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Flieg, stolzer Adler, flieg!!!

29. Juni 2016

Ich hatte letztens das Vergnügen, das erste Mal in meinem Leben Europa verlassen zu dürfen. Das erste Mal so richtig verdammt lange in einem Flugzeug sitzen zu dürfen… und das erste Mal einen Film in einem Flugzeug gucken zu dürfen… auf diesen verdammt kleinen Monitoren, die in der Lehne vom Vordermann eingebaut sind und sich besonders gut gucken lassen, wenn der Vordermann sich ständig hin und her bewegt. Aber hey, endlich mal was anderes. Tja, die Auswahl war dann auch erstaunlich groß, so dass ich mich anfangs erst gar nicht entscheiden konnte. Also fiel meine erste Wahl auf „Deadpool“. Doch nachdem der vorbei war, dachte ich mir: „Nein, du musst dir hier Sachen angucken, die du noch nicht gesehen hast!“ Und so vielen Sachen wie „Star Wars“ oder „The Hateful 8“ schonmal weg… zumal das beides nicht wirklich Filme sind, die man auf so einem Mini-Bildschirm sehen sollte. Und so entschied ich mich nach dem Merc with a Mouth für den Ski-Springer mit der komischen Brille.

Michael „Eddie“ Edwards (Taron Egerton) ist überzeugt davon, dass er zu Großem bestimmt ist: Er will zu den Olympischen Spielen… und durchleidet dafür so einiges. Während seine Eltern nie so wirklich an die übergroßen Träume ihres Sohnen glauben, ist Eddie nicht zu bremsen. Und egal, ob er sich alle Knochen bricht, Eddie wartet einfach, bis alles verheilt ist und macht weiter. Als er mit dem Skifahren anfängt, zeigt er sogar ein wenig Talent, gewinnt Pokale und sieht seinen Traum von Olympia schon in greifbarer Nähe. Doch leider wird er aus dem Kader ausgeschlossen… doch ein Eddie gibt nicht auf. Stattdessen findet er das Ski-Springen… und will dort für Großbritannien antreten. Mit der widerwilligen Hilfe des ehemaligen Springer-Asses Bronson Peary (Hugh Jackman) trainiert Eddie nun hart, um seinen Traum von Olympia doch noch wahr werden zu lassen.

Wolverine und der Kingsman beim Chillen…

Da haben wir mit „Eddie the Eagle“ also mal wieder einen klassischen Underdog-Film, der sich vor allem darauf ein bisschen ausruhen kann, dass die ganze Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Und das ist vielleicht genau der Aspekt, der diesen Film so liebenswert macht. Im Gegensatz zu all den Rockies dieser Welt ist der tapfere und nicht klein zu kriegende Eddie eine echte Person… so mögen die einzelnen Etappen seines Lebens zwar wie aus einem billigen Klischee wirken, dennoch sind sie wahr. Und manchmal ist die Wahrheit ein bisschen unglaublicher als die Fiktion. Regisseur Dexter Fletcher setzt diese Wahrheit in bekannter Methode um… wir leiden ein bisschen mit Eddie, wir feiern mit Eddie, wir fiebern mit Eddie mit. Es gibt die klassischen Trainingsmontagen, es gibt die klassischen Verlierer-Momente, es gibt die klassischen Sieger-Momente. Immer gut unterlegt mit Musik… halt das übliche Programm für einen Film – ob nun basierend auf wahren Begebenheiten oder nicht.

Aber „Eddie the Eagle“ hat mich trotzdem bestens unterhalten… und das obwohl ich mit der ganzen Ski-Spring-Thematik nun wirklich nicht viel am Hut habe. Ich bin ein Junge von der Ostsee, mit dem Schlitten einen kleinen Hügel runter fahren, ist für mich mehr als genug Wintersport. Alles andere ist mir zu riskant 😀 Letztendlich geht’s ja aber auch in „Eddie the Eagle“ nicht wirklich um den Sport an sich, sondern viel mehr um Eddie. Theoretisch hätte man diese Type auch zu jeder anderen Sportart packen können, denn der Mensch Eddie allein ist interessant genug.

Dieser Typ symbolisiert wohl wie kein zweiter, was Sportgeist wirklich bedeutet. Ob die anderen nun lachen oder nicht, wenn der Mann sich ein Ziel gesetzt hat, dann macht er alles, um es auch zu erfüllen. Dexter Fletcher geht dabei sehr sorgfältig mit diesem charmanten Kerl um. Auf der einen Seite können wir immer mit und auch über Eddie lachen, auf der anderen Seite kommen wir aber nicht drum herum, diesen Mann zu bewundern. Und gleichzeitig dazu „Kingsman“ Taron Egerton, der hier Mut zur Hässlichkeit besitzt, der sich ja wohl definitiv eine Gesichtslähmung geholt haben muss bei all dem merkwürdigen Mund-Verziehen. So wie der im ganzen Film die Mundwinkel ständig so komisch nach unten zieht, könnte Karl Urban für „Dredd“ bei ihm noch was lernen. Egerton verkörpert diesen ungewöhnlichen Helden auf sympathische Art und Weise als sturren Hitzkopf, der dann auch noch in bester Buddy-Komödien-Form immer wieder mit Hugh Jackman aneinander gerät. Jackman scheint sichtlich Spaß daran zu haben, mal nicht so sehr im Mittelpunkt zu stehen… und geht darin regelrecht auf.

„Eddie the Eagle“ ist leichte und äußerst unterhaltsame Kost; ein Sport-Film, bei dem selbst ich als Ski-Sport-Un-Fan so richtig mitgehen kann; ein Film, der wie kein anderer dem olympischen Geist gerecht wird… und ein Film, der ganz nebenbei auch noch amüsant auf „Cool Runnings“ verweist (aber das jetzt wirklich nur so am Rande 😉 )

Wertung: 8 von 10 Punkten (die klassische Underdog-Story mit tollen Darstellern)

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5 Kommentare leave one →
  1. 1. Juli 2016 07:42

    Fand ihn auch gut, ein richtig schöner Gute-Laune-Film! Der Hauptdarsteller war mir aber völlig unbekannt – aber vielleicht hatte ich ihn auch einfach nicht erkannt.

    Bist du auch etwas erschrocken, als auf einmal Iris Berben mit dabei war? Mit sowas rechnet man doch nicht.

    • donpozuelo permalink*
      1. Juli 2016 09:44

      Hahaha… ja, mit der Berben hatte ich wirklich nicht gerechnet, aber ich fand sie ganz gut in der Rolle. Hat irgendwie genau gepasst… auch wie sie Eddie zu Beginn so ein bisschen anmacht.

      Und ja, Taron Egerton ist gerade so ein bisschen im Kommen. Ich kann dir echt nur „Kingsman“ empfehlen. Sehr cooler Film.

  2. 6. Juli 2016 22:12

    Ha, ich bin aus Brandenburg … Schlittenfahren ist auch der einzige Wintersport den ich verkraften kann XD XD Eislaufen ist schon grenzwertig …
    aber der Film steht trotzdem auf meiner Liste.

    • donpozuelo permalink*
      7. Juli 2016 09:06

      Ja, Eislaufen ist auch nicht so meins… ich war letztes Jahr hier in Berlin mal auf dieser Eisbahn am Potsdamer Platz… da hat sich gezeigt, dass ich da nicht hingehöre 😀

Trackbacks

  1. Kritik: Eddie The Eagle | filmexe

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