hummer…

„The Lobster“, „The Lobster“, „The Lobster“… wie viel hatte ich schon von dem Film gehört, der erst nicht ins Kino kommen sollte, dann doch in einige kleine Kinos kam und bei dem sich dann viele beschwerten, dass das wieder mal typisch sei: so viel Blockbuster-Müll kommt ins Kino, aber die kleinen, feinen Perlen haben einfach keine Chance. Aber gut, „The Lobster“ ist nun auch wieder sehr spezielles Kino, vor allem wenn man bedenkt, wer der Mann hinter diesem ungewöhnlichen Film ist: Yorgos Lanthimos, der Grieche, der uns schon in „Dogtooth“ weismachen konnte, dass Katzen furchtbar gefährlich sind.

Jetzt kommt Lanthimos also mit der Frage, was wären wir gerne für ein Tier und (viel wichtiger) was macht wirklich eine gute Beziehung aus? Sind es die Unterschiede oder die Gemeinsamkeiten? Kann man Menschen in einem recht sterilen Umfeld zusammenbringen, umgeben von merkwürdigen Regelungen, die jeden einzelnen Schritt des Kennenlernens kontrollieren? Oder brauchen wir doch die Freiheit, uns selbst entscheiden zu können? „The Lobster“ ist ein Film, der all diese Fragen stellt… und der wahrscheinlich in einer Welt des Online-Datings, Tinder und Co. eine ähnliche Relevanz hat wie Spike Jonzes „Her“. Nur „The Lobster“ stellt die Frage nach dem Finden der Liebe in einen noch krasseren Kontrast – nämlich die strengen Regeln des Hotels und die nicht weniger strengen Regeln der Singles im Wald, die dem Hotel entkommen sind. Und je mehr wir von jeder Seite zu sehen bekommen, desto skurriler und absurder wird Davids Suche nach Liebe… denn all diese Menschen, die er trifft, sind durch irgendwelche „Gesetze“ so sehr manipuliert, dass sie gar nicht mehr klar denken können.

Yorgos Lanthimos‘ „The Lobster“ ist ein merkwürdiger Film, ein sehenswert merkwürdiger Film, bei dem man nie so wirklich weiß, ob man weinen oder lachen soll. Die Welt von „The Lobster“ ist von Gestalten bewohnt, die unmenschlicher nicht sein können. Die reden so gestelzt, so unmenschlich… wie Roboter fast. Das ist etwas, was den Film auf den ersten Blick echt ein bisschen verwirrend wirken lässt, aber in einer Welt in der Liebe aufgezwungen wird, passt es irgendwie. Und Lanthimos konfrontiert uns mit sehr interessanten Gestalten, die so komplett surreal wirken, die sich so komplett nicht verhalten, wie normale Menschen sich verhalten sollten.

„The Lobster“ ist ein merkwürdiger Film, der von seinem Zuschauer auch so einiges abverlangt, denn Yorgos Lanthimos ist kein Mann, der groß Erkärungen abliefert… aber im Fall dieses Krustentiers von einem Film ist das auch nicht notwendig, denn dieser Film und vor allem diese „Menschen“ strahlen eine unheimliche Faszination aus. Diese ganze Welt in der sie ihre neue Liebe finden sollen, strahlt eine unheimliche Faszination aus… eine Faszination, die ehrlich gesagt, nur schwer in Worte zu fassen ist. Es wirkt wie absurdes Theater, der fast schon herablassende Blick eines Regisseurs auf eine Gesellschaft, die in Sachen Liebe nur noch auf Oberflächlichkeiten schaut und sich merkwürdig verstellen, ohne ihren wahren Gefühlen zu vertrauen. Und dann am Ende haut uns Lanthimos noch so schön einen drauf… aber das war irgendwie perfekt für diesen Film.

Ich kann gut verstehen, wenn Leute diesen sehr sterilen, überzeichneten Film nicht mögen. Kann ich wirklich – die letzten dreißig Minuten waren selbst für mich etwas zu langgestreckt und anstrengend. Aber gerade der starke Anfang und ein wirklich umwerfender Colin Farrell, der diese beiden Welten durchleben muss, haben „The Lobster“ schon zu einem Erlebnis gemacht… das ist vielleicht mit Abstand die verrückteste und merkwürdigste Liebesgeschichte, die mir je untergekommen ist.

Wertung: 8 von 10 Punkten (und ich bleibe beim Falken!)

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11 Kommentare leave one →
  1. 22. August 2016 08:10

    Schimpanse! Oder Waschbär! Hauptsache etwas mit Fingern. ^^

  2. 22. August 2016 14:05

    :)) auf jeden Fall was, was nicht gejagt wird und niemand wirklich mag. Flughund vielleicht. Leben aber nicht besonders lange. Egal :))
    Ja, ein seltsamer Film, der mich nicht dazu einlädt ihn nochmals zu sehen. Er ist gut, aber eben einer dieser Streifen, bei denen einmal reicht.

    • donpozuelo permalink*
      22. August 2016 14:21

      Ja, mehr als einmal müsste ich den Film auch nicht unbedingt sehen…

      Und Flughund ist irgendwie auch ne gute Wahl 😀

  3. 25. August 2016 19:56

    Blauwal? Müssen recht chillige Leben haben. Oder vielleicht ein Koala.

    Film war gut, witzig, schwer zugänglich, darum etwa enttäuschend …

    • donpozuelo permalink*
      25. August 2016 22:03

      Blauwal… auch keine schlechte Wa(h)l… 😀

  4. 27. August 2016 12:53

    Wolf. Was sonst? 😉

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