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Der schlimmste Mann auf der Welt

15. Juli 2016

Jeder macht jetzt Serien! Wirklich jeder!!! Und wahrscheinlich ist es mittlerweile auch ein absolutes Muss, als angesehener Schauspieler oder Regisseur bei einer Serie mitzuwirken. Und die Argumente sind meistens auch immer die gleichen: „Ja, mit so einer Serie kann man die Charaktere viel tiefer ausloten als in einem Film. Man hat ja einfach so viel mehr Zeit! Und neuerdings sind die Möglichkeiten im Serien-Bereich ja auch viel größer als noch vor ein paar Jahren!“ Ja, ja… wir danken dir, HBO, Netflix und wie ihr alle heißt. Aber auch wenn man da jetzt Sarkasmus drin lesen könnte, es ist ja wirklich so. Ich rede mittlerweile häufiger über Serien als über Filme, ich erwische mich sogar dabei, wenn ich unter der Woche noch was gucken will, dann ist mir ein Film meistens zu lang und ich schaue lieber eine Serie. Nur wenn ich dann noch zwei oder drei Folgen aufhöre, denke ich mir: „Okay, ich hätte auch nen Film gucken können!“ Aber so ist das eben, die Perspektive verändert sich…

Und so einen Perspektivwechsel gönnte sich nun auch „Loki“-Darsteller Tom Hiddleston, der unter der Regie von Oscar-Preisträgerin Susanne Bier in einer Serie namens „The Night Manager“ mitwirkte. Das Ganze passiert auf einem Roman von John le Carré, von dem ich noch nie etwas gelesen habe und erzählt die Geschichte des jungen Nachtrezeptionisten Jonathan Pine (Hiddleston), der den Mörder seiner Freundin zur Rechenschaft ziehen will. Dieser Typ ist der Titel gebende schlimmste Mann der Welt, Waffenhänlder Richard Roper (Hugh Laurie). Da an dem auch der britische Geheimdienst und hier ganz besonders Angela Burr (Olivia Colman) interessiert ist, wird Jonathan Pine rekrutiert und in Ropers engsten Kreis eingeschleust, um Informationen zu sammeln, die ihn dingfest machen können.

I want you to want me…

Man könnte „The Night Manager“ auch ohne Probleme, Tom Hiddlestons Bewerbung als nächster James Bond beschreiben. Und wenn wir schon mal dabei sind, schlagen wir Hugh Laurie als nächsten Bond-Schurken, Susanne Bier als ersten weiblichen Bond-Regisseur, Elizabeth Debicki als interessantestes Bond-Girl, Tom Hollander als großartigen Schergen und eine sehr schwangere (also wirklich schwangere, aber umwerfenden) Olivia Colman als guten M-Ersatz vor. Denn mal abgesehen von coolen Gadgets wie fliegenden Autos, explodierenden Stiften und Laser-schießenden Uhren ist „The Night Manager“ eine großartige, kleine Bond-Geschichte… ohne Bond.

Bier inszeniert mit ihrer Mini-Serie eine spannende Spion-Story, die vor allem durch seine großartigen Darsteller lebt (die ich ja eben auch schon alle aufgezählt habe). „The Night Manager“ setzt nicht auf große Action, wilde Verfolgungsjagden oder Schlägereien sucht man hier verzweifelt. Eigentlich ist „The Night Manager“ mehr Drama als Spionage, Bier konzentriert sich sehr auf die einzelnen Figuren, die dabei zum Glück so ausdrucksstark und tiefgründig sind, dass die Beziehungen untereinander immer wieder für kleine, aber extrem spannende Konflikte sorgen. Und auch wenn Biers Serie da so ziemlich jedes Klischee an Charakteren auspackt, bleibt es faszinierend, diesen Menschen bei ihren kleinen und großen Machenschaften zuzusehen. So ist ein Tom Hollander als Ropers rechte Hand wie so ein Joe Pesci aus „GoodFellas“, ein kleiner, zynischer Typ, der Pines Ankunft mit sehr kritischem Blick betrachtet und jede Gelegenheit nutzt, ihm eins reinzudrücken. Auch Elizabeth Debicki spielt die geplagte Schönheit an der Seite des Bösen, wie man es halt gewohnt ist: sie liebt ihn vielleicht irgendwo, hat aber ihre eigene, schmerzhafte Vergangenheit und natürlich verliebt sich unser guter Spion in diese verbotene Frucht… blablabla… wie gesagt, die Charaktere und ihre Handlungen sind klassisch, vielleicht sogar ein bisschen altmodisch und von Anfang an bekannt. Jeder, der auch nur einen Spionage-Film in seinem Leben gesehen hat, wird die Stereotypen darin wieder finden.

Aber noch einmal: wirklich tragisch ist das nicht. Dann ist „The Night Manager“ halt nicht die Neuerfindung des Rads. Hat die gute Frau Bier sicherlich auch nicht gewollt. Sie schafft es trotzdem, uns mit diesem Porträt dieser Menschen zu faszinieren, eben weil die Darsteller einfach umwerfend sind. Hugh Laurie hat mich dabei, neben Tom Hollander, am meisten beeindruckt. Nun ist Hugh Laurie schon ein bisschen vorbelastet, wenn es darum geht, ein Arschloch im Fernsehen zu spielen, aber sein Roper ist wirklich ein umwerfend charmanter und gleichzeitig unheimlich unheimlicher Bösewicht, bei dem man nie so wirklich weiß, was in ihm vorgeht. Tom Hiddleston ist natürlich auch super, aber wenn ich ehrlich sein darf, haben mich halt alle anderen Charaktere ein bisschen mehr fasziniert als er. Er hat seine Aufgabe als Protagonist dennoch gut gemacht und führt gekonnt durch diese Serie, aber je mehr man über die anderen weiß, desto faszinierender werden die.

Dr. House vs. Loki

Neben der klassischen Spionage-Story und den tollen Darstellern punktet „The Night Manager“ durch eine wunderschöne Optik. Wie es sich für einen Bond-Film gehört (wenn wir die Serie immer noch als Bewerbung für den nächsten Bond ansehen wollen), reisen wir einmal quer durch die Welt und dürfen schöne, exotische Orte (und London) bewundern. In bester Hochglanz-Optik lädt uns „The Night Manager“ ein, die Welt der schönen, reichen Bösen zu erkunden… und wenn wir schon bei schöner Optik sind: „The Night Manager“ gehört auf jeden Fall zu den Serien, die ein wirklich, wirklich, wirklich fantastisches Intro haben.

Angesehen davon ist es eine kurzweilige Serie, die trotz ihrer Vorhersehbarkeit spannend ist. Das wiederum verdankt man den wunderbaren Darstellern… von denen jetzt hoffentlich dann alle im nächsten Bond dabei sein werden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (Pine, Jonathan Pine… und er trinkt auch Vodka Martini… mehr muss man doch jetzt nicht mehr sagen, oder?)

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2 Kommentare leave one →
  1. 15. Juli 2016 18:06

    Uh, Elizabeth Debicki 😍

    • donpozuelo permalink*
      18. Juli 2016 10:01

      Haha… da ist wohl jemand Fan 😉

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