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Senior Praktikant

25. Juli 2016

Praktikant zu sein, war schon ein Alptraum. Als Kind der „Generation Praktikum“ habe ich sie auch so ziemlich alle durchgehabt. Arbeiten als vollfertiger Mitarbeiter, vergütet werden als billiger Praktikant – was für eine aufregende Zeit, um Berufserfahrung zu sammeln. Was für eine aufregende Zeit für Unternehmen, die sich so einfach gute Arbeitskräfte suchen konnten, ohne ihnen irgendwelche Versprechen geben zu müssen. Praktikant sein ist schon ein schweres Los… ein Los, das sich immer mal wieder bestens für Komödien zu eigenen scheint, ohne das dabei jedoch die wirklich harten Fakten über das Dasein eines Praktikanten offenbart werden. Wieso auch? Es soll ja eine Komödie sein… und was würde sich noch besser anbieten als ein Film über einen Praktikanten? Ein Film über einen Praktikanten, der schon siebzig Jahre als ist. Klingt doch sehr amüsant, nicht wahr???

Dachte sich dann auch „Was Frauen wollen“-Regisseurin Nancy Meyers und drehte „The Intern“ (auf Deutsch: „Man lernt nie aus“) mit Robert De Niro und Anne Hathaway, die hier wohl beide zeigen wollen, dass der Oscar-Fluch real ist und man danach nie mehr wirklich gute Rollen abstauben kann. De Niro spielt den alten Witwer Ben, der sich nach Beschäftigung sehnt und sich deswegen auf eine Stelle als Senioren-Praktikant in der angesagten Firma „About the Fit“ anmeldet, ein erfolgreiches Start-Up, in dem Mode verkauft wird. Ben wird angenommen und zum persönlichen Praktikanten von Geschäftsführerin Jules (Hathaway) gemacht. Natürlich kommt die damit nicht klar, ist kalt und reserviert, öffnet sich aber mit der Zeit doch mehr und mehr, weil ihr treuer Praktikant einen immer größeren Einfluss in ihrem Leben hat.

Sie freuen sich… vielleicht lesen sie gerade meinen Blog 😉

Gähn… jupp. Richtig. Aber bevor ich euch wundert, warum ich überhaupt so etwas wie „The Intern“ gucke, habe ich die passende Entschuldigung dafür. Ich habe den Film im Flugzeug morgens um drei Uhr gesehen, weil ich in der Holzklasse von Air Berlin nicht so wirklich gut schlafen konnte… und eigentlich gehofft hatte, der Film wäre so unspektakulär, dass ich a) dabei einschlafen würde und b) nichts verpassen würde, wenn ich denn einschlafe. Problem ist: ich bin nicht eingeschlafen. Ging einfach nicht… also habe ich brav „The Intern“ weitergeschaut. Und mich einmal mehr gefragt, warum De Niro bei so einem Quatsch überhaupt mit macht.

Aber gut, mein Problem mit „The Intern“ lag auch ehrlich gesagt weniger bei den Darstellern, als vielmehr bei der Story. Ich hatte irgendwie erwartet, dass sich die Geschichte auf die Schwierigkeiten des älteren Mannes in der neuen Situation befasst. Würde sich doch auch irgendwie anbieten, den Oldtimer mit den Tücken und Schwierigkeiten der neuen Welt zu konfrontieren… Instagram, facebook, Twitter… irgendwas in dieser Richtung. Wäre ja vielleicht noch witziger gewesen, wenn ein Robert De Niro verzweifelt damit kämpft, ein Bild mit Hashtags zu versehen. Passiert leider alles nicht… vielleicht weil das auch nicht wirklich die Welt von Nancy Meyers ist.

Sie lässt das alles einfach komplett außen vor und konzentriert sich viel lieber darauf, die Altersunterschied-Schiene in Bezug auf Sachen wie Benehmen zu fahren. De Niro ist der aussterbende Gentleman, der in einer Welt voller Hipster wie ein Fremdkörper wirkt und sich gleichzeitig doch immer stärker zu einem Fels in der Brandung für all seine Kollegen wird. In der Welt der Hektik der Online-Branche ist er ein Ort der Ruhe. Er ist ja schließlich auch ein alter Mann, was will er da noch Hektik??? Und so kann er sich auch gemächlich in die Gunst von CEO Jules arbeiten. Die Chemie zwischen Hathaway und De Niro passt. Die beiden arbeiten gut zusammen, er übernimmt die Vater-Rolle, sie die Tochter-Rolle… und somit wirkt es auch nicht irgendwie komisch, wenn die beiden einmal zusammen im Bett liegen. Man kommt hier nicht auf die Idee, da etwas sexuelles reinzudenken. Sie werden einfach zu guten Freunden… und die Art, wie sich diese Freundschaft entwickelt, ist nett. Das ist niedlich, harmlos, sympathisch und in jederlei Hinsicht genau vorherzusehen. Aber gut, mehr will man ja scheinbar auch nicht von so einer kleinen Culture-Clash-Komödien, in der Jung auf Alt trifft… und Jung lernt, dass man ruhig auch mal auf Alt hören kann.

Ich hätte zwar nichts dagegen gehabt, während „The Intern“ einzuschlafen, aber das war mir vergönnt… dennoch hat der Film durchaus einen gewissen Unterhaltungswert, der aber einmaliger Natur bleiben wird.

Wertung: 6 von 10 Punkten (netter Film für Zwischendurch…)

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2 Kommentare leave one →
  1. 25. Juli 2016 09:17

    Musste ihn mal mit Muddi im Kino sehen :))
    Habe aber nie was dazu geschrieben, sehe das aber wie Du: nett, aber zu meyerisch verarbeitet.

    • donpozuelo permalink*
      25. Juli 2016 22:07

      Zu meyerisch… besser kann man es wohl nicht ausdrücken. Schade, denn aus dem Ganzen hätte man durchaus was machen können. Aber naja… halt nett.

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