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Wir sind alle Negan!

29. April 2016

Ich lese die „The Walking Dead“-Comics ja nur in den Telefonbuch dicken Kompendien, weswegen ich auch immer ziemlich lange warten muss, bevor ich wieder neuen Lesestoff habe. Nun war es tatsächlich so, dass mein quasi „Wiederentdecken“ der Serie nicht nur mit dem Genörgle eines sehr guten Freundes zusammenhängt, sondern eben auch mit dem Erscheinen des dritten Kompendiums. Da ich aber auch aus den Comics ein bisschen raus war, fing ich eben noch einmal von vorne an zu lesen. Und war durch kein Band schneller durch als durch den dritten. Da wird nämlich die komplette Geschichte um den nächsten großen Schurken (nach dem Governor) erzählt: und das ist Negan. Und weil ich die Negan-Story in den Comics so unglaublich gut fand, hatte ich eigentlich noch mehr Bedenken, die Serie zu gucken (ich erinnere nur an den Serien-Governor), aber was aus diesen Bedenken geworden ist, weiß der treue Leser natürlich schon längst. Allerdings bleiben die Zweifel und Bedenken, denn schließlich haben wir von Negan in der sechsten Staffel noch nicht viel gesehen. Vielmehr wird die zweite Staffelhälfte dafür verwendet, den Mythos Negan aufzubauen. Aber fangen wir ruhig von vorne an:

Staffel 6 beginnt – ähnlich wie Staffel 5 – mit einem ordentlich Knaller: Der größten Walker-Horde, die wir jemals gesehen haben. Und damit die nicht ins gelobte Alexandria kommen, versuchen Rick (Andrew Lincoln) und seine Leute alles, um sie fort zu locken. Was leider gehörig schief geht und uns ein Midseason-Finale beschert, dass es in sich hat und wo so einiges ins Auge geht (und so gehen mal wieder fünf Euro in die Wortspiel-Kasse). Danach treffen Daryl (Norman Reedus), Abraham (Michael Cudlitz) und Sasha (Sonequa Martin-Green) zum ersten Mal auf die Saviors, eine brutale Bande, die unter der Herrschaft des ominösen Negan (Jeffrey Dean Morgan) steht… und das Bangen beginnt erneut.

Wer sieht cooler dabei aus???

Was ich sowohl an den Comics als auch an der Serie nach wie vor besonders mag, ist die Tatsache, dass die Beißer, Walker, Zombies, wie auch immer man sie nennen möchte, schon längst nicht mehr die schlimmsten Feinde sind. Im Gegenteil, man hat sich an das Geschlurfe und Gestöhne schon gewöhnt. Aber an die Hinterhältigkeit der Menschen, an die Unfähigkeit einiger, sich auf andere einzulassen und das allgemeine Verrotten der Menschlichkeit gewöhnt man sich nie so richtig. Selbst ein Rick, der ja immer noch der strahlende Held der Serie (und auch der Comics) ist, hat schon viel Dreck angesammelt und strahlt hier und da nicht mehr ganz so stark. Aber gerade das ist dann auch die Faszination… wie werden diese Menschen noch reagieren? Und ich glaube, was noch viel faszinierender ist, ist die Frage, wie würde ich selbst reagieren? Das ist im Allgemeinen etwas, was ich an diesen Apokalypsen in Filmen und Serien so mag, man kann aus der Sicherheit des Sofas überlegen, wie man selbst agieren und reagieren würde.

Und gerade in Staffel 6 gibt’s von solchen Wahlmöglichkeiten so einige, wodurch dann auch immer wieder gesichert ist, dass einem der ganze Spaß dann nicht irgendwann langweilt. Das Einzige, was mich an Staffel 6 tatsächlich dann doch ein bisschen gestört hat, war dieser enorme Drang hin zu Cliffhangern. Mal hier und da einer ist ja immer okay, aber manche waren auch echt einfach nur dafür da, um aus Staffel 6 wirklich die Staffel der Cliffhanger zu machen.

Womit natürlich die kleine, aber feine Überleitung zum Finale geschlagen ist. Dem Finale, bei dem sich die Geister scheiden… und was ich auch durchaus verständlich finde, auch wenn ich das Finale sehr, sehr gemocht habe. Natürlich ist es verdammt gemein und ärgerlich und fies und überhaupt voll doof, dass die Spannung auf Negan so extrem aufgebaut wird und am Ende weiß man nicht einmal, wen er jetzt zu Mus geschlagen hat – mit seiner Lucille, seinem kleinen, niedlichen Baseball-Schläger. Aber ich find’s okay…

Gerade die letzte Folge war ja ein tolles Katz-und-Maus-Spiel mit den Saviors und in den letzten Minuten hat mir ein Jeffrey Dean Morgan dann auch ein paar meiner Bedenken beseitigen können. Morgan sieht schon mal aus wie Negan, sein fünfzehn-minütiger Monolog klingt auch sehr nach Negan, Lucille passt zu Negan und die anschließende Gewaltorgie passt auch. Gut, das Fluchen aus den Comcis fehlt, aber ich will jetzt auch nicht zu wählerisch sein. Auf jeden Fall fand ich den Aufbau zu ihm hin ziemlich gelungen… ich bin auf jeden Fall gespannt und hoffe einfach auch sehr, dass Negan die volle siebte Staffel für sich bekommt und nicht irgendwie in der Mitte gekürzt wird.

Lucille und ihr Liebhaber

Neben Negan gab es da aber ja auch noch Carol (Melissa McBride) im Finale, die mir eigentlich tierisch auf den Sack ging… bis mich jemand darauf brachte, dass sie vielleicht aus einem bestimmten Grund so agiert, wie sie es tut. Denn schließlich sind die Zeiten der taffen Carol vorbei, Heule-Carol, Verzweifel-Carol ist angesagt. Aber!!!! Aber!!! Was ist, wenn sie es aus einem bestimmten Grund tut? Was ist, wenn sie zum Beispiel irgendwie dafür verantwortlich ist, was der Gruppe passiert, weil sie vielleicht schon – ohne, das wir es gesehen haben – ein furchtbares Treffen mit Negan hatte? Eine wilde Theorie, wie sie das Internet liebt, aber es wäre auf jeden Fall cool, wenn die Richtung schon einmal stimmen würde.

Gut, jetzt habe ich nicht viele Worte über den großen Rest der Staffel verloren, aber das wird wohl auf ewig das Schicksal von Staffel 6 sein… denn letztendlich wird sie – trotz aller Cliffhanger (ist Glenn nun tot oder nicht? Nein, er findet Platz unter einem Müllcontainer), trotz aller schlimmen Dinge, die passieren (Carl verliert sein Auge, die Herde überrennt Alexandria, etc.), trotz aller coolen Dinge, die passieren (Rick und Michonne!!!!) – auf ewig auf ihr Finale und dessen fiesen Cliffhanger reduziert werden. Das aber ziemlich cool war, wie auch der Rest der Staffel… und ich bin jetzt unheimlich gespannt, wer denn nun Negans Opfer ist. Das Rätsel-Raten wird uns ja jetzt sicherlich noch eine Weile beschäftigen: Bleiben die Macher hier den Comics treu (was ich sehr begrüßen würde) oder wählen sie einen anderen, der sterben muss? Das Einzige, was hier wichtig ist, es muss letztendlich jemand aus dem Haupt-Cast sein – sprich: Glenn, Daryl, Michonne – nur so können die Macher diesen krassen Cliffhanger rechtfertigen. Erwischt es einen der „Nebencharaktere“, wäre es nicht gerechtfertigt, deswegen so einen Aufstand zu machen. Gleichzeitig würde der Tod eines Hauptcharakters auch dafür sorgen, dass Negan wirklich hassenswert wird.

Naja, wir werden es in Staffel 7 erfahren. Bis dahin heißt es warten…Hauptsache, sie versauen es nicht: „Negan, werd‘ bitte kein zweiter Governor!!!!!“

Wertung: 9 von 10 Punkten (Staffel 7 könnte dann wirklich DAS Highlight der Serie schlechthin werden)

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16 Kommentare leave one →
  1. 29. April 2016 14:15

    Abgesehen von deinen Worten zu Carol: D’Accord!
    Die Cliffhanger wurden immer lächerlicher, das stimmt. Aber Carol… hui hat die mich (mal wieder) überrascht! In der Folge mit Maggie habe ich lange, sehr lange auf die Pointe gewartet. Ihr Verhalten habe ich ihr nicht so recht abnehmen wollen, bzw. habe ich nur darauf gewartet dass sie völlig durchdreht. Im Grunde macht sie ja jetzt auf Morgan 2.0 aber das empfand ich als deutlich erfrischend in der Staffel. Da hat sich eine ganze Menge gewandelt, auch storytechnisch. Werden sie und Morgan gemeinsam nach Hilfe suchen? Schließt sich Carol alleine der neuen „Gruppe“ an? Rettet sie die Gruppe oder kocht sie nun ihr eigenes Süppchen? Überwindet sie ihre Traumata? Das sind für mich die absolut interessantesten Fragen, auf die ich dringend Antworten brauche! Da ist mir der finale Cliffhanger schon nebensächlich. (Ob es nun Glenn wird… hmm. Könnte mir auch vorstellen dass es Abraham oder Sasha werden. Wenngleich die Wahrscheinlichkeit extrem gering ist… das würde der Story aber auch einen neuen Wendepunkt geben.)

    • donpozuelo permalink*
      29. April 2016 15:35

      Abraham oder Sasha… nein… das darf echt nicht sein!!! 😀 Es muss nach diesem Ende einfach einer vom Hauptcast sein. Alles andere wäre doof.

      Und ja, Carol entwickelt sich zu einem echt interessanten Charakter. Gerade dieser extreme Wandel in dieser Staffel war schon echt krass. Da muss auf jeden Fall auch noch sehr viel mehr hinter stecken und ja, da bin ich auch sehr gespannt drauf, was da noch passiert mit ihr.

    • 29. April 2016 16:45

      Es mag durchaus an mir liegen, aber ich konnte Carols Entwicklung überhaupt nicht nachvollziehen und dachte bis zuletzt, dass sie nur eine Rolle spielen würde. Ihren Wandel innerhalb der letzten Staffel(n) habe ich irgendwie verpasst oder nicht verstanden.

      Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass es Glenn sein wird. Hier habe ich mir ein paar Gedanken zum Finale gemacht. Hoffe das spamen ist ok 🙂

      https://magofilmtipps.wordpress.com/2016/04/26/the-walking-dead-wen-toetet-negan/

      • donpozuelo permalink*
        1. Mai 2016 20:34

        Solch Spamen ist okay 😀 Gerade so… 😉

        Ich bin gespannt, was sie bei Carol noch ausgraben… sehr gespannt.

  2. 29. April 2016 16:46

    Hilf mir mal eben auf die Sprünge. Was hattest du denn gegen den Governor? Ich fand ihn eigentlich als Schurken ziemlich cool!

    • donpozuelo permalink*
      1. Mai 2016 20:36

      Hmm… das war gerade so die Phase, in der ich die Comics alle gelesen hatte… und irgendwie war mir der Serien-Governor zu menschlich, während der Comic-Governor wirklich ziemlich schnell zu einem Riesenarschloch wird. Und wahrscheinlich waren meine Erwartungen an den Serien-Governor dann einfach zu hoch… und ich konnte mich nie so richtig mit ihm anfreunden. Zumal ich die ganze Andrea-Geschichte mit ihm dann auch extrem anstrengend fand…

  3. 1. Mai 2016 22:27

    Jeffrey Dean Morgan hat mich in den letzten Minuten der Staffel (und seinen ersten Minuten) als Charakter bereits vollends überzeugt. Großartig fies gespielt. Ich bin mega gespannt auf Staffel 7!

    • donpozuelo permalink*
      2. Mai 2016 09:21

      Ich auch. Wie gesagt, ich hoffe, sie werden ihn in der siebten Staffel zu dem großartigen Fiesling machen, der er ist. Aber nach dem Finale habe ich da auch kaum noch Bedenken.

  4. 7. August 2016 23:43

    Im Großen und Ganzen fand ich diese Staffel wirklich gut, sogar etwas besser als die letzte.
    Carols Verhalten hat mich diesmal irritiert, letztendlich habe ich es aber zu verstehen versucht. Sie ist so eine tickende Zeitbombe und ich bin gespannt was das mit ihr noch wird.
    Maggie und Glenn…ich weiß nicht, irgendwie gehören sie dazu, nerven aber total :))
    Ich wusste ganz genau, dass Glenn die Kontainersache überleben würde, solche Figuren sterben nie :))
    Ansonsten haben wir mit den Saviors wieder genau mein persönliches Feindbild: marodierende dämliche Männer und ein paar passende Frauen, die selbst nichts gebacken bekommen, außer kaputt zu machen und andere auszunehmen. Ich staunte wirklich, dass hier nicht endlos vergewaltigt wurde, denn so wirklich unter Kontrolle hatten sich die Typen ja nicht.
    Auf das Staffelfinale war ich ja vorbereitet, weil Bruder bereits vor Wochen beim Kaffee gnadenlos gespoilert hatte (er zieht jetzt seine Runden in einem Müllkontainer).
    Trotzdem fand ich die letzte Folge blöd, viel zu langgezogen. Mein Tipp: Michonne. Ist die Einzige, die für mich hier Sinn macht.

    • donpozuelo permalink*
      8. August 2016 12:16

      Auf Carol bin ich tatsächlich auch am meisten gespannt, da kommt sicherlich noch so einiges… Und Glenn und die Kontainer-Sache: ja, irgendwie war mir das auch klar, dass sie ihn nicht so billig wegsterben lassen. Die großen Hauptcharaktere bekommen ja doch immer ein bisschen mehr „Zeit zum Sterben“. Dafür bin ich überzeugt, dass er derjenige sein wird, der von Negan kaputt gemacht wird. Ist ja im Comic so und würde auch für die Serie irgendwie Sinn machen… zumal es Maggies Rolle noch mal stärken würde (in dem was noch so alles kommt).

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