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Porno mit Story

6. Juni 2016

Ich habe erst letztens noch einmal Arnold Schwarzeneggers „Predator“ geguckt. Warum auch nicht? So ein furchtbar männlicher Film hilft meinem ohnehin lahmen Bartwuchs, vor lauter Testosteron schwillt die Brust ein bisschen an und ich fühle Minuten nach dem Film den Drang, männlich auf etwas zu schießen. Aber dieses Mal war das nicht das Einzige, was „Predator“ in mir auslöste. Denn ich bemerkte in dem furchtbar albernen Abspann, in dem die Darsteller alle eine witzige, vollkommen „natürlich“ wirkende Pose für die Kamera machen und dann ihr Name unter ihnen erscheint, etwas, das mir vorher gar nicht aufgefallen war. Unter all diesen männlichen Männern und der einen Dame war eine Name, den ich tatsächlich auch kannte – nur halt nicht als Schauspieler. Shane Black, der Erschaffer von „Lethal Weapon“, von „Last Boys Scout“, der Regisseur von „Kiss Kiss Bang Bang“ und „Iron Man 3“, spielt in „Predator“ tatsächlich mit… zwar hat er keine Chance gegen den Predator, aber er stirbt in diesem männlichen Film einen ehrenvollen Tod. Das war so meine Entdeckung des Tages, eine Entdeckung, die „Predator“ gleich noch einmal um einiges cooler gemacht hat – vor allem, wenn man bedenkt, dass Black ja wohl auch an einem Reboot oder irgendwas in der Art arbeitet… sehr cool.

Doch bevor es soweit ist, steht erst einmal Shane Blacks dritte Regie-Arbeit ins Haus: „The Nice Guys“… und darin geht es wirklich um einen Porno mit Story bzw. mit einer echten Botschaft. Doch weil gewisse Menschen nicht wollen, dass andere Menschen diese Botschaft hören, gibt es ein paar Tote. In dieses kleine Chaos geraten dann die beiden recht unterschiedlichen Privat-Schnüffler Holland March (Ryan Gosling), ein echter Tollpatsch, dessen Tochter Holly (Angourie Rice) im wahrsten Sinne des Wortes das Steuer in der Hand hat, und Auftragsschläger und Ex-Cop Jackson Healy (Russell Crowe). Dieses Duo – immer wieder mit der Unterstützung von Holly – ermittelt nun gemeinsam, um die Dame hinter dem Porno zu finden.

The Nice Guy and The Girl

Der Mann, der mit Filmen wie „Lethal Weapon“ und „Last Boy Scout“ die Buddy-Komödie zur Perfektion getrieben hat, kehrt endlich zurück mit einer solchen. Und was soll man noch sagen? Das Duo Crowe-Gosling funktioniert perfekt. Während Crowe der Mann fürs Grobe ist, ist Gosling der Mann fürs Lachen. Crowes Healy ist ein knallharter Typ, der mit eiskalter Präzision ans Werk geht und nicht lange herumfackelt. Und irgendwo tief unter dieser harten Schale steckt auch ein weicher Kern… und ich habe Crowe selten so gut gesehen. Gleiches gilt auch für Gosling, der vor allem deswegen so gut ist, weil er mal ein bisschen gegen sein übliches Image spielt. Als trotteliger Schnüffler sorgt Gosling für den Klamauk, für die gekonnt eingesetzten Slapstick-Einlagen. Wenn ich ehrlich sein soll, sollte Gosling so etwas öfter machen. Man hat ihm irgendwie richtig angemerkt, dass er wirklich Spaß daran hatte, sich hier einmal komplett zum Deppen zu machen.

Doch hier liegt dann vielleicht auch so ein bisschen mein Problem mit „The Nice Guys“. Der Film ist wirklich mehr eine Slapstick-Komödie als die Art von cleverer Komödie, die ein Shane Black einst mit „Kiss Kiss Bang Bang“ abgeliefert hat. Die Elemente des noirs sind zwar immer noch da und gerade zu Beginn hat man schon das Gefühl, eine schön verschachtelte Story zu bekommen, die unsere beiden Ermittler mehr als einmal in die falsche Richtung führen wird… ABER dem ist leider nicht so. Denn anfangs ist die Geschichte schon noch spannend genug, doch irgendwann wird sie viel zu vorhersehbar, bietet keine sonderlich großen Überraschungen mehr und ruht sich eigentlich nur darauf aus, seine Charaktere in weitere neue, merkwürdige und verrückte Situationen zu bringen. Man hat einfach das Gefühl, dass sich Black zu sehr nur auf seine gut ausgearbeiteten Charaktere konzentriert und dabei die Geschichte ein bisschen aus den Augen verloren hat.

Von Shane Black hätte ich dann doch ein bisschen Finesse erwartet… doch jetzt folgt ein erneutes, großes Aber. Denn auch wenn „The Nice Guys“ jetzt vielleicht nicht die stärkste und ausgereifteste Story hat, so fällt das wiederum gar nicht so schwer ins Gewicht, wenn man sich den Film anschaut. Denn all die kleinen Fehler, über die man sich aufregen konnte, kann Black dank seines umwerfenden Casts komplett überspielen. Die Chemie zwischen Gosling und Crowe ist perfekt. Die Chemie zwischen Angourie Rice und ihren beiden großen Hollywood-A-Stars ist einfach nur umwerfend. Die Witze sitzen, wann immer sie kommen; die Slapstick-Einlagen wirken zwar vielleicht hier und da ein bisschen zu gewollt, aber selbst das macht einfach Spaß und das Tempo des Films sorgt einfach dafür, dass keine langweilige Minute aufkommt.

Was heiß soll, dass man zwar ein bisschen über „The Nice Guys“ meckern könnte, aber man könnte sich einfach auch gut unterhalten fühlen. Selten hatten wir in letzter Zeit so ein gutes Duo im Kino, von dem ich ehrlich gesagt gerne mehr sehen würde… warum auch nicht, sollte „The Nice Guys“ ursprünglich ja auch mal als Serie umgesetzt werden sollte.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein kultiges Duo ist geboren… gerne mehr davon)

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6 Kommentare leave one →
  1. 6. Juni 2016 17:59

    Sag ich doch, man wird gut unterhalten, nicht mehr und nicht weniger.
    „Kiss Kiss Bang Bang“ habe ich dreimal gesehen und immer wieder vergessen worum es ging, einmal bin ich eingeschlafen :))
    Auf dem Fantasy Filmfest fand ich ihn aber nicht schlecht…

    • donpozuelo permalink*
      7. Juni 2016 07:00

      Da hast du absolut Recht… und ja, bei „Kiss Kiss Bang Bang“ vergesse ich eigentlich auch jedes Mal, worum es wirklich geht, aber ich weiß, dass er gut war 😀

  2. 10. Juni 2016 20:25

    Sind wir uns ziemlich einig, würde ich mal sagen.

Trackbacks

  1. Liebster Award #10 | Ma-Go Filmtipps
  2. Kritik: The Nice Guys | filmexe

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