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Kontrollierter Sinkflug

18. Juli 2016

Roland Emmerichs „Independence Day“ war tatsächlich der erste Film überhaupt, den ich als Junge mehrmals im Kino gesehen habe. So was gab es für mich damals nie… man ging einmal ins Kino und das war’s dann. Aber Emmerichs Zerstörungsorgie, die uns dann in einen gemeinsamen Unabhängigkeitstag führte, begeisterte mich so sehr, dass ich einfach nicht anders konnte, als mich noch einmal in den Film zu schleichen. Und mit Schleichen meine ich das fast wörtlich… denn meinen Eltern erzählte ich, ich würde einen anderen Film schauen (aus Angst, sie würden es nicht gut heißen, wenn ich einen Film doppelt im Kino sehen würde). Somit verbinde ich mit „Independence Day“ schon eine Menge… das war so mein großer erster Kino-Blockbuster, meine erste Doppel-Sichtung und auch ein bisschen eine Weiterführung meiner Sucht nach Katastrophen- und Monster-Filmen… und das war „Independence Day“ ja gleich im Doppelpack. Was hätte man sich als Junge mehr wünschen können???

Nun ist dieser Junge zwanzig Jahre älter geworden und ein Roland Emmerich hat sich unbewusst daran gemacht, die guten Erinnerungen dieses Jungen auszunutzen – indem er „Independence Day – Wiederkehr“ dreht. Darin kehren besagte Aliens wieder… stärker denn je – und obwohl die Menschheit seit dem letzten Angriff viel von der Technologie der Aliens übernommen hat, sind sie auf diesen erneuten Angriff nicht gut genug vorbereitet. Einmal mehr müssen David Levinson (Jeff Goldblum) und jetzt Ex-Präsident Thomas Whitmore (Bill Pullman) in den Krieg ziehen. Dieses Mal ohne die Hilfe von Will Smith, dafür mit dessen Filmsohn Dylan (Jessie Usher), einem absoluten Fliegerass sowie Jake (Liam Hemsworth) und Whitmores Tochter Patricia (Maika Monroe, die junge Dame aus „It Follows“).

Hör mal, wer da Signale aus dem Weltall wieder hört…

Oh weh… oh weh… Fortsetzungen, die zwanzig Jahre nach dem Original gedreht werden, stinken immer sehr danach, als suche man nach einer einfachen Einnahme-Quelle. Man packe heutzutage noch eine in China bekannte Schauspielerin (in diesem Fall Yang Ying) mit dazu, verschnürt das Ganze mit einer netten Großaufnahme der chinesischen Flagge und schon kann man sich eigentlich ziemlich sicher, dass der Film bei seinen weltweiten Einnahmen zu einem guten Ergebnis kommen wird. So oder so ähnlich muss sich das dann wohl leider auch der gute Onkel Emmerich gedacht haben, als er sich dieses wirklich gruselige Sequel erträumt hat.

F Ü N F Drehbuchautoren (inklusive Emmerich) haben an dem Skript geschrieben… aber mehr als „bigger is better“ ist ihnen nicht eingefallen. Nun ist Emmerich ja nie sonderlich bekannt gewesen für ausgefallene und tiefgründige Geschichten, aber in seiner ersten großen Fortsetzung kümmert er sich noch viel weniger um irgendwas. Hauptsache ist, es knallt ordentlich. Doch bevor er es so richtig knallen lässt, gibt es eine gefühlte Ewigkeit, den scheinbar dringend notwendigen Fan-Service… der einfach nur darin besteht, die alten Hasen des Originals wiederauftauchen zu lassen (inklusive derjenigen, von denen wir fest überzeugt waren, sie wären tot… aber wenn in Soaps ein Koma einen vermeintlichen Tod erklären kann, ist das für einen Emmerich auch gut genug): Also freuen wir uns auf Goldblum und Pullman und Vivica A. Fox und Judd Hirsch und wie sie nicht alle heißen. Von all denen macht Pullman noch die beste Figur – auch wenn er dieses Mal nur einen schwachen Ersatz einer Motivationsrede abliefert. Bei Goldblum vermisst man den Goldblum-Charme… alles, was er in diesem Film tut, ist verwirrt oder schockiert durch die Gegend zu starren.

Zu all den alten Hasen kommen eine Menge junger Hasen… aber ein Jessie Usher ist kein Ersatz für einen Will Smith, ein Liam Hemsworth ist nie so cool wie sein Bruder Chris und die arme Maika Monroe verkommt ihr zum Love Interest. Dazu führt Emmerich selbst kurz vorm Finale noch eine Gruppe Kinder (angeführt von Joey King, die er seit „White House Down“ liebgewonnen zu haben scheint), die für diesen Film niemand gebraucht hätte (aber wer weiß, ob Emmerich für die nicht im möglichen dritten Teil etwas vorgesehen hat).

Die Charaktere langweilen also eher, weil man sie schnell wieder vergisst… und selbst ihre billigen 90er-Jahre-Einzeiler sind heute lange nicht mehr so cool, wie sie es damals noch gewesen wären. Aber immerhin hat „Independence Day 2“ doch ein 200-Millionen-Dollar-Budget, also muss die Action doch gut sein, oder nicht??? Nope… irgendwie so gar nicht. Das Ganze hat schon fast Bay’sche Ausmaße in Sachen Unübersichtlichkeit, lautem Kabumms und blöden Plottwists. Selbst die jetzige Zerstörungswut kann für mich nicht mit der aus dem Original standhalten. Da hatte sich Emmerich wenigstens auf ein paar kleine, aber feine Sachen konzentriert. Jetzt muss es aber halt noch größer und lauter und krawalliger werden. Das Ganze geht dann von einer Schlacht zur nächsten, vereint ein bisschen mehr von „Alien“ mit ein bisschen mehr von „Cloverfield“. So richtig gute Versatzstücke, erinnerungswürdige Szene hat Emmerich in „Independence Day 2“ trotz toller Effekte nicht… so wie er einst das Weiße Haus explodieren ließ, das war wirklich noch was!

It’s raining houses…

Vielleicht spricht aus mir zu sehr der enttäuschte Junge von damals, der jetzt mit einer billigen Fortsetzung zufrieden gestellt werden soll, dem zu sehr die Faszination dieser Aliens genommen wurde, in dem man ihm eine billig zusammengeschusterte Geschichte von einem intergalaktischen Krieg erzählt – aber „Independence Day – Wiederkehr“ hat mich kaum berührt. Das war mal wirklich langweiliges Krawall-Kino, dass Emmerich doch eigentlich immer so gut konnte. Und jetzt also noch ein „Independence Day 3“??? Oh weh… naja, wenn er sich da auch wieder zwanzig Jahre Zeit lässt, muss er sich vielleicht endlich mal ein paar neue Charaktere ausdenken.

Wertung: 3 von 10 Punkten (da wäre es mir doch lieber gewesen, wir hätten nur einen Unabhängigkeitstag zu feiern)

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11 Kommentare leave one →
  1. 18. Juli 2016 07:48

    Oh so schlecht fand ich ihn nun auch nicht. Er unterhält ja ganz gut, auch wenn die sympathischen Figuren fehlen, mit denen man mitfiebern kann und auch die ikonischen Szenen, an die man sich in 20 Jahren noch erinnert, waren wohl auch nicht dabei. Aber ich hatte tatäschlich schlimmeres befürchtet.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2016 09:53

      Ich fand halt die Figuren überhaupt nicht sympathisch, die haben mich irgendwann einfach alle nur so dermaßen genervt – sowohl die alten als auch die neuen. Naja… ich bin mal gespannt, was er sich dann für den dritten Teil ausdenkt…

  2. 18. Juli 2016 09:10

    Schade, schade, schade. Da schaue ich mir wohl lieber noch einmal den ersten Teil an.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2016 09:52

      Das ist die richtige Entscheidung…

  3. 18. Juli 2016 12:23

    Gut, ich fand ja den ersten Teil schon grottig und darum war ich darauf vorbereitet, dass auch dieser bei mir nicht wirklich Punkten würde. Für mich war er sogar einen Tick weniger nervig, weil weder Will Smith mit seiner Filmbraut (also die ja nur kurz) dabei war und Data diesmal witziger war, aber was solls, Emmerich ist und bleibt teurer Trash.

  4. 18. Juli 2016 12:25

    Ach ja und voll von „Alien2“ so was von frech geklaut…nak nak.

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2016 12:27

      Es ist schon teurer, überall zusammengeklauter Trash… und ja, besonders bei „Aliens“ hat er sich gut bedient, der liebe Emmerich. Nicht nett, gar nicht nett 😀

      • 20. Juli 2016 07:50

        Ich hatte zwischendurch auch den Todesstern im Sinn

        • donpozuelo permalink*
          20. Juli 2016 09:36

          Ein bisschen „Top Gun“ war auch dabei… halt alles schön zusammengeklaut.

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