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Allein sein am Ende

3. August 2016

Wenn ich in letzter Zeit durch die Filme, die ich mir angeschaut habe, etwas gelernt habe über das Leben nach der Apokalypse, dann sind es folgende Dinge: Egal, wie scheiße es ist, allein zu sein – bleib allein! Denn die Menschen, die eine derartige Katastrophe überleben, sind scheinbar alles nur miese Kakerlaken, denen es um nichts anderes geht als ums Überleben (und wer könnte es ihnen verübeln?). Außerdem: Lerne, wie man einen Garten anlegt!!! Gemüse anpflanzen, ist nicht nur auf dem Mars von Vorteil, sondern auch nach dem Weltuntergang. Und ich glaube, hier würde mein größtes Problem liegen, sollte ich nach was auch immer für einer Katastrophe noch am Leben sein, ich würde erbärmlich verhungern. Ich und Pflanzen sind nicht unbedingt die beste Kombination… was zu folgenden Überlegungen führt: a) ich fange schon mal an, mich mit Botanik vertraut zu machen b) ich versuche nach der Apokalypse gleich eine Gruppe zu finden, in der wir jemanden haben, der sich um so was kümmert oder c) ich werde Kannibale (oder d) ich verhungere irgendwo elendig und das war’s dann).

Warum ich jetzt schon wieder auf den Weltuntergang und vor allen Botanik komme??? Nun, nachdem ich euch letztens erst „Z for Zachariah“ vorgestellt habe, ist nun „The Survivalist“ dran. Der Film spielt auch ein paar Jahre nach einer globalen Katastrophe… ein namenloser Überlebender (Martin McCann) lebt abgeschieden auf seiner winzigen Farm (!!!), pflanzt dort an, was er so braucht (!!!) und versucht so, am Leben zu bleiben. Doch wie es sich für einen guten Endzeit-Film gehört, bleibt der Mann nicht lange allein. Eines Tages stehen eine alte (Olwen Fouéré) und eine junge Frau (Mia Goth) vor seiner Hütte und bitten um Essen… für das Milja, die junge Frau, mit Sex bezahlt. Und weil der so umwerfend ist, dürfen die Damen noch ein bisschen länger bleiben… ohne Wissen des Überlebenden, dass die beiden planen, ihn um die Ecke zu bringen (ich sag’s ja: Kakerlaken).

Ein echter Veganer steht zu seinen Pflanzen

Im Gegensatz zu „Z for Zachariah“ verzichtet Drehbuchautor und Regisseur Stephen Fingleton auf zu viel Drama und Soap Opera. „The Survivalist“ fühlt sich tatsächlich sehr viel ernster, dreckiger und auch ehrlicher. Gerade die ersten, sehr stummen fünfzehn Minuten des Films beobachten wir diesen „Survivalist“ einfach nur bei seiner täglichen Routine – bei dem, was ich nie hinbekommen würde: Pflanzen pflegen. Manchmal kann so eine Endzeit auch eine gewisse Langeweile ausstrahlen, in der das alltägliche Überleben nicht immer unbedingt in Waffengewalt ausarten muss. Bauer sein, ist das mit Sicherheit schon schwer genug.

Doch nach diesem Anfang schickt Regisseur Fingleton dann halt die zwei Damen ins Spiel und macht aus der Ein-Mann-Show ein interessantes Trio. Interessant insofern, dass hier die Gefühlslage immer wieder gekonnt verschoben wird: aus Paranoia wird Vertrauen, nur damit daraus wieder Paranoia wird… allerdings nur Paranoia in uns als Zuschauern, denn der Survivalist gewöhnt sich erst einmal an die Frauen und ahnt nichts Böses. Es ist halt wie Hitchcock sagte, es ist spannend, wenn wir wissen, dass die Bombe unterm dem Tisch ist, aber die Menschen am Tisch nicht (ich hoffe, ich habe das jetzt einigermaßen richtig wiedergeben). Wie wird diese ganze Situation ausgehen?

Dadurch wird „The Survivalist“ schon recht spannend, auch wenn sich der Film eeeeeextrem in die Länge zieht. Fingleton lässt seine Protagonisten auf sehr natürliche Weise agieren, er übereilt nichts und lässt sehr viel Raum für die Charakterentwicklung… was bei einem Film, in dem kaum mehr als zwei zusammenhängende Sätze einen Dialog ergeben, manchmal etwas sehr schleppend sein kann. Aber gerade weil die Darsteller wirklich sehr authentisch wirken, das gesamte Szenario (und nein, wir wissen nie wirklich, was passiert ist) sehr glaubhaft ist, möchte man „The Survivalist“ die gewissen Längen verzeihen. Denn immerhin baut der Film immer in Etappen neue spannende und packende Episoden in das Leben des Trios ein.

Nach „Z for Zachariah“ ist „The Survivalist“ schon noch einmal was ganz anderes… halt einfach in seiner Gänze etwas packender, was die ganze Vertrauenssache angeht, dieses Jeder-ist-sich-selbst-der-Nächste und der Stärkste-überlebt-Thema. Die Einführung der beiden Frauen und ihre Art, um ihr Überleben zu kämpfen, ergibt in dieser kaputten Welt auch Sinn und wirbelt das Leben des Survivalist in „Maßen“ auf… denn wie gesagt, der Film zieht sich ein wenig.

Wertung: 7 von 10 Punkten (gut gespielter Endzeit-Film mit einigen Längen)

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5 Kommentare leave one →
  1. 3. August 2016 11:49

    „Egal, wie scheiße es ist, allein zu sein – bleib allein! Denn die Menschen, die eine derartige Katastrophe überleben, sind scheinbar alles nur miese Kakerlaken, denen es um nichts anderes geht als ums Überleben (und wer könnte es ihnen verübeln?). “
    Da ich Dystopien ja auch liebe, mochte ich insbesondere den Roman „Station Eleven“, in dem die Notwendigkeit auch in düstersten Zeit Kultur zu benötigen aufgezeigt wurde. Gefiel mir sehr viel besser als die brachiale Trostlosigkeit von „The Road“ zum Beispiel (Buch + Film)

    https://bingereader.org/2016/01/18/station-eleven-emily-st-john-mandel/

    • donpozuelo permalink*
      4. August 2016 23:06

      Danke für den Lesetipp. Werde ich mir mal merken… „The Road“ mochte ich als Buch, aber ich bin auch gerne mal für andere Dystopien 😀

  2. 3. August 2016 21:45

    Joa, ich fand ihn etwas „ruhig“, aber mit interessanter Sichtweise. Wahrscheinlich hätte ich niemals die Geduld so etwas wie Gemüseanbau im Wald zu versuchen und würde gleich verhungern, darum Hut ab vor denen, die es es vollbringen (es gibt ja tatsächlich Menschen, die machen aus Sch… Gold :)) ). Die wilde Horde fand ich beängstigend, weil ich glaube, dass, sollte es soweit kommen, tatsächlich Überlebende geben wird, die weiterhin sinnlos alles zerstören. Hatte damals auch 7 Punkte gegeben.

    • donpozuelo permalink*
      4. August 2016 23:05

      Ja, die Horde war wirklich gruselig und ja, ich würde auch am ersten Tag wegen Unfähigkeit verrecken… es sei denn, ich finde auch so eine Horde und werde zum Tier 😉

Trackbacks

  1. Ohne Strom | Going To The Movies

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