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Crazy for Daisy

8. Juli 2016

Ich muss heute mal wieder ein filmisches Geständnis ablegen, für das ich schon des Öfteren entsetzte Blicke geerntet habe: Ich habe noch nie auch nur einen Teil von Wes Cravens „Scream“-Reihe gesehen! So, da… jetzt ist es raus!!! Als der erste „Scream“ rauskam, war ich gerade mal so zarte 13 Jahre alt. Mal abgesehen davon, dass ich „Scream“ dann noch nicht hätte sehen dürfen, hat mich der Film damals auch nicht sonderlich interessiert… womit dann auch geklärt sein dürfte, dass ich die restlichen Filme auch nie gesehen habe. Nun habe ich einen sehr guten Freund, der ein großer „Scream“-Fan ist und der mir immer damit droht, mir die Freundschaft zu kündigen, wenn ich das nicht schnell nachhole. Doch als ich ihm letztens stolz meine Bestellung der Komplett-Box zu „Scream“ mit allen vier Filmen zeigte, meinte er nur: „Halt, stopp!“ und drückte mir „Scream“, die Serie in die Hand… und so wurde ich zu seinem Experiment, ob mir als „Scream“-Neuling die Serie gefallen würde oder nicht. Jetzt habe ich die Serie, produziert von MTV, also ohne jegliches Vorwissen gesehen… und fand sie gar nicht mal so schlecht (und wie gesagt, falls mich Fans der Reihe jetzt dafür hauen wollen, bitte tut es nicht. Ich weiß es doch zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht besser und gelobe, die Filme bald nachzuholen).

Aber kommen wir erst einmal zu „Scream“ als Serie. Die beginnt mit einem ziemlichen fiesen Mord an Highschool-Schönheit Nina (Bella Thorne). Der Mörder, der sich zu dieser Tat bekennt, versteckt sein Gesicht hinter einer Brandon-James-Maske, ein Junge, der vor knapp 20 Jahren schwer verliebt in eine gewisse Daisy war und deswegen mehrere Morde beging. Ist der Killer also ein James-Fan? Wahrscheinlich… denn Hauptziel seiner Attacken sind Freunde im Umfeld der jungen Emma (Willa Fitzgerald), deren Mutter wiederum jene geheimnisvolle Daisy (Tracy Middendorf) ist. Und der Killer droht Emma, dass mit ihr alles endet wird. Gemeinsam mit ihren Freunden, der sarkastischen Audrey (Bex Taylor-Klaus), dem nerdigen Noah (John Karna), der sexy Brooke (Carlson Young) und noch einer ganzen Reihe, die ich jetzt alle nicht aufzählen werde, versucht Emma, die Identität des Mörders zu enthüllen und am Leben zu bleiben.

Schrei, wenn du kannst…

Wie gesagt, wie sehr sich „Scream“, die Serie, an „Scream“, den Film hält, kann ich jetzt nicht beurteilen. Die Tatsache, dass der leider verstorbene Wes Craven als Produzent für die Serie tätig war, verrät mir aber zumindest, dass der Altmeister des Gruselns sicherlich dafür gesorgt haben wird, dass seinen Filmen in der Serie genug gehuldigt wird. Aber als komplette „Scream“-Jungfrau hatte ich meinen Spaß an diesem „Wer ist der Mörder“-Spiel? In den zehn Folgen wird immer brav eine weitere Person eliminiert… und man sich nie so sicher ist, wer der Mörder hinter der Maske ist. Witzig fand ich tatsächlich, dass aus dieser Gruppe von Menschen wenigstens immer einer oder auch mal zwei wegen irgendetwas nicht mit den anderen mitgehen können… und so als mögliche Kandidaten für den Mörder in Betracht gezogen werden können. Allerdings passiert das mit jeder Folge von Neuem, so dass die Karten ständig neu gemischt werden – zumal ja auch in jeder Folge wenigstens eine dieser „Karten“ auf dem „Ermordet“-Stapel landet. So war ich auf jeden Fall immer brav am Rätseln und hatte am Ende komplett auf die falsche „Karte“ gesetzt, was mich gefreut hat… im Nachhinein, wenn ich darüber nachdenke, hätte mir durchaus früher klar sein können, wer der Mörder ist, aber was soll’s???

Wie es sich für eine Neuinterpretation für eine neue Generation von Horror-Fans gehört, ist „Scream“ auch sehr modern gehalten. Da geht’s dann halt auch um Cybermobbing, die Telefone sind ständige Begleiter, da wird sich fröhlich durch das Internet gehackt. Alles schön und gut, aber meiner Meinung nach treiben es die Macher der Serie damit ein kleines bisschen zu weit. Ja, okay… Noah ist der Nerd, mit den Horror-Film-Zitaten und ein Geek am Rechner, aber selbst für ihn sollte das hier alles ein bisschen zu viel sein.

Ein bisschen zu viel waren dann auch die überaus attraktiven MTV-Menschen, die man hier vorgesetzt bekommt. Wenn ich ehrlich sein soll… und ich finde es fast schon komisch, diesen Satz aufzuschreiben… waren mir all diese Darsteller zu perfekt. Also vom Aussehen her! Selbst die vermeintlich „Hässlichen“ waren immer noch wunderschön und perfekt. Da hätte ich mir doch gewünscht, dass MTV auch ein paar echte Ecken und Kanten einbaut – zumal, und das ist jetzt etwas stärker zu werten als die Attraktivität der Schauspieler, sind die einzelnen Charaktere ein bisschen sehr flach und oberflächlich. Willa Fitzgerald wird einem zwar als Hauptprotagonistin vorgesetzt, aber wenn ich ehrlich bin, habe ich bei ihr nicht so richtig mitgefiebert. Ein trauriges Phänomen, was man leider auf alle anderen Charaktere übertragen kann… letztendlich waren sie nur „Futter“ für den Mörder, richtig gefesselt hat mich keiner von denen. Außer vielleicht Noah, weil er halt für den ironischen Kommentar und die durchaus witzigen Film- und Serien-Zitate sorgt und Audrey, weil sie zumindest ein bisschen abseits der Norm dieser Serie als Charakter steht.

Letztendlich ist die erste Staffel „Scream“ eine Aneinander-Reihung von Mordfällen an wunderhübschen Menschen, die einen dann mehr durch die Art ihrer durchaus sehr blutigen Todesfälle „begeistern“ als durch ihre Rollen selbst. Dennoch hatte ich durchaus meinen Spaß, was hauptsächlich einfach daran lag, dass die Serie ziemlich gekonnt verschleiert hat, wer am Ende hinter der Maske verborgen ist.

Und ja, bevor jemand fragt, Staffel 2 werde ich mir sicherlich auch noch anschauen… denn der Cliffhanger im Finale war schon recht spannend und hat mich auch etwas unerwartet erwischt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (hübschen Menschen passieren unhübsche Dinge in einer hübsch erzählte Whodunit-Serie)

13 Kommentare leave one →
  1. Ma-Go Filmtipps permalink
    8. Juli 2016 06:51

    Bei mir ist es anders rum. Ich habe die Filme gesehen, die Serie jedoch nicht. Das was du da aber beschreibst, das Rätseln und die selbstironischen Einschübe („Wir sollten uns nicht trennen. Immer wenn die in Horrorfilmen das tun, stirbt jemand.“ →tot) waren auch bei mir der Grund, warum ich die Filme mochte.

    • donpozuelo permalink*
      8. Juli 2016 09:18

      Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die Filme. Wie gesagt, gekauft sind sie schon… jetzt muss ich sie nur noch gucken 😀

      Aber die Serie kann ich sehr empfehlen – zumindest als Unwissender 😉

  2. 8. Juli 2016 07:47

    Der erste „Scream“ war bei mir damals eines der krassesten Kinoerlebnisse. Komplett ohne Vorwissen reingestolpert, um ein wenig Zeit zu überbrücken, und völlig mitgerissen worden. Von der Serie hatte ich den Piloten gesehen und war nicht sehr begeistert. Vielleicht schaue ich irgendwann nochmal rein…

    • donpozuelo permalink*
      8. Juli 2016 09:19

      Ja, einer meiner Freunde, der auch sehr großer „Scream“-Film-Fan ist, hat anfangs bei der Serie auch gedacht, er will es nicht weitergucken, war dann am Ende aber selbst recht begeistert. Wahrscheinlich muss man sich als Fan der Reihe da wirklich etwas vorsichtiger rantasten, während ich als Scream-Jungfrau eigentlich gleich von Anfang an meinen Spaß hatte.

  3. 8. Juli 2016 11:30

    Die Serie braucht ein bisschen, um in dieGänge zu kommen. Aber sie fängt schon ganz gut ein, was den ersten Film damals so gut gemacht hat. Und verlagert das auch noch gut in die Gegenwart. Die weiteren Filme waren aber leider eher schlecht.

    • donpozuelo permalink*
      8. Juli 2016 11:48

      Ja, das ist wohl wahr… aber danach geht die Serie auch schon gut ab. Ich habe so nach den ersten zwei Folgen alles ziemlich schnell durchgesuchtet

  4. 13. Juli 2016 10:36

    Wusste gar nicht, das es da eine Serie gibt. Irgendwie ist dieses Prinzip aus kultigen Filmen Serien zu machen der neue Trend.

    • donpozuelo permalink*
      13. Juli 2016 12:27

      Absolut… aber es gibt halt auch gute Beispiele dafür, dass es funktioniert.. siehe halt „Scream“ oder „Fargo“.

      • 13. Juli 2016 22:55

        „Fargo“ habe ich noch nicht gesehen. Bei Amazon Prime gibt’s derzeit „12 Monkeys“ als Serie und auch „From dusk till dawn“ wurde ja bereits seriell verarbeitet.

        • donpozuelo permalink*
          14. Juli 2016 08:57

          An „12 Monkeys“ wollte ich mich auch mal trauen. Ich mag ja den Film sehr. „From Dusk till Dawn“ habe ich sogar zuhause stehen, nur noch nicht gesehen.. „Fargo“ ist aber wirklich sehr zu empfehlen!!!

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