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Der letzte Platz auf Erden

22. Juli 2016

Manchmal denke ich mir schon, ich verschwende zu viel Zeit mit den unnötigsten Dingen. Das betrifft in diesem Fall halt auch Serien… und / oder Bücher. Gemeinsam mit einem sehr guten Freund habe ich ein kleines, wöchentliches Ritual, bei dem wir uns bei mir zu einem gemütlichen Bierchen-und-Serien-Abend treffen. Gut, dieses Ritual exisitert noch nicht lange, aber es hat jetzt schon ein bisschen Tradition gefunden. Und wahrscheinlich weil wir es zum ersten Mal ausprobierten, blieben wir bei der von uns ausgewählten Serie stur und hielten bis zum Ende durch, obwohl wir keinen großen Gefallen daran fanden. Dabei hatten wir beide viel Hoffnung in die von M. Night Shymalan produzierte Serie „Wayward Pines“ gesteckt.

Zum einen wurde sie als „Most Watched Series of the Year“ bezeichnet, zum anderen erinnerte der erste Trailer an eine nette Hommage an David Lynchs „Twin Peaks„. Und vielleicht hatten wir auch die Hoffnung, dass so ein Shyamalan ja auch mal wieder was Gutes machen könnte. Nach der ersten Folge waren wir sehr gefesselt. Darin wird der Secret Service Agent Ethan Burke (Matt Dillon) nach einem Unfall plötzlich in dem idyllischen Örtchen Wayward Pines wach und muss am Ende feststellen, dass in diesem Ort jeder durch implantierte Sender verfolgt, durch Kameras ständig beobachtet und durch einen riesen Zaun rund um Wayward Pines daran gehindert wird, den Ort zu verlassen.

wayward pines

Unsere Neugierde ging dann sogar soweit, dass wir uns zu einer kleinen Pause entschieden, um das erste Buch der „Wayward Pines“-Trilogie von Blake Crouch zu lesen. Leider hatte der gute Mr. Crouch zwar eine gute und spannende Idee, jedoch vom Schreiben keine wirkliche Ahnung. Die Geschichte wird sehr simpel erzählt. Crouch ist kein Mann der großen Worte, des Wortspiels oder auch nur des Ausschweifens. Crouch schreibt ein bisschen so wie ein 17-Jähriger, der einfach nur mal so schreiben möchte. Viele, viele kleine Absätze, alles schön in Hauptsätzen und fertig. Dementsprechend entwickeln sich die Charaktere kaum wirklich weiter und Crouch beschränkt sich bei seiner Erzählung schön brav auf das Deskriptive: „Erst passiert das, dann passiert das und danach geht es so weiter…“ So hat man so ein Buch innerhalb kürzester Zeit durch… aber statt da einfach aufzuhören, muss ich zu unserer Schande gestehen, haben wir weitergelesen. Schließlich wollten wir ja wissen, was Crouch da noch so zu diesem geheimnisvollen Ort erfindet.

Wahrscheinlich hätten wir nach den Büchern wirklich mit der Serie an sich aufhören sollen, aber wahrscheinlich waren wir einfach zu sehr davon fasziniert, wie aus dieser wirklich nicht sonderlich empfehlenswerten Buch-Reihe eine ebenfalls nicht sonderlich empfehlenswerte Serie wird, die das Buch sogar noch verschlimmbessert, in dem es sich eine Ergänzung zur eigentlichen Geschichte erlaubt.

Ich will jetzt wirklich nichts spoilern… für den Fall, dass jemand noch „Wayward Pines“ eine Chance geben möchte. Denn vielleicht rührt meine Missgunst auch daher, dass ich die Bücher gelesen hatte, aber die Serie ist wirklich nicht die Zeit wert, die wir ihr geschenkt haben. Ähnlich wie in den Büchern bleiben die Charaktere sehr blass. Selbst ein Matt Dillon hangelt sich in dieser Serie mehr schlecht als recht von Folge zu Folge. Dazu kommt eine Carla Gugino, die ich eigentlich immer mochte, die der Serie aber auch nicht mehr beisteuern kann. Ex-Hydra-Kämpfer Toby Jones spielt den geheimnisvollen Strippenzieher – und verspielt die Rolle komplett. Sein David Pilcher ist ein kleines, nerdiges Würstchen, das selbst ein Blake Crouch in seinen Bücher zumindest ein bisschen interessanter gezeichnet hat. Ebenfalls mit im Boot ist Oscar-Preisträgerin Melissa Leo in einer Rolle, die für diese Serie noch die interessanteste von allen ist, aber selbst bei ihr hatte ich immer so meine Schwierigkeiten.

Dazu kommt die Handlung, die sich von Folge zu Folge mehr und mehr in Logiklöchern verliert. Wie gesagt, ich will nicht zu viel spoilern, deswegen halte ich mich wage, aber ein Beispiel kann ich nennen: da wird die ganze Zeit von ständiger Überwachung gesprochen, aber immer wieder in dieser Serie haben die Leute kein Problem damit, sich über Geheimnisse zu unterhalten, sich ein bisschen in Untergrundbewegungen zusammenzufinden, ohne das die Wayward-Pines-Überwachung viel dagegen unternehmen kann.

Insgesamt hat mich „Wayward Pines“ einfach nicht wirklich vom Hocker gehauen, aber die Bücher waren dafür halt einfach schon ein zu gutes Indiz. Den Büchern liegt eine durchaus interessante Idee zur Grundlage, die aber nicht ausgebaut wurde. Anstatt diesen Fehler zu beseitigen, belässt es die Serie dabei… und konzentriert sich eigentlich auch nur darauf, in bester Shyamalan-Manier alles daran zu setzen, uns mit der großen Auflösung in Staunen versetzen zu wollen. Dass dabei viele der Charaktere untergehen und uninteressant bleiben, scheint da nicht sonderlich zu stören.

Aber naja… das Gute an „Wayward Pines“ Staffel 1 ist, dass man das Ganze als abgeschlossen betrachten könnte. Zumindest wird die Geschichte zu einem „guten“ Ende geführt und es gibt, wie in jedem guten Horror-Film, so ein überraschenden Epilog. Der ist in diesem Fall überraschend genug, dass ich es mir sogar überlegen würde, zumindest mal die erste Folge der zweiten Staffel zu schauen… denn dann, so viel darf ich vielleicht an dieser Stelle verraten, betritt die Serie nämlich Neuland. Schließlich wurden alle drei Bücher mehr oder weniger in der ersten Staffel untergebracht… was auch wieder nicht besonders für die Bücher spricht.

Wertung: 5 von 10 Punkten (ohne das Lesen der Bücher wäre die Serie vielleicht minimal besser gewesen, weil die Überraschung der Auflösung da gewesen wäre… der Rest würde aber bleiben)

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9 Kommentare leave one →
  1. 22. Juli 2016 08:12

    Schön deine Einschätzung noch einmal ausführlich zu lesen. Da habe ich die Serie tatsächlich um einiges positiver wahrgenommen, wenngleich ich vielen deiner angesprochenen Punkte durchaus zustimmen kann.

    • donpozuelo permalink*
      22. Juli 2016 14:57

      Ja, ich glaube, viel hängt halt echt damit zusammen, dass ich die Bücher vorher kannte… aber naja… ich bin sehr gespannt, was sie aus der zweiten Staffel machen, für die es ja keine Vorlage mehr gibt.

  2. 22. Juli 2016 21:23

    Die Bücher kenne ich nicht, aber die Serie mochte ich schon sehr, auch wenn es ein Paar Hänger gab, an sich fand ich die Idee toll.
    Gut, vielleicht machen sie es wie in „Lost“ und hängen ein paar Staffel ran, um sich dann endlos über jeden einzelnen Charakter auszulassen, von Geburt an bis zum nächsten Paradoxon :)) Nein, sorry ich stichle nur. ;))
    Ist sicher keine 10er Serie, aber ich fand sie durchaus ansehbar und unterhaltsam.

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2016 22:43

      Keine „LOST“-Vergleiche, bitte 😀

      Ich bin mal tatsächlich auf die zweite Staffel gespannt. Die Idee ist ja wirklich nicht schlecht und vielleicht können die Macher jetzt, da sie die Bücher alle brav verfilmt haben, eigene Wege gehen, die sich ein wenig interessanter gestalten.

  3. 22. Juli 2016 22:32

    Ja, ich fand die Serie auch nicht so wahnsinnig gut. Glaube, die hat bei mir 6 oder 7 von 10 Punkten kassiert. Kann leider trotz der interessanten Prämisse nicht mit Genre-Kollegen wie Twin Peaks mithalten. Und letztendlich wirkt vieles zusammengebastelt aus anderen Medien wie Under the Dome usw. Da ist zuviel bekanntes, zu wenig Neues. Und ja, die Charaktere sind auch sehr sehr blass, die Entscheidungen manchmal wirklich sehr irrational. Irgendwie hatte ich trotzdem ein bisschen meinen Spaß daran, zumindest teilweise.
    Aber ich finds sehr spannend, dass du was zu den Büchern sagen kannst – das interessiert mich immer sehr inwiefern sie sich an die Bücher halten. Oder wie in dem Fall, dass die Bücher scheinbar so banal geschrieben sind. Irgendwie bin ich automatisch dem Verdacht erlegen, dass wenn die Serie so ’naja‘ ist, die Bücher evtl. besser sind. Aber krass, dass diese Handlung auf drei Bücher gestreckt wurde … bei der einen großen Erkenntnis über die tatsächliche Jahreszahl kann ich mir das gut vorstellen, War bestimmt das Ende des ersten Bandes oder sowas 😉

    • donpozuelo permalink*
      24. Juli 2016 22:45

      Ja, so in etwa… Band 1: Wir erfahren, was es mit der Stadt auf sich hat. Band 2: Wir erfahren mehr über die Welt um die Stadt und Band 3: Der Kampf um die Stadt. Es wäre fatal gewesen, wenn sie jedem Buch eine Staffel geschenkt hätten… das hätte wahrscheinlich kein Mensch durchgehalten 😀

      So ist es nicht schlecht… und ich bin jetzt schon gespannt, ob sie in der zweiten Staffel vielleicht besser werden, weil sie sich an nichts mehr halten müssen. Einen Blick werde ich auf jeden Fall noch in die zweite Staffel werfen.

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