Skip to content

Tarot-Poesie

6. Juli 2016

Mich würde ja mal brennend interessieren, wie sich so ein Schauspieler fühlen muss, wenn er heutzutage bei einem Terrence-Malick-Dreh dabei ist. Wenn man sich so die letzten Filme wie „Tree of Life“ oder „To The Wonder“ anschaut, dann hat man das Gefühl, der Schauspieler oder die Darstellerin bekommt eine Aufgabe: träumerisch durch malerische Gegenden zu laufen. Es wird immer viel gegangen in neueren Malick-Filmen. Stillstand existiert nicht. Aber letzten Endes scheint nur ein Terrence Malick zu wissen, worum es am Ende in seinem Film wirklich gehen wird. Ich finde das faszinierend… vor allem, wenn man bedenkt, wie aufwändig die Filme immer gedreht sind. Das ist nichts wirklich im Studio, sondern immer draußen, immer an faszinierenden Plätzen… da muss wenigstens ein Mann eine Vision haben. Und der heißt Malick.

In seinem letzten Film „The Knight of Cups“ wird es noch einmal verwirrender, elegischer, poetischer als zuvor. Was ich sagen kann, ist folgendes: Wir begleiten Drehbuchautor Rick (Christian Bale) durch verschiedene Stationen seines irgendwie leeren Lebens. Und jede dieser Stationen ist nach einer Tarot-Karte benannt. Da treffen wir seine Ex-Frau (Cate Blanchett), seinen Bruder (Wes Bentley) und die zahlreichen Frauen, die sein Leben auf eine bestimmte Art und Weise bewegt haben – unter anderem Freida Pinto, Teresa Palmer, Imogen Poots, Natalie Portman und Isabel Lucas.

Die hätten mal lieber FKK machen sollen…

Wie schon die beiden genannten Vorgänger ist auch „Knight of Cups“ kein wirklicher Film-Film, sondern auch wieder ein hypnotischer Bilderreigen, ein endloser Gedankenfluss durch eine Welt der Oberflächlichkeiten. Es ist faszinierend, dass sich Malicks letzte drei Filme so gleich anfühlen und doch so komplett unterschiedlich sind. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen, dass „To The Wonder“ für mich persönlich der zugänglichste ist, weil er vielleicht durch das Thema der Liebe für jeden einen Anhaltspunkt bietet. Danach kommt „Tree of Life“ und danach „Knight of Cups“.

Ja, „Knight of Cups“ fordert noch ein bisschen mehr von seinem gewillten Zuschauer. Denn hier geht Malick noch viel mehr in seinem filmischen Essay auf. Eine Chronologie ist nicht wirklich zu erkennen, dafür springt der Film zu oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Irgendwann verliert man den Überblick, was bloße Erinnerung ist und was gerade gelebt wird. Aber letztendlich ist das auch nicht wirklich wichtig, erzählt jede Episode, jede Tarot-Karte etwas Neues über unseren schweigsamen Protagonisten Rick. Leider sind es dann irgendwie zu viele Episoden, zu viele Fragmente aus Ricks Leben, die uns doch nicht wirklich viel über diesen Mann erzählen. Vielleicht ist allein schon das Statement, das Malick zu Hollywood und seinen Bewohner geben möchte, vielleicht sind in seinen Augen die Menschen dort genau so wie Rick. Menschen, die gefühlt jeder zweiten Person irgendwelche Versprechen geben, nur um sie dann vor den Kopf zu stoßen, weil sie doch nur kleine Egoisten sind. Das zumindest ist das einzige, was ich wirklich über diesen Mann Rick gelernt habe: dass er ein Egoist ist. Oder verblendet von der Traumwelt, in der er sich bewegt, sodass er sich an nichts wirklich binden kann…

Keine Ahnung… ich habe mich ein bisschen verloren gefühlt in diesem Film, der aber immerhin die gleiche Opulenz zeigt wie seine beiden Vorgänger. „Knight of Cups“ ist ein wunderschön anzuschauender Bilderreigen, untermalt mit traumhafter Musik und jeder Menge großen Namen, von denen aber leider kein einziger wirklich richtig überzeugt. Im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Filmen waren mir in „Knight of Cups“ die einzelnen Schicksale irgendwann komplett egal, vielleicht weil mir Christian Bale und sein Rick einfach nicht nahe genug gingen. Armer reicher Mann, der von Party zu Party springt, von Frau zu Frau… wenn ich es schaffe, dann leide ich mal kurz fünf Sekunden mit dir.

Naja… gut. „Knight of Cups“ ist jetzt nicht so meins gewesen, ein etwas schwerfälliger und (ich kann kaum fassen, dass ich das so schreibe) zu verkopfter Film, der zu viel in der Dramatik seiner Sinnsuche schwelgt ohne wirklich eine Offenbarung für Rick oder uns als Zuschauer bietet – denn selbst Armin Müller-Stahl als Priester, der uns Gott als Erklärung gibt, der das Leiden unterstreicht, hat mir nicht wirklich weiter geholfen. Aber gut… ich bin jetzt nur mal gespannt, was Malick wohl als nächstes machen wird.

Wertung: 5 von 10 Punkten (Sinnsuche in wunderschönen Bildern, die nicht an die Vorgänger heranreicht)

Advertisements
11 Kommentare leave one →
  1. 6. Juli 2016 20:05

    Fand ich auch überhaupt nicht gut. War mir alles zu gewollt und ein unsympathischer Hauptcharakter. Für mich heißt das: nie wieder Malick. Ist gar nicht mein Fall.

    • donpozuelo permalink*
      7. Juli 2016 09:03

      Ich werde Malick wahrscheinlich immer noch irgendwie eine Chance geben, aber „Knight of Cups“ hat es mir da auf jeden Fall schwerer gemacht, demnächst noch ins Kino zu gehen.

  2. 6. Juli 2016 20:18

    Naja, immerhin hat er es visuell drauf. Mit der langsamen, verschnörkelten Erzählweise komme ich bei Malick auch nicht klar. Hab den Film auch noch nicht gesehen, obwohl ich ja sonst immer alle noch so kleinen Filmschnipsel mit Ms. Portman aufsauge…

    • donpozuelo permalink*
      7. Juli 2016 09:05

      Visuell sind seine Filme immer sehr beeindruckend, erzählerisch sind es halt mehr Essays als richtige Filme, ein filmischer Gedankenfluss, dem man aber nicht immer gut folgen kann.

  3. 7. Juli 2016 00:09

    Ich glaube, wenn der Film einen Punkt hat (und mein Eindruck von allem, was ich über Malick-dreharbeiten gelesen habe, ist, dass nicht mal Malick selbst am Anfang des Drehs weiß, was am ende dabei rauskommen soll – was ich persönlich für sehr interessant halte), dann ist das gerade das Ein-wenig-verloren-Fühlen – eben das, was Bales Figur verkörpert und per Voice-over und sinnigen Blicken an das Publikum weitergeben soll. Gepackt hat mich das nicht – ein „Thin Red Line“ oder „New World“ ist bei Weitem nicht dabei rausgekommen. Aber selbst wenn ich seine Filme nicht mag, sind sie immer noch um so vieles interessanter als so ziemlich alles andere, das so in der Kinolandschaft herumfleucht.

    • donpozuelo permalink*
      7. Juli 2016 09:07

      Ja, so denke ich auch. Ich glaube, ich werde mir nach wie vor auch weiterhin seine Filme anschauen, weil sie halt wirklich so anders sind, aber mit dem hier habe ich mich schwer getan.

  4. 7. Juli 2016 07:18

    Ganz großes Kino! ❤

  5. 7. Juli 2016 10:51

    Ich habe bisher nur KNIGHT OF CUPS von Malick gesehen und war ziemlich verwirrt. Der Film hat überhaupt keinen Sinn gemacht. Das einzig Positive war, dass ich eine ganz gute Filmkritik (https://filmkompass.wordpress.com/2015/09/25/knight-of-cups-omu-2015/) zu dem Film geschrieben habe. Eine, die meine Frustration recht gut einfängt. Ich finde fünf von 10 Punkten immer noch viel zu gut bewertet. Aber das ist wohl Geschmackssache.

    • donpozuelo permalink*
      7. Juli 2016 12:30

      Gut, wenn es auch noch dein erster Malick war, kann ich die Verwirrung und die Frustration sehr gut verstehen. „Knight of Cups“ ist vielleicht auch nicht unbedingt der Film, mit dem man bei Malick anfangen sollte… 😀

  6. 11. Juli 2016 08:15

    Jetzt musste ich kurz nachschauen bei mir: 2,5/5 – same rating, schwacher Film. Selbst für Arthouse doch eher schwach.

    • donpozuelo permalink*
      11. Juli 2016 10:34

      Ja, der war sich selbst zu arthousig… schöne Bilder, schwache „Story“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: