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Rasen für die Liebe

25. Mai 2016

Ich gestehe, ich bin ein „Fast & Furios“-Fan. Kein großer, aber mittlerweile habe ich echt Spaß mit der Reihe, was wohl vor allem daran liegen könnte, dass die Herrschaften sich einfach nicht mehr ernst nehmen, auf Physik scheißen und machen, was sie wollen. Wir springen von einem Hochhaus ins nächste – jupp! Wir fliegen mit Autos aus Flugzeugen, wir spielen mit Panzern – jupp und jupp! Irgendwann sind die so abgedreht, dass sie ein Crossover mit den „Avengers“ machen können… obwohl das immer noch ein Film wäre, den ich zu gerne sehen würde. Doch bevor das passiert, habe ich doch tatsächlich noch einen anderen Film gefunden, der den „Fast & Furious“-Fan in mir begeistert… und das sogar ein bisschen mehr als die Raser-Reihe mit Vin Diesel selbst. Die Rede ist von dem Anime „Redline“.

In „Redline“ lernen wir den Fahrer JP kennen, der in seinem aufgemotzten TransAm2000 Rennen fährt… allerdings, um mit der Hilfe seines Mechanikers Frisbee zu bescheißen, um so an mehr Geld zu kommen. Durch den Ausfall eines Fahrers schafft JP dann unerwarteterweise den Sprung ins Redline-Rennen, dem gefährlichsten und härtesten Rennen des Weltalls. Das wird dann auch noch auf dem Roboplaneten abgehalten, der das Ganze als Angriff wertet und sein ganzes Militär auf die Fahrer loslässt. Und als wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, verliebt sich JP vorher auch noch in seine hübsche Konkurrentin Sonoshee.

Mad Max wird gerade ein bisschen neidisch…

Regisseur Takeshi Koike hat angeblich sieben Jahre gebraucht, um „Redline“ fertig zu stellen… und was soll ich sagen? Das Warten auf diesen Film hat sich gelohnt. Allein schon die ersten 15 Minuten, in denen wir in das Qualifikationsrennen „Yellowline“ geworfen werden, sind der absolute Hammer. Koike liefert uns hier Rennfeeling, wie ich es noch nie in einem Film erlebt habe. Ich meine, Ron Howard war schon ziemlich gut, als er in „Rush“ die Kameras an den Rennwagen auf Straßenhöhe montierte und das Ganze dann gekonnt zusammenschnitt. Aber wenn ich mir jetzt „Redline“ anschaue und allein den Anfang, dann ist Howard vergessen. Koike nutzt die Möglichkeiten des Zeichentricks grandios aus. Immer wenn hier irgendwelche komischen Beschleunigungspillen in den Tank geworfen werden, dann ist es fast so, als würde der Bildschirm zerrissen werden.

Koike liefert rasante Bilder, die diesen absoluten Geschwindigkeitsrausch perfekt einfangen. Und gönnt uns danach erst mal eine längere Pause, in der wir die einzelnen Fahrer des Redline-Rennen kennenlernen – und die beginnende Liebesgeschichte zwischen JP und Sonoshee. Die wird aber zum Glück jetzt nicht zum kitschigen Hauptteil des Films, sondern spielt eigentlich mehr so im Hintergrund. Denn sowohl JP als auch Sonoshee konzentrieren sich vorrangig auf das Rennen.

Mit der Vorstellung der einzelnen Fahrer kann Koike dann auch mit herrlich schrägem Charakter-Design punkten. Da gibt es einen Typen, der schon mehr Maschine als Mensch ist, da gibt es die klassischen Anime-Babes mit Zauberkräften, wütende Cops und kranke Brüder-Paare, die wirken als wären sie dauerhaft auf Drogen. Es ist ein perfekter kranker Haufen Fahrer, die für so ein hartes Rennen bestens vorbereitet sind.

Was Koike mit dieser Vorstellungsrunde anstellt, ist genial und auch ein bisschen gemein. Denn er macht uns richtig ungeduldig – auf eine gute Art und Weise. Denn schließlich heißt der Film „Redline“… aber Koike kostet den Moment, bis das Rennen startet, voll aus. Letztendlich wird der Film wirklich mehr wie so eine Rennberichterstattung, bei der man halt erst die Statistiken der Fahrer vorgesetzt bekommt. Im Gegensatz zu echten Rennen, die ich mir nie angucken könnte, ist aber selbst das in „Redline“ sehr interessant. Aber irgendwann wird die Ungeduld immer größer, die Anspannung immer stärker… und man fragt sich, ob der Film den jetzt extrem hohen Erwartungen überhaupt noch gerecht werden kann…

Aber Koike hat in den sieben Jahren, die er für seinen Film gebraucht hat, ordentliche Arbeit geleistet. Wenn das „Redline“ startet, dann geht mehr als nur die Post ab. Also mehr over-the-top geht eigentlich kaum, so abgefahren geht dieses Rennen los, in dem die Armee des Roboplaneten seine schlimmsten Waffen auf die Fahrer loslässt und die Fahrer sich noch gegenseitig bekriegen. Jetzt geht das Adrenalin richtig hoch, der Rausch der Bilder wird eins mit dem Rausch des Rennens, der ganze Film wird ein einziger Sog an Bildern, Farben, Geräuschen und all dem irren Anime-Zeug, das man sich nur vorstellen kann (zu einem Zeitpunkt gibt’s sogar ein komisches Wesen, das an den sich verwandelnden Tetsuo in „Akira“ erinnert). Gleichzeitig verliert Koike in diesem berauschenden Chaos an Unfällen, Überfällen und Überholmanövern aber nie seinen Protagonisten aus den Augen…

„Redline“ ist wirklich ein Erlebnis, ein rasanter, geiler Film, der einfach nur Spaß macht.

Wertung: 9 von 10 Punkten („Fast & Furious“ trifft auf „Mad Max: Fury Road“ trifft auf „Rush“)

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4 Kommentare leave one →
  1. 28. Mai 2016 18:02

    Mensch … ich wusste nie, ob ich Redline sehen will. Das Character Design fand ich auf den Bildern schon ziemlich stark. Aber ich bin jetzt nicht soooo der Riesenfan von Filmen über Autorennen. Aber das klingt schon ziemlich cool. 🙂
    Als ichs auf meine IMDB-Watchliste setzen wollte, hat die Suche übrigens als erstes ein Live Action Movie ausgespuckt, dass ein bisschen trashig aussah XD

    • donpozuelo permalink*
      28. Mai 2016 18:34

      Es gibt ein Live-Action-Movie dazu??? Das kann ja gar nichts werden. Sowas will ich nicht sehen…

      Aber der Anime ist schon wirklich zu empfehlen. Auch wenn man nicht so auf Autorenn-Filme steht, ich ja auch nicht so sehr. Die Charaktere sind aber wirklich gut und der Film hat ein paar herrlich abgedrehte Sequenzen zu bieten, die es wert sind, gesehen zu werden.

      • 28. Mai 2016 18:39

        Ja, das gibts wohl. Scheint aber etwas ‚anders‘ zu sein … hrhrhr 🙂
        http://www.imdb.com/title/tt0780595/?ref_=nv_sr_1

        Gut, du hast mich überzeugt – der wird geguckt. Also der Anime.

        • donpozuelo permalink*
          28. Mai 2016 18:47

          Uff… das sieht gruselig aus. Wahrscheinlich haben beide Filme wirklich nur den Titel gemeinsam… und sonst nichts. Ich will es zumindest sehr hoffen… 😀

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