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Video-Botschaft aus dem Jenseits

20. April 2016

Ich könnte jetzt wohl wieder einmal mehr damit anfangen, über Jason Blum zu reden. Aber das habe ich mittlerweile schon oft genug gemacht. So ganz ohne Jason Blum geht es aber auch dieses Mal nicht, denn während ich zuletzt bei „The Gift“ ja noch ein Beispiel guter Blum’scher Produktionskraft vorstellen konnte, muss heute etwas herhalten, dass nicht so der Renner ist. Dieses Mal hat sich Blum mit Regisseur von „Saw VI“ zusammengetan – Kevin Greutert.

Der erzählt uns in „Jessabelle“ die Geschichte einer jungen Frau namens Jessabelle – d’uh! Nach einem schweren Autounfall, bei dem Jessabelle (Sarah Snook) ihren Freund und ihr ungeborenes Baby verliert, ist sie erst einmal an den Rollstuhl gefesselt. Ihr Vater (David Andrews) kümmert sich um sie, auch wenn die beiden eigentlich nie so richtig Kontakt zueinander hatten, denn ihr Vater gab sie an ihre Tante ab, als ihre Mutter an Krebs starb. In dem alten Haus ihrer Eltern, mitten im Sumpf irgendwo in Louisiana, findet Jessabelle Video-Kassetten, auf denen ihre Mutter Botschaften für sie hinterlassen hat. Eine davon besagt, dass sie, Jessabelle, schon längst tot sei!

So viel zum Thema entspannendes Bad…

Schocker, nicht wahr? Ich weiß… Greuterts Film ist so ziemlich das Gegenteil von schockierend oder auch nur ansatzweise gruselig. Dabei hätte „Jessabelle“ durchaus alle Chancen gehabt, ein guter Horror-Film mit einem interessanten Twist sein können: wir haben ein altes, unheimliches Haus mitten im Nirgendwo – ein Klassiker. Dazu haben wir dieses alte, unheimliche Haus in ein exotisches Setting gesetzt – ein Bayou im Süden der USA. Es ist verwildert und wunderschön zugleich – ein Ort, der voller Geheimnisse zu stecken scheint. Das wird dann vermischt mit ein bisschen Voodoo und ein bisschen „Ring“-Flair, wenn es alte Videos zu gucken gibt. Und um damit das alles wirklich gut mit einander funktioniert, haben wir eine Hauptdarstellerin, die es in sich hat, die diesen Film tragen kann, mit der wir mitleiden können.

Doch was macht Greutert daraus? Den unspektakulärsten Horror-Film seit… seit… seit… ich weiß nicht. Seit dem unspektakulärsten Horror-Film, den ihr euch gerade so vorstellen könnt. In „Jessabelle“ passiert nämlich einfach wirklich nicht viel – trotz der interessanten Versatzstücke, die Greutert einfach nicht ordentlich zusammenführen kann. Okay, es gibt ein paar etwas unheimliche Szenen im Haus, aber knarrende Fußböden, Schatten hinter Gardinen und sich von selbst schließende Türen sind doch nun wirklich ein mehr als alter Hut. Greutert schafft es nie so richtig, uns vor diesem Ort Angst zu machen – weder vor dem Haus noch dem Bayou. Verspielte Chancen Nummer 1 und 2.

Die Geschichte rund um irgendwelches Voodoo-Zeug reißt „Jessabelle“ immer wieder nur grob an. Kleine Häppchen sind ja nicht verkehrt. Auch die „Ring“-Variation mit den Videos ist ein netter Touch, nur leider ist der Film an sich so vorhersehbar, dass sich dieses Zurückhalten fast schon wieder albern anfühlt. Wenn meint Greutert denn, könnte er am Ende noch groß überraschen? Die Idee hinter „Jessabelle“ ist wirklich nicht schlecht, man könnte sogar so weit gehen und sie wirklich interessant und halbwegs kreativ nennen. Nur leider hapert es extrem an der Umsetzung. Stimmung will einfach nicht aufkommen, der gesamte Film fühlt sich extrem episodenhaft an und findet einfach keine klare Linie. Verspielte Chance Nummer 3.

Wie heißt es aber so schön: Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Im Fall unseren Huhns Greutert heißt dieses Korn Sarah Snook. Gott und allen Voodoo-Zaubern dieser Welt sei Dank, dass es in diesem Film Sarah Snook gibt. Kennengelernt habe ich die Gute ja durch „Predestination“ und dann noch einmal kurz in „These Final Hours“ – und schon ab dem Zeitpunkt mochte ich sie. Das setzt sich zum Glück auch in „Jessabelle“ und trotz allem anderen in diesem Film fort. Snook weiß von der ersten Minuten an zu beeindrucken und kämpft tapfer mit den Schwächen des Drehbuchs und der Regie. Sie trägt diesen Film und macht ihn erträglich. Weil ich mit ihr mitfühlen konnte und auch immer wieder ihre Verwirrung und Angst spüren konnte, war es mir möglich, diesen Film bis zum Ende durchzuhalten. Snook rettet diesen Film – soweit sie es denn kann. Snook ist super, der Rest leider nicht… was ihre Leistung umso stärker macht: In einem miserablen Film dennoch zu überzeugen, ist schon was.

Somit verbuchen wir „Jessabelle“ dann mal schnell unter den Nieten des Jason Blum, der sich aber sicherlich trotzdem keine Sorgen machen muss. Und Sarah Snook hoffentlich auch nicht.

Wertung: 4 von 10 Punkten (drei für Sarah Snook, einen Punkt für die netten Landschaftsaufnahmen)

 

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