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Die Rote Blume

18. April 2016

Die Zeiten verändern das Kino. Alles wird irgendwie anders und bleibt doch immer gleich (zumindest, wenn man sich überlegt, was alles einfach nur neu aufgelegt wird, etc.), aber während sich das Kino in seinen Maßen weiterentwickelt, bleiben die Preise für dieses Kino, für die Filme irgendwie ein bisschen auf der Stelle. Ich meine, wo bitte ist der Oscar für den besten Superhelden? Bei der momentanen Entwicklung ist das etwas, worüber wir dringend mal nachdenken sollten? Wo ist der Oscar für bestes Motion-Capturing? Wobei Andy Serkis wahrscheinlich nachträglich und für die Zukunft schon mal vorsorglich mit 15 Auszeichnungen belohnt werden müsste. Und wo bitte bleibt dann der Oscar für die beste „Stimme“? Eine Diskussion, die wir ja mit „Her“ tatsächlich (und auch berechtigt) schon geführt haben, denn immerhin war Scarlett Johansson wirklich umwerfend – und das halt nur mit ihrer Stimme.

Warum komme ich jetzt auf sowas? Weil ich gerade aus Jon Favreaus „The Jungle Book“ komme und immer noch ein bisschen sehr davon beeindruckt bin, dass der ganze Film mehr oder weniger komplett aus dem Computer stammt (bis halt auf den jungen Neel Sethi als Mowgli) und es einfach umwerfend aussah. Zur Geschichte muss ich ja wohl nicht mehr viel sagen. Das Ganze basiert nach wie vor auf dem Buch von Rudyard Kipling, ist aber auch extrem vom Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“ aus dem Jahre 1967 inspiriert und erzählt nach wie vor die Geschichte des kleinen Mowgli, der von Wölfen im Dschungel groß gezogen wird, dann wegen dem Tiger Shir Khan ins Menschendorf zurückgeschickt wird und dabei eine ganze Menge Abenteuer erlebt und am Ende mit Feuer (hier Rote Blume genannt) spielt.

Voll knorke, der dufte Bär…

Viel verändert hat „Iron Man“-Favreau, aber er erzählt die Geschichte zum Glück auch nicht eins zu eins nach. Hier und da erweitert er ein paar Geschichten (so bekommt Wolfmama Raksha ein bisschen mehr Hintergrund), lässt den Großteil der Songs weg (auch wenn Baloos Song natürlich Pflicht ist, während ich King Louies ein wenig fehl am Platz fand) und macht aus dem einstig fröhlich-bunten Disney-Spektakel einen Film, der zwar schon auch noch fröhlich und bunt ist, aber sich gerade zum Ende hin stark „bewölkt“, extrem düster und brutal wird (sodass man, sollte man sich diesen Film mit Kindern anschauen, denen für den Schluss vielleicht doch besser die Augen zuhält – Disney-Gewalt ist unter Favreau dann doch ziemlich harter Tobak).

Aber gut, über die Geschichte muss auch wirklich nicht viel gesprochen werden. Wir alle kennen sie und Favreau liefert jetzt auch keine großen Überraschungen. Hätte man vielleicht machen können, aber es sollte wohl halt auch nach wie vor ein bisschen wie Disney wirken. Was „The Jungle Book“ an innovativen Story-Ansätzen fehlt, macht der Film durch seine Optik wieder wett.

Ich gebe ja zu, ich war extrem, extrem skeptisch, nachdem ich die ersten Bilder gesehen hatte. Das sah zwar alles toll animiert aus, aber… aber keine Ahnung. Wahrscheinlich war ich einfach zu sehr festgefahren auf Disney-Zeichentrick, als das ich mich mit realitisch animierten, sprechenden Tieren anfreunden wollten, die mit einem kleinen Jungen sprechen, der in irgendeinem Green-Screen-Studio über grüne Würfel hüpft und mit Tennisbällen redet. Allerdings gelingt es Favreau (oder viel mehr seinem großartigen Team an CGI-Göttern) diese Skepsis in Sekunden verfliegen zu lassen. Die Animationen sind schon wirklich absolut umwerfend. Dieser Dschungel lebt und wie er lebt. Da kann man sich wirklich gar nicht dran satt sehen und auch irgendwie immer gar nicht so richtig glauben, dass das alles „einfach“ nur am Computer entstanden ist. Dazu kommen Tiere, die wirklich sehr real wirken – gut, vielleicht, wenn man knauserig ist, erkennt man gerade bei einigen Schattierungen oder am Fell oder auch an einigen Bewegungen, dass sie nicht wirklich echt sind. Aber hey, ein bisschen Filmzauber gehört dazu. Und der ist in „The Jungle Book“ sehr wirkungsvoll eingesetzt.

Was die Optik vielleicht zu wünschen übrig lassen könnte (obwohl ich jetzt nicht wirklich wüsste was), wird durch die „Darsteller“ grandios ergänzt. Fangen wir vielleicht beim einzig echten Darsteller an: Ich kann nur sagen, Hut ab vor Neel Sethi als Mowgli. Der Kleine ist überzeugend, sympathisch und gewitzt. Es macht Spaß, ihm beim Klettern, Springen und Werkzeuge bauen (ja, das Tier Mensch beweist selbst im Dschungel, dass es nur Überleben kann durch die Erweiterung seiner geringen Eigenfähigkeiten), zu zu sehen. Aber Klein-Sethi, so gut er auch ist, wäre nichts ohne die Sprecher. Und hier sind wir dann wieder bei dem Thema: Preise für Sprecher. Denn Favreaus Voice-Casting ist wirklich absolut perfekt. Natürlich ist Frau Johansson mit dabei und verleiht Schlange Kaa mit ihrer Stimme eine unheimliche und zugleich faszinierende Präsenz. Ben Kingsleys seriöses, fast schon adlig klingender Ton macht aus Baghira einen würdigen Mentor, während ein Bill Murray als Baloo die Ruhe und Gemütlichkeit bestens wiedergibt. Idris Elba glänzt als Shir Khan, doch mein absoluter Favorit war Christopher Walken als King Louie. Das war, als würde man einen Mafia-Paten als Affen sehen. Würde man nur den Dialog hören und nicht wissen, aus welchem Film das stammt, würde man vielleicht nicht unbedingt auf „The Jungle Book“ setzen.

Die Sprecher sind also wirklich, wirklich toll und verleihen diesem Film das gewisse Etwas. Allein wegen Walken würde ich mir den Film noch einmal anschauen. Zwar hätte ich mir ein bisschen mehr „neue“ Geschichte gewünscht, aber wer weiß… Andy Serkis liefert uns ja später auch noch seine Variante vom „Dschungelbuch“… vielleicht erzählt der uns die Geschichte mal ganz anders.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Story kennen wir zwar schon, aber es sieht gut aus, hört sich wunderbar an und ist irgendwie doch einfach nur toll)

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