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Die Jägerin wird gejagt

13. Mai 2016

Nach dem tragischen Fiasko, das sich als die zehnte Staffel von „Akte X“ bezeichnete, brauchte ich etwas, das mir den Glauben an meine alten Helden zurückgab. Da ich von David Duchovnys neuer Serie „Aquarius“ noch nicht so wirklich überzeugt war (hat jemand von Euch die gesehen und kann mir was dazu sagen???), blieb nur die charmante Gillian Anderson. Doch auch mit „Hannibal“ ist ja im Moment erst einmal Schluss… und fast wollte ich schon verzweifeln, bis ich mich an jene Serie erinnerte, die ich jedem ans Herz lege, der danach fragt (oder auch nicht). Schließlich gab es ja da diese eine erste Staffel einer wunderbaren englischen Serie, in der Anderson als taffe Polizistin den wirklich sadistischen Mr Grey jagt: „The Fall“. Und zu „The Fall“ gibt es schon viel zu lange, die zweite Staffel, weswegen die zu meiner „Akte X“-Therapie wurde… und sie wirkte Wunder.

Superintendent Stella Gibson (Anderson) ist immer noch auf der Jagd nach Paul Spector (Jamie Dornan), jenem Serienkiller, den sie in der ersten Staffel nicht fassen konnte und der im spannenden Finale das erste Mal mit ihr direkt in Kontakt trat. Während Spector sich in Schottland zu verstecken versucht, findet Gibson eine Zeugin, die ihr Spectors Identität offenbaren könnte. Doch bevor sie ihre Aussage machen kann, kehrt Spector zurück und entführt sie. Jetzt beginnt das Katz-und-Maus-Spiel von vorn… nur scheint Spector dieses Mal die besseren Karten zu haben, immerhin weiß er jetzt ganz genau, wer ihn verfolgt.

Lady in Red and the Big Bad Wolf

Man merkt schon an der Inhaltsangabe, dass die zweite Staffel den Spieß einfach mal umdreht. In der ersten liefen ja die beiden Handlungsstränge – also Stellas Suche nach dem Mörder und Spectors Suche nach neuen Opfern – parallel zu einander. Es war eigentlich noch kein so richtiges Katz-und-Maus-Spiel, weil damals noch ein Unbekannter gejagt wurde und daher beide Parteien relativ gleich standen. In Staffel Zwei wird die Schlinge um Spectors Hals enger und enger… und wie es sich für ein gefährliches Tier in Gefahr gehört, schlägt es aus und windet sich, um zu überleben. Natürlich reden wir im Fall der zweiten Staffel von „The Fall“ von einer rein metaphorischen Schlinge, denn noch befindet sich Spector in Freiheit, weiß aber mittlerweile, dass er in Gefahr ist… und er bemüht sich, diese Freiheit zu behalten. Der Fokus der Serie ist etwas mehr auf seiner Seite, was aber auch daran liegt, dass er ein Auge auf Stella geworfen hat… und ihr bedrohlich nahe kommt.

Staffel 2 macht, wie ich finde, aus Paul Spector einen noch viel gefährlicheren Mann als vorher. Denn in der ersten Staffel war er zwar schon dieser kranke Serien-Mörder, aber irgendwie hat ihn die Nähe zu seiner Familie ein bisschen menschlicher wirken lassen. Staffel 2 lässt ihn jetzt zu einem kleinen kriminellen Mastermind aufkommen, der scheinbar immer zwei Schritte vorausdenkt. Spector wird in der zweiten Staffel noch einmal eine Stufe unheimlicher, berechnender und einfach nur ein „großartiges“ Arschloch, das alle Wege ausnutzt, um nicht im Knast zu landen.

Seine Geschichte wird jetzt noch mehr mit der von Stella verwoben, es gibt viel mehr Überschneidungen, Beinah-Begegnungen und echte Herz-Ras-Momente, in denen „The Fall“ einfach mal wieder beweisen kann, dass es eine wirklich umwerfende und spannende Krimi-Serie ist… und das kommt von mir, der mit Krimi-Serien sonst normalerweise nicht viel anfangen kann. Aber „The Fall“ lebt einfach nur durch seine gut durchdachten Drehbücher und eben die umwerfenden Darsteller. Jamie Dornan darf die unheimlichen Tiefen seines Spectors noch weiter ausloten, gleichzeitig bekommt das harte Äußere der Stella Gibson ein paar Risse. Eben weil Spector Interesse an ihr zeigt und seine eigenen Nachforschungen anstellt, erfahren wir ein bisschen mehr von ihr… und so lässt Anderson auch eine viel verletzlichere Stella durchblicken, die sich nun Sorgen machen muss, nicht selbst zum Opfer zu werden.

Aber „The Fall“ jetzt nur auf diese beiden zu reduzieren, wäre auch nicht recht. Besonders spannend ist nämlich auch, was Spector mit der ehemaligen Babysitterin seiner Kinder, Katie (Aisling Franciosi)… besonders daran, wie Spector mit ihr spielt, erkennt man, wie sehr er mit seiner Aufgabe, nicht geschnappt zu werden, gewachsen ist.

Die zweite Staffel von „The Fall“ steht der ersten in Nichts nach, verändert das Szenario der Jagd in einigen, feinen Nuancen und schafft so die Möglichkeit, die Charaktere noch einmal in einem anderen Licht darzustellen. Die Spannung bleibt kontinuierlich stabil und man fiebert besonders mit Stella mit… obwohl ich auch nicht leugnen kann, dass ich die vergrößerte Spector-Perspektive ungemein clever fand: er wird zwar mehr zum Arschloch, aber gleichzeitig will man unbedingt auch wissen, was genau er alles plant… also: man fiebert auch wieder einmal mit dem Bösen mit und somit ist die Balance wieder gekonnt hergestellt.

„The Fall“ – immer noch großartige und vor allem fesselnde Serie… und Scully hat sich wieder rehabilitiert 😀

Wertung: 9 von 10 Punkten (für mich zur Zeit nach wie vor das spannendste Katz-und-Maus-Spiel)

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3 Kommentare leave one →
  1. 15. Mai 2016 11:48

    Die erste Staffel hat mich gar nicht so richtig überzeugt, muss ich gestehen. Um ein Haar hätte ich die Serie gar nicht weitergeschaut. Vielleicht war sie mit etwas zu realistisch, pessimistisch und düster. Aber die zweite hat mich echt umgehauen und ich fand sie dann wahnsinnig spannend. Wenn ich allein an diese Szene im Zug denke mit dem Fahndungsfoto … autsch.

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2016 18:07

      Echt, mich hatte schon die erste Staffel und für gewöhnlich tue ich mich schwer mit „Krimi-Serien“. Aber ich gebe schon zu, dass die zweite Staffel ein Fünkchen besser ist…

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