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Shut up and deal!

11. April 2016

Es gibt viele berühmte Liebesbeweise in Filmen, die ihre Wege in die Reihe glorreicher Filmzitate geschafft haben. Da gibt es mal richtig lange wie zum Beispiel Harrys „Neujahrsansprache“ für Sally, dann gibt’s dieses „You had me at Hello“-Geschichte zwischen Tom Cruise und Renee Zellweger oder den Klassiker schlechthin – das einfache „Ich weiß“ von Han Solo auf das „Ich liebe dich“ von Leia. Und ich dachte schon immer, das wäre irgendwie ziemlich Badass von Han Solo. Dieses rotzig-lässige „Ich weiß“… aber zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von Shirley MacLaine, die auf das „I love you“ von Jack Lemmon in Billy Wilders „Das Apartment“ verliebt schmunzelnd antwortet: „Shut up and deal“ (bezogen darauf, dass die beiden gerade Karten spielen!)

In „Das Apartment“ lernen wir den Versicherungsangestellten C.C. Baxter (Jack Lemmon) kennen, der sich aus der Masse seiner Kollegen nicht unbedingt wegen seiner Arbeit bei seinen Chefs beliebt gemacht hat. Vielmehr mögen sie ihn dafür, dass er ihnen sein Apartment für ihre Seitensprünge zu Verfügung stellt. Jeder Abteilungsleiter, der mal die Sekretärin vernaschen möchte, pfeift einfach nach Baxters Schlüssel und fertig ist der Lack. Lange denkt sich Baxter auch nichts dabei, bis er eines Tages die hübsche Fahrstuhl-Dame Fran (Shirley MacLaine) mit einer Überdosis in seinem Apartment findet. Hin und her gerissen zwischen seiner eigenen unausgesprochenen Liebe zu ihr und seinem Wunsch in der Firma aufzusteigen und deswegen seinem Chef Jeff Sheldrake (Fred MacMurray) zu helfen, wegen dem Fran überhaupt ihren Selbstmordversuch gestartet hat, muss der arme Baxter irgendwie eine lebenswichtige Entscheidung treffen.

Kartenspielen kann auch ganz romantisch sein…

Ich muss ja jetzt gestehen, dass ich mich mit dem Werk von Billy Wilder bislang so gut wie gar nicht beschäftigt habe – außer, dass ich hier in Berlin schon mal in der „Billy Wilder“-Bar am Potsdamer Platz war. Aber das ist ja auch nicht wirklich das Gleiche. Zuletzt habe ich von Wilder „Manche mögen’s heiß“ gesehen und war von Anfang an begeistert. In der Komödie lernte ich einen Regisseur kennen, der es fertig bringt, eine Zwei-Stunden-Komödie mit genug Leben, Witz und starken Charakteren zu füllen, dass einem nie langweilig wird.

Natürlich habe ich das Gleiche von „Das Apartment“ erwartet, zumal Jack Lemmon einmal mehr unter Wilders Regie zu sehen ist. Und ich wurde auch nicht enttäuscht, aber so eine richtige Komödie ist „Das Apartment“ für mich jetzt auch nicht unbedingt. Was keinesfalls etwas Negatives ist, nur so gar nicht meinen Erwartungen entsprach. Ich dachte, ich bekomme eine witzige Komödie, stattdessen ist „Das Apartment“ auch oftmals sehr viel dramatischer als man meinen möchte. Wilder setzt nämlich nicht nur auf Witz… vielmehr offenbart er uns in den zwei Stunden die Welt eines bemitleidenswerten Mannes.

Baxter ist ein einfacher Mann, der nur versucht, in der harten Welt seiner Branche zu überleben und vielleicht auch aus der Masse hervorzustechen. Vielleicht sind seine Methoden nicht besonders toll, schließlich unterstützt er all die ach so gemeinen Ehebrecher in seiner Firma, aber letztendlich ist er doch auch extrem zu bemitleiden. Schließlich wird seine „Gutmütigkeit“ gnadenlos ausgenutzt… und beschert ihm auch noch Ärger mit seinen Nachbarn, da er immer wieder für ein Schwerenöter gehalten wird, der tagein, tagaus die Frauen in sein Apartment schleppt.

Wilder nimmt sich dafür viel Zeit, um uns klar deutlich zu machen, was Baxter alles durchstehen muss, nur um ein bisschen die Karriere-Leiter erklimmen zu können. Dank eines wieder einmal umwerfenden Jack Lemmon funktioniert das auch wunderbar. Lemmon ist einfach die Art von „Normalo“, den man nur gerne haben kann. Wie schon in „Manche mögen’s heiß“ verkörpert er hier den Netten, den Kumpel-Typ, den Gentleman in einer Welt voller Arschgeigen. Und wie schon in „Manche mögen’s heiß“ macht er das mit einer unglaublichen Leichtigkeit, dass man ihn einfach von Minute Eins an sympathisch finden muss. Dazu wird ihm dieses Mal die charmante Shirley MacLaine an die Seite gestellt, die nicht nur dank ihres denkwürdigen „Shut up and deal!“ in Erinnerung bleibt.

„Das Apartment“ ist ein dramatischer und komischer Film, der gekonnt immer die Waage hält und dank der tollen Darsteller wirklich bestens zu unterhalten versteht.

Wertung: 9 von 10 Punkten (ich muss definitiv anfangen, mehr von Wilder zu schauen!!!)

8 Kommentare leave one →
  1. 11. April 2016 11:38

    Einer meiner Liebsten!

  2. 11. April 2016 14:20

    Alles unter 10 Punkten ist eigentlich inakzeptabel. Der Film ist so wundervoll melacholisch und das Ende auf eine interessante Art bitter.

    • donpozuelo permalink*
      11. April 2016 17:40

      Ja, da hast du eigentlich vollkommen Recht. Ich glaube, bei mir lag’s wirklich daran, dass ich eher eine Komödie erwartet habe und dann halt diesen doch sehr melancholischen und, wie du schon sagst, auch bitteren Film bekommen habe, der mich mehr als einmal an den Rand der Tränen gebracht hat… 😀

      • 16. April 2016 18:59

        Billy Wilder hat es halt drauf. Zeitlose Filme mit einem weiten Emotionsspektrum. So liebe ich das!

        • donpozuelo permalink*
          17. April 2016 22:25

          „Zeitloser Film“ klingt zwar immer ein bisschen wie eine blöde Floskel, aber bei Wilder trifft es absolut zu – also zumindest, wenn ich mir die Filme anschaue, die ich bisher von ihm kenne.

  3. 16. April 2016 21:54

    Also, du musst dir unbedingt noch „1, 2, 3“ anschauen. Sowas von durchgeknallt und provokativ (in seiner Zeit)! Und dabei auch noch schneller, als manche Komödie von heute. Ich sag‘ nur „SITZEN MACHEN!“ 🙂 http://m.spiegel.de/einestages/a-947503.html

    • donpozuelo permalink*
      17. April 2016 22:28

      Ja, „1, 2, 3“ wurde mir schon von mehreren Seiten empfohlen. Werde ich auf jeden Fall noch nachholen.

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