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Wütender Vogel

11. Mai 2016

Ich bin immer wieder fasziniert von „Angry Birds“, das muss ich jetzt mal ehrlich zugeben. Wer hätte es schon für möglich gehalten, dass so ein „albernes“ Spiel, bei dem man kleine, bunte Vögel mit einer Schleuder gegen Schweine ballert, so ein riesiger Erfolg werden würde? Aber ich selbst bin der beste Beweis dafür, wie süchtig diese Vögel machen: von den klassischen Varianten habe ich eigentlich so ziemlich alles gezockt – Standard, Weltall, Star Wars, Rio, Seasons und was es nicht alles gibt. Und deswegen verwundert es vielleicht auch nicht so sehr, als ich bei der Ansage, es würde bald einen Film zu den „Angry Birds“ geben, hellhörig wurde. Ich wurde nicht skeptisch, sondern hellhörig, interessiert. Denn letztendlich könnte ein fähiger Drehbuch-Autor sich hier vollkommen frei ausleben – die Welt der „Angry Birds“ selbst hat ja keine Geschichte, es geht nur ums Kaputt-Machen, um die bösen Schweine und sonst nichts. In den richtigen Händen hätte aus „Angry Birds – Der Film“ also durchaus eine kleine Überraschung werden können, die vielleicht auch mal ein bisschen abweicht, ein paar neue Sachen ausprobiert und mutig genug ist, den Charme des Welterfolgs, diese Lust am Zerstören, auf Film zu bannen.

Leider wollte man wohl nicht wirklich was riskieren, ging auf Nummer Sicher, wählte viele witzige bunte Vögelchen und schusterte eine Geschichte zusammen, die mehr wie ein Prequel wirkt und eigentlich gerade mal „Angry Bird“ heißen dürfte. Denn zu Beginn des Films ist eigentlich nur ein einziger Vögel wirklich so richtig wütend – und das ist Red (im Deutschen gesprochen von Christoph Maria Herbst). Wegen seiner Wut ist Red ein Außenseiter, der gemieden wird. Nur in seiner Selbsthilfe-Gruppe findet er so ein bisschen Anschluss – bei dem rasenden Chuck (Axel Stein) und dem gemütlichen Bomber (Axel Prahl). Doch dann tauchen auf einmal die Schweine auf: Schwein Leonard (Ralf Schmitz) präsentiert sich und seine Konsorten erst als Freunde der Vögel – nur Red traut ihm nicht. Doch da keiner auf ihn hört, ist die Katastrophe vorprogrammiert: die Schweine stehlen die Eier und der wütende Vogel führt seine Vogelfreunde in den Krieg gegen die Schweine.

Und jetzt tanzen wir unseren Namen…

Doch bevor es bei „Angry Birds“ so richtig losgeht, geht’s erst einmal nicht so fulminant los. Stattdessen werden wir durch das kleine Vogel-Städtchen geführt und lernen deren Welt kennen. Gerade zu Beginn kann der Film dann auch tatsächlich noch mit ein paar gut platzierten Lachern punkten – denn gerade wenn man den größten Griesgram auf eine Horde gut gelaunter und netter Vögel jagt, sind kleinere und größere Konflikte vorprogrammiert. Die sorgen dann auch für gute Laune, man amüsiert sich halt prächtig auf Kosten von Red, der ein wirklich fieser Choleriker ist und dem es das Leben dann auch wirklich nicht leicht macht. Ob nun sein Kuchen-Lieferservice, Straßenkontrolleure, die kleinen Baby-Vögelchen über die Straße helfen oder auch einfach nur ein kleiner Vogel-Aufsteller: Red wird ziemlich schnell zum Angry Bird… und das ist auch gut so, denn so bleiben die Lacher erhalten. Die Aneinanderreihung der einzelnen Episoden macht Spaß, ist abwechslungsreich und clever zusammengestellt.

Nur sobald die Schweine kommen, die Slapstick-Nummern aufhören und die eigentliche Geschichte anfängt, flacht „Angry Birds“ merklich ab. Statt Nummern-Revue muss jetzt was passieren, was Großes… schließlich wurde bis zu diesem Zeitpunkt im Film noch kein einziger Vogel mit einer Schleuder irgendwohin geschossen. Aber auch darauf warten wir dann noch vergebens… vielmehr müssen wir eine vorhersehbare Heldengeschichte durchleben, in der der Außenseiter langsam zum Held und Anführer wird, den diese Vögel brauchen. Da gibt’s dann zwar noch ein paar lustige Anekdoten (zum Beispiel mit dem mächtigen Adler), aber das war’s auch schon…

Erst wenn der Film schon eigentlich fast vorbei ist, kommt endlich der Teil, wegen dem man möglicherweise überhaupt erst in diesen Film gegangen ist. In der letzten Viertelstunde wird „Angry Bird – Der Film“ endlich zu „Angry Birds – Der Film“. Dann gibt’s die große Schleuder, ein wirrer Haufen an leicht wackeligen Bauten, die die Schweine ihr Zuhause nennen und jede Menge Vögel, die darauf geschleudert werden. Der Action-Teil des Film (wohlgemerkt wir reden immer noch von knapp den letzten 15 Minuten des Films) macht dann auch wieder Spaß. Jetzt kommen die Vögel zum Einsatz, die der Fan auch schon aus den Spielen kennt. Dabei wird dann mal galant darauf verzichtet zu erklären, warum der eine sich aufblasen, die Selbsthilfe-Gruppenleiterin auf einmal Bomben-Eier im Flug oder was sonst noch so mit den Vögel passiert – in der Wut steckt die Kraft. Das gilt für den Hulk, das gilt auch für diese Vögel… und ihre Kraft ist riesengroß. Das macht dann, wie schon gesagt, Laune, belohnt den wartenden Zuschauer dann aber auch nicht wirklich. Mir wäre mehr davon, vermischt mit den Slapstick-Einlagen vom Anfang, irgendwie viel lieber gewesen.

So ist „Angry Birds – Der Film“ ein netter Fan-Film, der keine Überraschungen bietet, brav alle bekannten Vögel präsentiert, ein bisschen lustig ist und es wenigstens am Ende auch ein bisschen krachen lässt. Der große Wurf ist es nicht (fünf Euro wieder einmal für die Wortspielkasse), es ist halt ein Auf-Nummer-Sicher-Gehen. Ein bisschen mehr erfinderischer Mut hätte diesem Film echt gut getan.

Wertung: 5 von 10 Punkten (dann doch lieber die Spiele)

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3 Kommentare leave one →
  1. 14. Mai 2016 17:24

    Mensch, deine Wortspiele in letzter Zeit sind aber – Achtung – eine Punktlandung 😉
    Ich mochte die App auch sehr gerne, war aber ein bisschen misstrauisch was den Film betrifft. Schon der Trailer hat mich nicht so vom Hocker. Obwohl ich ja das Character Design der Vögel schon echt drollig finde.
    Witzig auch wie konsequent WordPress unter deinem Artikel verwandte Artikel verlinkt … so heute gesehen: Hitchcocks „Die Vögel“ u.a. Die waren auch ziemlich angry – in der Tat. XD WordPress ist ziemlich gewieft.

    • donpozuelo permalink*
      15. Mai 2016 18:06

      Das Vogel-Design ist tatsächlich noch das Beste am ganzen Film… obwohl ich selbst da ein bisschen schade finde, dass sie vom ursprünglichen Design weggegangen sind und denen Flügel und Füße gegeben haben 😀

      Und ja, natürlich ist Hitchcocks „Die Vögel“ gut verwandt mit „Angry Birds“. Da fliegen auch wütende Vögel gegen gemeine Schweine… die sich als Menschen tarnen 😉

Trackbacks

  1. Wütende Vögel | Going To The Movies

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