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Die himmlische Kriegerin

4. Mai 2016

Ich muss sagen, irgendwie bin ich doch immer froh, dass sich Hollywood nicht zu oft an Video-Spiel-Verfilmungen versucht (anders als mit Comic- und Buch-Verfilmungen). Vielleicht hat da doch irgendein halbwegs schlaues Köpfchen erkannt, dass das einfach nie so richtig funktionieren kann. Wie will so ein Film dich auch schon so derartig in den Bann ziehen wie ein Spiel? Beim Spiel darf man schließlich nicht nur zusehen, sondern selbst aktiv werden. Was beim Film ja ziemlich schwierig wird, man kann zwar mitfühlen, aber wenn man selbst derjenige ist, der einen Mord oder einen schweren Schicksalsschlag nicht verhindern konnte, zieht einen das noch viel mehr in die Geschichte des Spiels und man setzt verzweifelt alles daran, es am Ende doch noch zu richten. Videospiele sollte man halt wirklich einfach nicht verfilmen… und wenn doch, sollte man sie besser nie 1:1 ins Filmische übersetzen, sondern vielleicht nur die Grundidee nehmen und etwas Eigenes daraus machen… (ich bin schon sehr gespannt, wie und ob das Michael Fassbender und Justin Kurzel in „Assassin’s Creed“ gelingen wird).

Ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte, liefert uns jetzt Regisseur Gun Ho Jung mit dem Film zu „Heavenly Sword“. Darin geht es um die junge Nariko (Anna Torv), sie gehört zum Clan derjenigen, die das „Heavenly Sword“ behüten – ein mächtiges Schwert, das vom Auserwählten geschwungen wird, um Gerechtigkeit über die Welt zu bringen. Blöd nur, dass Nariko ein Mädchen ist und somit nicht die Auserwählte sein kann – zumindest laut ihres Vaters. Als der mächtige und böse King Bohan (Alfred Molina) dann aber versucht, das Schwert zu vernichten, muss Nariko es mit ihrem Leben beschützen – und der Welt beweisen, dass sie doch fähig sein kann, die Macht des Schwertes zu bändigen, um ihren Clan zu retten.

Nariko und ihr übergroßer Zahnstocher

„Heavenly Sword“ erschien 2007 als Exklusiv-Titel für die damals kaum ein Jahr alte PlayStation 3. Und was habe ich damals auf diesen Titel gefreut, denn „Heavenly Sword“ sah verdammt gut aus… und machte dann später auch richtig Spaß. Es war ein cooles Hack-n-Slay-Spiel mit Quicktime-Momenten, die damals noch nicht so sehr nervten wie heute. Außerdem bot das Spiel coole Zwischensequenzen, in denen man Pfeile mit der Bewegung des kompletten PS3-Controllers steuern konnte, was zu wildem Gezappel auf dem Sofa, zu noch wilderen Flüchen wegen der etwas wackeligen Steuerung und zu wirklich noch wilderen Ausbrüchen von Freude führte, wenn man es dann doch meisterte.

Tja… leider ging „Heavenly Sword“ nie so richtig in Serie, was ich immer ein bisschen schade fand, denn aus diesem Spiel hätte echt mehr werden können. Aber statt uns was zum Zocken zu geben, liefert man uns „Heavenly Sword“, den Film… und der ist echt eine Katastrophe.

Der Film erzählt nämlich einfach noch einmal die Geschichte des Spiels… Punkt für Punkt, ohne sich vielleicht mal etwas Neues einfallen zu lassen. Letztendlich hätten sie für diesen Film einfach nur die Cut-Scenes aus dem Spiel nehmen können… und der Film wäre fertig gewesen. Oh, verdammt… genau das haben sie ja auch gemacht. Jupp, so fühlt sich „Heavenly Sword“ zumindest an: Da werden wir halt wirklich mit einer sehr ungleichen Mischung aus sehr Dialog lastigen Szenen und Kampfsequenzen „beglückt“, die sich nie wirklich zu einem filmischen Erlebnis vereinen können. Gerade bei den Kampfsequenzen spürt man, dass man hier jetzt eigentlich selber spielen würde, aber stattdessen muss man sich die recht einfallslosen und repetitiven Kämpfe einfach nur so anschauen – was halt nicht wirklich viel Spaß macht.

Womit wir das Thema des Schauens auch noch einmal ansprechen können: Denn wirklich gut sieht „Heavenly Sword“ leider auch nicht aus. Eher das Gegenteil ist hier der Fall… wir bekommen emotionslose Gesichter, etwas staksige Bewegungsabläufe und generell einfach eher lieblose „Welten“, in denen es nichts zu bestaunen gibt. Die Animationen sehen halt wirklich aus wie vor 10 Jahren – selbst wenn man sich Narikos Haarpracht anschaut (überhaupt die Haare), ist das halt ein großes, rotes Etwas, das sie auf dem Kopf trägt – nur halt keine Haare.

Da hilft es dem Film dann auch nicht, dass „Fringe“-Agentin Anna Torv (wie schon im Spiel auch) wieder die Nariko spricht, ein Alfred Molina den Part von Bohan übernimmt (der vorher von Andy Serkis gesprochen wurde) und selbst ein Nolan North, der sich u.a. durch seinen Nathan Drake einen Namen machte, mit von der Partie ist. Denn so gut die Stimmen auch sein mögen, die Geschichte und die Animationen sind es leider nicht. Man beobachtet halt nur eine Abfolge von Bildern, ohne das man wirklich von irgendwas in diesem Film in den Bann gezogen wird.

Wertung: 3 von 10 Punkten (da krame ich lieber noch einmal das Spiel aus dem Regal)

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