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Oceanic Flug 815

20. Mai 2016

Kommen wir doch gleich mal von einer Lieblingsserie zur nächsten. Denn als ich mit „Akte X“ durch war, überkam mich erneut diese Serien-Nostalgie. Und so habe ich dann nicht lange überlegen müssen, denn wenn es eine Serie gibt, die mich nach „Akte X“ ähnlich schwer beschäftigt hat, dann kann das nur „LOST“ gewesen sein.

Ich weiß noch, wie ich damals jeder einzelnen Folge hinterher gehungert habe. Ich kann mich jetzt noch daran erinnern, wie ich mit anderen LOST-ianern um die Wette spekulierte, was denn mit dieser Serie eigentlich los ist. Und ich kann mich jetzt noch vor Aufregung Schnappatmung bekommend keuchen hören, wenn wieder einmal ein fieser Cliffhanger das einwöchige Warten auf die nächste Folge unerträglich machte. In der Zeit als damals „LOST“ lief, war das für mich fast schon was religiöses… und ich lief wie so ein Bibelverkäufer durch die Reihen meiner Freunde, um sie alle brav zu meiner neu gefundenen Religion „LOST“ zu bringen. Mit Nicht-Fans diskutierte ich die Schönheit, die da „LOST“ hieß! Mit Fans ergötzte ich mich an der Schönheit, die da „LOST“ hieß! „LOST“ war für mich großes Kino und nach „Akte X“ die zweite große, große Serie, die ich (wohl ähnlich wie mit Mulder und Scully) immer und immer wieder schauen kann.

Was ich dann jetzt auch getan habe… und was soll ich sagen, es macht immer noch saumäßig viel Spaß, sich die einzelnen Puzzle-Teile zusammenzulegen. Aber ich will jetzt nicht zu weit voraus preschen, sondern einfach mal mit Staffel 1 anfangen.

Hier treffen wir zum ersten Mal auf Jack (Matthew Fox), Kate (Evangeline Lilly), Sawyer (Josh Holloway), John Locke (Terry O’Quinn), Hurley (Dominic Monaghan), Sayid (Naveen Andrews) und die restlichen Überlebenden von Oceanic Flug 815 von Sydney nach L.A. Obwohl das Flugzeug mitten über dem Ozean auseinander bricht, überleben 48 Personen den Absturz und landen auf einer einsamen Insel… auf Rettung können sie nicht hoffen, musste der Pilot doch aus technischen Gründen umkehren und konnte vorher nicht Bescheid geben (somit würden alle Suchaktionen eh an der falschen Stelle stattfinden). Und so ganz allein scheinen sie auf der Insel auch nicht zu sein… Eisbären, merkwürdige Monster und Stimmen im Wald machen aus der vermeintlichen Rettung einen Alptraum für die Überlebenden.

Die erste Staffel hält sich ja noch brav zurück mit all den fantastischen Verrücktheiten, die später noch folgen werden. In kleinen, aber feinen Dosen bekommen wir hier schon ein Gespür dafür, dass diese Insel etwas merkwürdiges ist. Aber mehr als ein Gespür lassen die Macher J.J. Abrams, Damon Lindelof und Jeffrey Lieber nicht zu. Sie spielen in dieser ersten Staffel noch sehr damit, uns wirklich nur die kleinsten Brocken vorzuwerfen… da mag der Eisbär noch merkwürdig erscheinen und schon kommt irgendein knackendes Monster, das wir nie sehen können und lässt uns den Eisbären vergessen. Da kommt die 16-Jahre alte Übertragung einer Französin und ein asbach uraltes Schiff und wir verstehen die Welt nicht mehr. Und wenn dann der gute John Locke mitten im Dschungel eine Art Bunker-Luke findet, zappelt man verzweifelt wie ein Fisch am Haken und kommt nicht mehr los. Man muss einfach weiter gucken, man muss einfach wissen, was hier los ist und man ist eigentlich schon allein wegen des Mysteriums der Insel süchtig von dieser Serie.

Doch die erste Staffel ist ja nicht nur Mystery. Nein, vielmehr ist es halt auch einfach klassisches Survival-Abenteuer. Da müssen Unterkünfte gebaut werden und da muss Essen gejagt werden. Es geht hier ums Überleben und vor allem, das Miteinanderleben. In dieser Hinsicht ist Staffel 1 halt wirklich ein bisschen „Der Herr der Fliegen“ – nur halt nicht mit Kindern, sondern mit Erwachsenen, die natürlich ungleich mehr Probleme und Schwierigkeiten mit sich bringen, als dass man es mit einer Muschel lösen könnte. Und das jeder von den Überlebenden zahlreiche davon hat, zeigt uns „LOST“ auch. Womit wir dann bei den berühmten Rückblenden wären – ein Stilmittel, das sich durch die gesamte Serie zieht. Auf der einen Seite erfahren wir halt, was auf der Insel passiert, auf der anderen Seite springen wir mit den Rückblenden in das Leben eines Überlebenden zurück.

Hier hat „LOST“ dann wunderbar die Möglichkeit, seine Charaktere toll auszubauen. Natürlich bekommen nicht alle 48 ihre Screentime, aber die wichtigsten lernen wir bis ins kleinste Detail kennen. Sie sollen uns halt auch ans Herz wachsen, wir sollen wissen, wie sie ticken, was sie denken, wie sie fühlen, was sie durchleiden mussten. Somit gibt uns die Serie eine gute Grundlage, persönliche Lager zu bilden: wenn mag man lieber, wenn mag man erst einmal gar nicht und so weiter. Dabei lernen wir dann eben, dass selbst der „sauberste“ von ihnen zumindest seelisch Dreck am Stecken hat, wir bekommen ambivalente, wunderbar vielschichtige Charaktere, die uns bewegen, zum Lachen und zum Weinen bringen (und „LOST“ ist eigentlich DIE Serie, bei der ich tatsächlich mal dann und wann ein Tränchen verdrückt habe).

Bester Cliffhanger überhaupt 😉

Und damit wären wir dann auch erst einmal beim letzten Punkt für Staffel 1: „LOST“ ist eine großartige Ensemble-Serie. Natürlich wird uns Jack als Anführer, Kate als Love-Interest, John Locke als geheimnisvoller Typ und Hurley als Witzbold präsentiert, aber trotzdem bleiben sie alle eine Gruppe. Einzelnen sind die Charaktere interessant und auch toll gespielt, aber erst in der Gruppe packen sie einen dann wirklich. Da wird niemand extrem krass in den Vordergrund geschubst… und das ist toll!

Somit hat die erste Staffel von „LOST“ dann wirklich alles, was man sich nur wünschen kann: Drama, Abenteuer, Mystery, Action, Spannung, Spaß und noch tausend Dinge mehr… und dazu ein Finale bei dem ich damals hätte sterben können, als mir klar wurde, dass ich noch so ewig warten muss, um zu sehen, wie es in Staffel 2 weitergeht.

Wertung: 10 von 10 Punkten (Super-Serienauftakt, der süchtig nach mehr macht!!!)

Kleiner Zusatz (der mir beim Schreiben der Kritik zur zweiten Staffel noch eingefallen ist): Die Musik von Michael Giacchino ist wirklich umwerfend. So reduziert und dann doch wieder so extrem wuchtig. Allein dieses Rauschen, wenn es in eine Rückblende geht, ist großartig. Dazu wählen die Macher aber auch immer wieder gekonnt, alte Klassiker und lassen ganze Sequenzen einfach nur durch die Musik sprechen – hier und da ist das eine echt willkommene „Ruhepause“.

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21 Kommentare leave one →
  1. 20. Mai 2016 08:55

    Oh ja! Eine fantastische erste Staffel. Ich war damals auch völlig geflasht und hatte den Luxus die zweite Staffel direkt im Anschluss zu schauen. Danach wurde es aber hart mit den Cliffhangern. Auch wenn ich das Finale nicht sonderlich mochte hätte ich nun auch wieder Lust auf eine Sichtung. Ist aber unrealistisch, werde also bei dir weiterverfolgen… 🙂

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2016 09:03

      Oh, ich musste damals tapfer warten… bei jeder Staffel. Aber irgendwann bekam ich dann die schöne Komplett-Box und seitdem wird „LOST“ immer mal wieder geschaut… ich liebe diese Serie wirklich sehr 😀

  2. 20. Mai 2016 09:03

    Befürchte ja das wird hier ähnlich laufen wie bei den X Files. Mit jeder Staffel nimmt das Gemaule zu und am Ende wird nur noch geschimpft 😉

    Dabei ist das eine so tolle Serie, von vorne bis hinten. Insofern kann ich zumindest dieser Kritik weitestgehend zustimmen und wappne mich vor den kommenden Verrissen 😀

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2016 09:05

      Du befürchtest zu Unrecht, mein nörgelnder Freund. Verrisse zu „LOST“ wirst du bei mir nicht finden, die Liebe zu dieser Serie ist sogar noch ein bisschen größer als die zu „Akte X“. Ich mochte das Finale und ich mochte den ganzen Weg, der da hin führte. Also keine Sorge 😉

  3. 20. Mai 2016 09:41

    Auch wenn die Serie etwas abgebaut hat mit der Zeit habe ich den Hass damals nicht wirklich verstanden. Großartige Serie mit einer fantastischen ersten Staffel.

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2016 12:02

      Ich habe den Hass – gerade auch in Bezug auf das Finale – nie verstanden. Und wirklich abgebaut hat die Serie für mich kaum… okay, das Zeitreisen war nachher ein bisschen merkwürdig, aber es passt einfach irgendwie alles perfekt zusammen.

      Aber ja, der Auftakt ist wirklich super.

      • 20. Mai 2016 18:24

        Die Zeitreise fand ich ziemlich cool, weil Zeitreise. Geht immer. Ich fand aber Staffel 4 mit den Frachtertypen ziemlich schwach. Trotzdem ist die Serie immer noch in meiner All-Time-Top-3.

  4. 20. Mai 2016 10:10

    Ich habe nu die ersten zwei Staffeln gesehen. Mhhmmmm…ich habe damals auch das Gemaule wegen dem Serienende mitbekommen und muss gestehen, dass ich davon (was ich hörte) eher abgeschreckt wurde weiterzugucken.

    • donpozuelo permalink*
      20. Mai 2016 12:03

      Ja, aber die meisten die maulen, haben es einfach nicht richtig verstanden… das muss man vielleicht mal so hart sagen. Das Finale war wirklich toll, wie der Rest der Serie auch 😉 Lass dich vom Gemaule nicht abhalten, eine der besten Serien zu schauen.

  5. 21. Mai 2016 11:48

    Ja!Ja!Ja! Lost ist und bleibt auch eine meiner absoluten Lieblingsserien. Das Genörgel wegen dem Ende fand ich immer nervig. Eine phantastische Serie und da lasse ich mir auch von niemandem reinreden 😉 Hmmm Zeit sie mal wieder anzuschauen vielleicht 😉

    • donpozuelo permalink*
      21. Mai 2016 12:38

      Auf jeden Fall… und hey, es ist immer eine gute Zeit, LOST mal wieder zu gucken 😀

  6. 24. Mai 2016 18:36

    Da sagst du was, das war eine klasse Zeit. Ich habe damals auch LOST geschaut und war extrem angefixt. Man kann sagen ein bisschen ein Teil der LOST-Sekte wie du da oben beschrieben hast. XD
    Damals war das aber auch noch anders. Da war ich glaube ich noch in der Schule ( au weia … ist das so lange her?) und habe immer brav gewartet bis ProSieben mal neue Folgen ausgestrahlt hat. Später habe ich es dann auf DVD weitergeguckt. Aber als die Serie startete, gab es noch nicht diesen Überfluss an Serien. Kein Netflix, kein Prime und v.A. viel weniger Formate. Das war für mich der Anfang des Serien-Booms. Und damals fühlte sich das ein bisschen neuer an, finde ich.

    Und ich habe die Serie gefeiert von Anfangs bis Ende. Und bei deinem Kommentar da oben bei Friedl kann ich nur beipflichten. Die ganzen Beschwerden und das Geheule das Ende wäre so blöd, konnte ich gar nicht nachvollziehen. Ich fands großartig.

    • donpozuelo permalink*
      24. Mai 2016 22:46

      Ja, „LOST“ damals gucken, war wirklich noch ein Erlebnis. Ich habe es gehasst, wenn eine Staffel vorbei war und man Ewigkeiten warten musste. Andererseits war man damals auch noch ein bisschen geschützter vor Spoilern. Ich war zwar in ein paar Foren tätig (was heute wohl auch keiner mehr macht), aber das war’s auch schon. Heutzutage muss man ja immer tierisch aufpassen (montags ist bei mir mittlerweile immer internetfrei, damit ich keine Game-of-Thrones-Spoiler lesen muss.

      Und ja, „LOST“ war perfekt von Anfang bis Ende… aber dazu demnächst mehr 😉

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