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In den Bäumen

9. Mai 2016

Ich muss gestehen, ich mag Filme, in denen es um Baumhäuser geht. Klingt jetzt vielleicht komisch, aber der kleine Junge in mir freut sich dann immer ’nen Ast (und wieder fünf Euro in die Wortspielkasse). Das erinnert den alten Mann dann immer an die Zeit, als er noch ein Junge war und mit seinen Freunden mal ein altes Baumhaus gefunden hat, das ziemlich cool war. Das war auf einem dieser mit Bäumen umsäumten Flecken auf den Rapsfeldern… und irgendjemand hatte sich da echt viel Mühe mit dem Baumhaus gemacht. Es war ein klassisches Baumhaus, das allerdings durch einen kleinen gezimmerten Pfad auf einem stabilen Ast, der zu einer winzigen Aussichtsplattform führte, extrem verfeinert wurde. Ich weiß noch, wir hatten damals immer ein bisschen Schiss dort zu spielen, weil wir dachten, die Erbauer würden uns verjagen. Letztendlich trug das jedoch nur dazu bei, dass wir mit ordentlich Adrenalin im Blut und einem ständigen Ausguck nicht von diesem Baumhaus lassen konnten. Und ja, seitdem mag ich Baumhäuser… und halt Filme, in denen es um Baumhäuser geht. Lange Rede, kurzer Sinn: Es sollte jetzt niemanden verwundern, warum ich mir den Film „Das Baumhaus“ von Michael Bartlett nicht entgehen lassen konnte 😉

Darin geht es um die beiden Brüder Killian (J. Michael Trautmann) und Crawford (Daniel Frederick), die sich eines Nachts aus dem Haus schleichen, um im Wald ein paar Feuerwerkskörper in die Luft zu jagen. Dabei stoßen sie zufällig auf ein altes verlassenes Baumhaus… und natürlich siegt die Neugier, sie klettern rauf und entdecken dort Elizabeth (Dana Melanie), ein junges Mädchen, das gemeinsam mit ihrem kleinen Bruder eigentlich als vermisst gilt. Die total verängstigte Elizabeth erzählt den beiden Brüdern, dass sie ihren Entführern entkommen konnte, die jetzt aber irgendwo da draußen auf sie lauern… und nun leider auch die Brüder ins Visier genommen haben. Wer oder was da draußen wartet, kann sie aber auch nicht sagen. Crawford meldet sich freiwillig, um Hilfe zu holen, taucht aber nicht wieder auf… und Killian und Elizabeth müssen sich nun überlegen, ob sie in dem vermeintlich sicheren Baumhaus bleiben und dort verhungern oder ob sie es wagen, sich durch den Wald zu schleichen.

Sie können es selbst kaum fassen…

„Das Baumhaus“ klingt erst einmal nicht so sonderlich spannend, sondern vielmehr nach dem üblichen Klischee-Horrorscheiß. Allerdings war ich dann doch durchaus angetan von dem Film… allerdings auch nur so von der ersten dreiviertel Stunde. Da gelingt es Regisseur Bartlett nämlich wirklich, einen packenden Horror-Film zu servieren, der herrlich fieses Kopfkino erzeugt. Elizabeth weiß nicht, was ihren Bruder entführt hat, sie weiß nur, dass es da draußen irgendwo auf sie lauert. Und dann schleicht da auch immer etwas um den Baum mit dem Baumhaus herum. Es werden Steine geschmissen, es ertönt merkwürdiges Gegröle in der Nacht… das Grauen ist in „Das Baumhaus“ in den Bäumen. Man kann es aber immer nur so aus dem Augenwinkel sehen und dann ist es auch schon wieder weg. Und so spielt Bartlett den gesamten Anfang über mit uns… und lässt uns auch mit dieser gemeinen Frage allein, was denn überhaupt da draußen lauert.

Leider hat dieser Film ein riesengroßes, dickes, fettes ABER!!! Denn sobald Killian und Elizabeth aus dem Baumhaus klettern (ja, sorry, sie tun es, Spoiler-Alarm), verliert der Film leider ziemlich schnell seine bedrohliche Stimmung… was vor allem daran liegt, dass das Verlassen des Baumhauses nicht die erwarteten Gefahren hervorbringt. Stattdessen pennen die dann erst einmal ne Nacht gemütlich unter nem Baum… ungestört.

Wenn Bartlett auch noch das größte Geheimnis des Films lüftet, wird’s richtig enttäuschend. Denn die Auflösung kann nicht den hohen Erwartungen, die durch den guten Start des Films aufgebaut wurden, nicht gerecht werden. Es ist wirklich lahm… anders kann man es nicht beschreiben. Der Film entwickelt sich in eine vollkommen andere Richtung, was ja an sich nicht schlimm wäre… nur leider entfernt sich Bartlett dann auch von der feinen Subtilität des Anfangs und versucht mit sehr viel offensichtlicheren Schockmomenten zu beeindrucken. Dazu kommt dann auch noch ein etwas merkwürdiges „offenes“ Ende, das zwar nicht so offen ist, aber trotzdem so als Twist präsentiert wird, der jetzt nicht nochmal nötig gewesen wäre.

Ich halte das jetzt sehr wage, aber es ist halt einfach schade, weil in „Das Baumhaus“ durchaus Potenzial steckt, das nicht so richtig genutzt wurde. Man hat so ein bisschen das Gefühl, Bartlett hat sein ganzes Pulver gleich zu Beginn verschoßen und wirft am Ende nur noch mit Wattebällchen (metaphorisch gesprochen natürlich, denn letztendlich ist das Ende blutiger als der Anfang).

Wertung: 5 von 10 Punkten (immerhin war das Baumhaus cool… und verdammt, verdammt gruselig)

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2 Kommentare leave one →
  1. 12. Mai 2016 22:43

    Mensch und zuerst dachte ich hier gehts um den Film Das Baumhaus mit (einem sehr sehr jungen) Elijah Wood und Kevin Costner(?). War wohl doch was anderes ^^“

    • donpozuelo permalink*
      12. Mai 2016 23:52

      Oh… hahaha 😀 Jupp, das sind dann wohl zwei verschiedene paar Schuhe, die hier mal eben den gleichen Titel bekommen haben. Auch sehr clever…

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