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Die Blume, die durch die Zeit reiste

30. Mai 2016

Ich frage mich immer, was ich wohl machen würde, wenn ich durch die Zeit reisen könnte. Würde ich mir selbst Hinweise geben, um an einigen Stellen in meinem Leben andere Entscheidungen zu treffen, von denen ich jetzt glaube, dass sie passender wären? Oder würde ich es für ganz anderes, verrücktes Zeug einsetzen? Wäre ich so ein Zeitreise-Tourist, der unbedingt das Berlin der 20er Jahre erleben will oder Dinosaurier sehen muss? Zum Glück (?) sind das alles nur alberne Gedankenspiele, denn Zeitreisen gehört für den Moment immer noch ins Reich der Fantasie… und sorgt da zumindest dafür, dass wir interessante Szenarien vorgespielt bekommen, was eigentlich alles schief gehen kann, wenn wir mit der Zeit spielen. Seit ich vor einiger Zeit den unfassbar wirren, aber auch extrem unterhaltsamen „Predestination“ geguckt habe, hatte ich mich bei „Zeitreise-Filmen“ eigentlich zurückgehalten. Aber jetzt wird es mal wieder Zeit für einen (und wieder gehen 5 Euro in die Wortspielkasse).

In „Synchronicity“ gelingt es dem Physiker Jim (Chad McKnight) eine Maschine zu bauen, die ein Wurmloch öffnet, durch das er durch die Zeit reisen könnte. Beim ersten Versuch findet er aber nur eine merkwürdige Blume vor der Apparatur. Kurz darauf trifft er die geheimnisvolle Abby (Brianne Davis), die merkwürdigerweise im Besitz der selben Pflanzen ist. Doch statt groß darüber nachzudenken, verfällt Jim der jungen Frau… und bekommt erst am Ende mit, dass sie scheinbar gemeinsame Sache mit seinem Investor (Michael Ironside) macht – etwa, um seine Erfindung zu stehlen??? Um das zu verhindern, wagt sich Jim selbst durch das Wurmloch… und macht damit alles nur noch schlimmer.

Wenn die Maschine nicht funktioniert, macht er nen Club auf…

Wie es sich für einen Zeitreise-Film gehört, ist „Synchronicity“ etwas kompliziert… vor allem zu Beginn, wenn wirklich noch keinen Plan hat, was eigentlich wirklich los ist. Denn man muss natürlich erst einmal hinter das Konzept steigen, was es bedeutet, dass Jim durch die Zeit springt… und zwar nur ein paar Tage zurück. Hier spielt Regisseur und Drehbuchautor Jacob Gentry mit dem klassischen Zeitreise-Paradoxon, dass man sich ja nicht selbst begegnen darf… und natürlich weiß das der Jim aus der Zukunft, nur der Jim aus der Vergangenheit nicht. Und man selbst als Zuschauer verliert ab und zu mal eben den Überblick, welchem Jim wir jetzt eigentlich hinterher hechten. Manchmal hat man hier dann wirklich das Gefühl, sich in diesem Film zu sehr zu verlieren und man dreht sich gefühlt im Kreis, ohne zu wissen, wie das hier alles wirklich funktioniert.

Dabei ist „Synchronicity“ das Zeitreise-Verwirrspiel bestens gelungen. Zugegebenermaßen sind die Erklärungen, die wir dann im Laufe des Films bekommen, etwas dürftig, aber ausreichend, um zu verstehen, was eigentlich Sache ist. Mit dem ganzen Zeitreise-Kram habe ich in diesem Film auch wirklich kein Problem. Mit jeder neuen Szene bekommt man ein neues Puzzle-Teil, das uns ein klareres Bild dieser verworrenen Story offenbart. Und das ist am Ende ein ziemlich cooles Bild, das clever konstruiert wurde. Was mich dann doch ein bisschen störte, war die Geschichte mit Abby. Die wirkte auf mich konstruierter als die Zeitreise-Story. Wenn man mir hier Liebe auf den ersten Blick weismachen will, die dann doch zerstört wird, weil es zu Anschuldigungen und Paranoia kommt, dann bitte doch etwas mehr Zeit dafür investieren, das auch wirklich glaubhaft genug aufzubauen, Mr. Gentry. Denn die Chemie zwischen Brianne Davis und Chad McKnight hat mich nicht überzeugt: einfach nur eine hübsche Frau, die auf einen attraktiven Mann trifft, reicht hier nicht aus. Man hat das Gefühl, es ging mehr Zeit dafür drauf, die Zeitreise-Geschichte glaubwürdig zu gestalten, weswegen die eigentlich glaubwürdigere Story (also die Liebe zu einer Frau) leiden musste.

Aber gut… ansonsten ist „Synchronicity“ ja wirklich durchaus ansehnlich. Die Welt außerhalb des Labors ist eine dunkle, in der ständig Hubschrauber über der Stadt zu kreisen scheinen. Doch letztendlich schafft es Gentry mit sehr einfachen Mitteln, einen netten Noir-Look hinzubekommen, in dem fast alles nur aus Schatten und spärlichen Lichtquellen besteht. Wenn dazu der Sound von Ben Lovett erklingt, fühlt man sich an den Vangelis-Soundtrack zu „Blade Runner“ erinnert… dieser 80er-Jahre-Synthie-Sound, der wie geschaffen zu sein scheint für Sci-Fi-Film-Noir, in dem ein Mann einer unbekannten Schönheit verfällt.

Bei all den Schwierigkeiten, die ich mit Teilen der Story hatte, war „Synchronicity“ doch ein interessanter Film, und wenn vielleicht auch nur, weil man hier mal wieder sieht, wie stilisch ein Film auch ohne fettes Budget aussehen kann. Wenn mich jetzt noch die Liebesgeschichte überzeugt hätte, wäre ich diesem Film komplett verfallen. So bleibt es ein cooler Beitrag in Sachen „Zeitreise“-Film.

Wertung: 6,5 von 10 Punkten (ein netter Brain-Teaser von einem Film, der an seiner Menschlichkeit scheitert)

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4 Kommentare leave one →
  1. 30. Mai 2016 09:00

    Ah, den wollte ich mir auch mal ansehen, schiebe das aber ständig auf :))

    • donpozuelo permalink*
      1. Juni 2016 08:47

      😀 Den kann man mal gucken, wenn man sonst nichts „wichtiges“ mehr zu gucken hat. Er haut nicht vom Hocker, ist aber auch nicht schlecht.

  2. 30. Mai 2016 13:27

    Das ging aber fix nach meiner Kritik. 🙂 ich sehe schon, da sehen wir so einiges ganz ähnlich. Ganz ok’ner Film eben.

    • donpozuelo permalink*
      1. Juni 2016 08:47

      Manchmal geht’s auch ganz fix, ja. Ich hatte dann noch den Trailer gesehen und wollte den dann unbedingt sehen. Aber ja, er ist okay. Coole Idee, cooler Sound, aber ein bisschen Feinschliff hätte dem Film ganz gut getan.

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