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Romanes eunt domus!

16. Mai 2016

Das war ein Satz, den mein Latein-Lehrer an der Uni als erstes an die Tafel schrieb… und weswegen ich auch gleich wusste, dass ich zwar Latein hassen, aber den Lehrer mögen werde. Immerhin zitiert er gleich zur ersten Stunde einen Film, der einfach nur grandios ist… und einen Film, mit dessen Hilfe er uns gleich mal ein paar Sachen in Latein erklären konnte. Denn „Romanes eunt domus“ ist ein falscher lateinischer Satz „Menschen, die Romanes heißen, sie gehen nach Hause!“ Aber eigentlich soll die Botschaft doch lauten: „Römer, geht nach Hause“. In einer Mini-Lateinstunde lernen wir dann, dass es „Romani ite domum“ heißen muss… und befinden uns mittendrin im Spaß der da „Das Leben des Brian“ heißt.

Der britische Ulk-Nudel-Verband Monty Python präsentiert uns nach dem witzigen Ausflug in die Welt von König Artus und seinen „Rittern der Kokosnuss“ nun das Leben des jungen Mannes Brian. Brian wird zur selben Stunde wie Jesus Christus geboren und hätte sogar fast die Geschenke der Drei Weisen bekommen, wenn die nicht rechtzeitig ihren Fehler erkannt hätten. Und so muss der junge Brian (Graham Chapman) ohne Geschenke auskommen und lebt sein Leben gemeinsam mit seiner Mutter (Terry Jones) in Judea. Hier schließt sich Brian der Volksfront von Judäa unter der Leitung von Reg (John Cleese) an, aber eigentlich auch nur, wegen der hübschen Judith (Sue Jones-Davies), aber auch ein bisschen, weil Brian die Römer vertreiben möchte… was aber schwieriger wird als gedacht, wenn man erst noch oben erwähnte Latein-Stunden durchstehen muss, im Knast landet, auf der Flucht ist und plötzlich selbst für den Messias gehalten wird…

Always look on the bright side…

Monty Pythons „Das Leben des Brian“ ist ein herrlich doofe Verarschung der Jesus-Geschichte… ohne Jesus damit wirklich zu verarschen. Denn Brian ist ja nicht Jesus. Sie sind nur am gleichen Tag, zur gleichen Stunde geboren worden. Und das und die Tatsache, dass man gleich zu Beginn des Films Jesus bei seiner Berg-Predigt sieht, ist schon ein verdammt cleverer Kniff der Monty-Python-Truppe. Natürlich gab es trotzdem zahlreiche Aufreger wegen des Films, aber letztendlich greifen sie den guten Jesus nie direkt an.

Vielmehr zeigt uns „Das Leben des Brian“ das dramatische Leben eines jungen Mannes, der eigentlich nur seinen Platz im Leben sucht und der durch die schiere Dummheit der Menschen zu etwas gemacht wird, was er gar nicht sein möchte. Aber sie ernennen ihn zu ihrem Messiahs und kein Bitten und Flehen hilft Brian da. Im Gegenteil, je mehr er sie vom Gegenteil überzeugen will, desto mehr glauben sie an seine Göttlichkeit. Die religiöse Leichtgläubigkeit einiger Menschen bietet sich natürlich immer gut dafür an, sie durch Komik an bisschen an den Pranger zu stellen. Wenn selbst ein Brian verzweifelt versucht, die Menschen aufzufordern, doch mal ein bisschen für sich selbst zu denken, könnte er damit so einige andere Menschen ansprechen.

Aber ich will mich jetzt gar nicht darauf einlassen über Sinn und (möglichen) Unsinn von Religion zu sprechen. Das kann ich gar nicht und will ich auch gar nicht. Ich will lieber über diesen wirklich witzigen und herrlich absurden Film sprechen, der vor Humor nur so sprudelt. Und dazu muss ich gleich gestehen, dass mir „Das Leben des Brian“ immer ein bisschen besser gefallen hat als „Die Ritter der Kokusnuss“. Der Film war mir zu sehr einfach nur eine Ansammlung von Sketchen und noch dazu mit einem Ende, das mich tierisch geärgert, verwirrt und enttäuscht hat (dazu muss ich sagen, es ist lange, lange her, dass ich „Ritter“ gesehen habe und es wird auch dringend mal Zeit, das nachzuholen).

„Das Leben des Brian“ hingegen hat da für mich schon viel mehr seinen Reiz, weil ich hier das Gefühl habe, auch wirklich einer Geschichte zu folgen. Natürlich steckt auch „Das Leben des Brian“ voller witziger Sketch-Sequenzen (ob nun das „Schwanzus Longus“-Stück, die oben schon erwähnte Latein-Stunde oder halt der Versuch, die Jünger davon zu überzeugen, dass Brian eben doch nicht der Messiahs ist), aber dieser Film scheint mir dann doch mehr einen roten Faden zu haben, der sich stark an den alten Bibel-Film-Klassikern orientiert (und mit seinen Sets und Drehorten auch sehr danach aussieht).

Für mich das spannendste an „Das Leben des Brian“ ist aber auch nach wie vor die Tatsache, dass mich der Film zum Lachen bringt, egal, ob ich ihn nun auf Deutsch oder auch Englisch schaue. Und das ist sicherlich ein gutes Zeichen dafür, dass der Humor der Pythons immer funktioniert… was schon was heißen will, sind Komödien heutzutage im Deutschen doch nicht wirklich zu ertragen, weil der Wortwitz in der Übersetzung nie so richtig rüberkommt. Aber das macht dann auch den Unterschied: Denn „Das Leben des Brian“ funktioniert halt nicht nur durch die Sprache, sondern auch viel durch die visuelle Komik, durch die Slapstick-Einlagen, durch die absurde Szenerie („Star Wars“ lässt auf merkwürdige Art und Weise grüßen) und die Darsteller, die in ihren verschiedenen Rollen (von denen sie ja auch noch mehrere spielen) verdammt gut aufgehen.

Wertung: 10 von 10 Punkten (immer noch einer der lustigsten Filme überhaupt)

10 Kommentare leave one →
  1. 16. Mai 2016 07:57

    …und von vorne bis hinten zitierbar. Da kann ich mich regelmäßig „batteln“ im Zitate schmeißen. Unverständlich, dass es Leute gibt, die diesen Film nicht lustig finden. Für immer in der Lustigster-Film-Aller-Zeiten-Top-3

    • donpozuelo permalink*
      17. Mai 2016 09:18

      Die gibt es??? Unfassbar… 😀 Und ja, es ist wirklich einer der lustigsten Filme.

  2. 16. Mai 2016 12:02

    Stimmt, der Film funktioniert auch zum 100ersten Mal und nach so vielen Jahrzehnten 🙂
    Und: „Chleudert den Purchen zu Poden!“ :))

    • donpozuelo permalink*
      17. Mai 2016 09:18

      Auf jeden Fall, der Film ist aber auch immer wieder mal Pflicht für zwischendurch.

  3. 16. Mai 2016 12:11

    Großartiger Film. Ich hatte den damals viel zu früh gesehen und fand ihn dennoch unglaublich witzig. Herrlich, sollte ich mal wieder schauen…

    • donpozuelo permalink*
      17. Mai 2016 09:19

      Was heißt denn „viel zu früh gesehen“? Ich glaube, ich habe den das erste Mal mit 12 gesehen und mich da schon herrlich amüsiert.

  4. 17. Mai 2016 20:26

    Jop-

    • donpozuelo permalink*
      18. Mai 2016 00:34

      Gut, wenn wir mal mehr oder weniger einer Meinung sind 😀 😀 😀

Trackbacks

  1. Es ist Schinkenabend!!! | Going To The Movies

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